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GeschichteBrockhaus 1882

Würzburg, ein ehemals reichsfreies Bistum, wurde 741 gestiftet und von den fränk. Königen mit Besitzungen begabt, welche die deutschen Kaiser und Könige in der Folge vermehrten. Der erste Bischof war der von Bonifaz bestallte und geweihte Burkhardt. Zum Schutzpatron hatte es den heil. Kilian, der hier schon 688 das Evangelium gepredigt haben soll. Allmählich brachten die Bischöfe zahlreiche Besitzungen der benachbarten fränk. Grafen und Herren an sich, aus welchen das umfangreiche Fürstbistum Würzburg sich bildete, an dessen Spitze der Fürstbischof, später mit dem Titel eines Herzogs von Ostfranken stand. Die erste wirkliche Verleihung der herzoglichen, d. i. der richterlichen Gewalt in Ostfranken findet sich 1120. Eine neue Bestätigung der herzogl. Würde erhielt der Bischof old 1168 durch Friedrich I.; in der kaiserl. Urnde ist aber absichtlich das Wort Franken und fränkisch vermieden und nur von einem «wirzburischen» Herzoge die Rede. Doch haben die Bischöfe päter wiederholt versucht, diese Bestätigung zu weiterer Ausdehnung ihrer Macht in Franken zu benutzen. In geistlichen Angelegenheiten standen die Bischöfe unter dem Erzbischof von Mainz, selbst nachdem ihnen Benedikt XIV. 1751 das erzbischöfl. allium und das Kreuz erteilt hatte. Der Flächeninhalt des Hochstifts belief sich auf etwa 4900 akm mit 262 000 E., und die jährlichen Einkünfte wurden zu 500000 fl. angegeben. Während des Dreißigjährigen Kriegs gab der Kanzler Oxenstjerna 1633 dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar die Bistümer W. und Bamberg als Herzogtum Franken in Lehn, das aber 1634 wieder aufgelöst und an den Bischof zurückgegeben wurde. Infolge des Friedens zu Lunéville wurde das Bistum W. gleich den übrigen unmittelbaren geistlichen Besitzungen in Deutschland säkularisiert und durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 andas Kurfürstentum Bayern zur Entschädigung für seine verlorenen Rheinprovinzen als ein weltliches Erbfürstentum überlassen, mit Ausnahme einiger Amter, die an andere Fürsten fielen. Die hervorragendsten Namen unter den 78 Fürstbischöfen, die W. hatte, sind Julius Echter von Mespelbrunn, 15731617, und Franz Ludwig von Erthal, 1779—95. Der letzte Fürstbischof, Georg Karl (von Fechenbach), erhielt eine Pension und starb zu Bamberg 9. April 1808. Im Frieden zu Preßburg trat Bayern gegen anderweite Entschädigung das Fürstentum W. 1805 an den ehemaligen Großherzog Ferdinand III. (s. d.) von Toscana ab, der das 1803 zur Entschädigung überlassene Kurfürstentum Salzburg an Osterreich überließ, wogegen nun W. statt Salzburg zum Kurfürstentum Würzburg erhoben wurde. Am 30. Sept. 1806 trat der Kurfürst Ferdinand dem Rheinbunde bei und nahm nun den Titel Großherzog von Würzburg an. Durch Beschluß des Wiener Kongresses erhielt der Großherzog seinen Erbstaat Toscana, W. aber fiel an Bayern zurück. Gegenwärtig bildet das Fürstentum einen Teil des Regierungsbezirks Unterfranken; kleinere Teile desselben fielen aber an Baden und Württemberg. Vgl. Ussermann, Episcopatus Wirceburensis (St. Blasien 1794); Schöpf, «Historischstatist Beschreibung des Hochstifts W. (Hildburgh. 1802); Clarmann, «Geschichte des Stifts W.» Nürnb. 1803); „Histor. Album der Stadt W. it einer geschichtlichen Einleitung von Wegeles

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 788Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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