FeedWurzbach (Constant)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Wurzbach (Constant), Ritter von Tannenberg, bekannt als Bibliograph, Biograph und Dichter, geb. 11. April 1818 zu Laibach in Illyrien, studierte zu Graz die Rechte, trat 1836 in Krakau in das 30. Infanterierehiment und wurde 1840 zum Lieutenant befördert. Bald darauf nach Lemberg versetzt, vertauschte er 1844 seine Offizierscharge mit einem Posten an der dortigen Universitätsbibliothek. Er erhielt 1848 eine Stellung an der kaiserl. Hofbibliothek zu Wien und wurde 1819 zum Vorstande der administrativen Bibliothek des Ministeriums des Innern ernannt. Später wurde W. mit Beibehalt seiner Stellung zum Regierungsrat befördert, in welcher Stellung er sich noch, jedoch zur Vollendung seines Lexikons beurlaubt, befindet und zurückgezogen in Berchtesgaden lebt. Als Dichter ward er unter dem Ramen W. Constant bekannt. Unter dem Titel »Mosaiko (Krak. 1841) stellte er eine Sammlung seiner lyrischen Gedichte, Balladen und Romanzen zusammen. Aufmerksamkeit erweckten besonders seine «Paralleleno Aufl., Lpz. 1852), die zuerst 1849 anonym während der großen Bewegung im Kaiserstaate erschienen. Diesen folgte 1850 das Gedicht Von einer *]verschollenen Königsstadto (2. Aufl., Hamb. 1857), ein Romanzenkranz, und 1851 die Canzone MRapoleono, welche seiner spätern erzählenden Dichtung Der Page des Kaisers » (Düsseld. 1854) zur Einleitung dient. Sammlungen erzählender Poesien (Hamb. 1855), in denen sich besonders Der Preis „einer Arzneiv, der KSchwank von Oliver», das „Fastnachtmärchene und die Brautschau des Gygesauszeichnen. Später gab W. eine Sammlung lyrischer Gedichte unter dem Titel Cyclameno (Wien „1872) und als Fortsetzung derselben Aus dem Psalter eines Poeteno (Lpz. 1874) heraus. W. ist und hat namentlich in der poetischen Erzählung zum Teil Treffliches geleistet. Unter seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind zunächst seine «Sprichwörter der Polene(Lemb. 1847; 2. Aufl., Wien 1852) und die Volkslieder der Polen und Ruthenend (Lemb. 1846) hervorzuheben. Reich an histor. und kunstgeschichtlichem Material ist W.s Monographie über „Die Kirchen der Stadt Krakauv (Wien 1853). Ein ganz eigentümliches Verdienst aber hat sich W. durch zwei Arbeiten erworben: durch die «Bibliogr. „tatist. übersicht der Litteratur des österr. Kaiserstaatsv und das Biographische Lexikon des österr. Kaisertumsv. Von ersterm Werke, der erste Versuch einer Litteraturstatistik, sind drei Jahresberichte (1854, 1855 und 1856) in Druck erschienen. Das Biographische Lexikon des Kaisertums Ssterreich» (Bd. 1 —54, Wien 1856—86), Wis eigenste Arbeit, die er seit einem Vierteljahrhundert allein durchführt, ist ein in seiner Art einziges Werk. Es umfaßt die denkwürdigen Menschen von 21 verschiedenen Ländern des Kaiserstaats Anläßlich des 25. (Jubel-Bandes wurde W. vom Kaiser Franz Joseph in den Ritterstand erhoben. Außer diesem Lexikon erschienen noch von W.: «Das Schiller-Buchv (Wien 1859), der «Schiller-Kalendero» (anonym), „Joseph Haydn und sein Bruder Michael» (Wien 1861), »Das Mozart-Buch» (Wien 1869), Habsburg und Habsburg⸗-Lothringen, eine biographischgenealog. Studies (Wien 1861), „Histor. Wörter, Sprichwörter und Redensartene (2. Aufl., Hamb. 1866), Glimpf und Schimpf in Spruch und Worto (Wien 1864), eine Biographie Grillparzers (Wien 1871) u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 788Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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