Wolzogen, ein adeliges Geschlecht, welches ursprünglich aus Oberösterreich stammt, sich dann aber nach Niederösterreich und Ungarn verbreitete. Schon um 1500 blühte es in zwei Linien, von denen die jüngere 1607 in den Freiherrenstand erhoben, beide aber 1628 wegen ihres prot. Bekenntnisses aus Osterreich verbannt wurden. Die ältere oder Missingdorfer Linie verbreitete sich nach Schlesien, Polen, Oldenburg, Frankreich, Schweden, Holland und der Rheinpfalz, erlosch aber um 1700. Ihr gehörten an Matthias von W. (geb. 1588, gest. 1665), der 1657 Geheimratspräsident (Premierminister) des Grafen Anton Günther von Oldenburg wurde und Mitglied der zur Reinhaltung und Ausbildung der deutschen Sprache gestifteten Fruchtbringenden Gesellschaft (des Palmenordens) war; Christoph Andreas von W., Kammerdirektor des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz seit c1657, und Ludwig von W., geb. 1635, gest. 1690, der als Professor der Kirchengeschichte zu Utrecht zu den Arminianern zählte und von Leibniz in dessen Theodiceer der erste Rationalist genannt wurde. Die jüngere, freiherrliche oder Neuhauser Linie, welcher der durch viele, den sechsten Band der „Bibliotheca Fratrum Polonorumo füllende theol. Schriften bekannte Socinianer Johann Ludwig Freiherr von W. (1600 —61) angehörte, wandte sich nach Franken, wo sie an den Höfen von Kulmbach, Bayreuth, Meiningen, Weißenfels und Altenburg hohe Amter bekleidete. Unter andern wirkte Hans Christoph von W., geb. 1666, gest. 1734, als Premierminister des Herzogs zu Sachsen-Weißenfels, sowie der Herzöge Bernhard I. und Ernst Ludwig I. zu Sachsen-Meiningen. Auch war er kaiserl. Reichshofrat und wurde 1702 mit allen seinen Nachkommen in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Durch Erwerbung der Rittergüter Mühlfeld und Bauerbach wurden um jene Zeit die Freiherren von W. Mitglieder der fränk. Reichsritterschäft des Kantons Rhön und Werra. Die Söhne Hans Christophs gründeten 1734 zwei Linien, von denen die ältere oder Mühlfelder zu Anfang des 19. Jahrh. erlosch, während die jüngere oder Bauerbacher noch fortblüht. Der letztern gehörten die Brüder H von W. und Ludwig von Wolzogen (s.d.P an. Vgl. A. von Wolzogen, Geschichte des reichsfreiherrl. von Wolzogenschen Geschlechts» (2 Bde., Lpz. 1859).