FeedZamojski
GeschichteBrockhaus 1882

Zamojski, ein altes poln. Geschlecht, das aus der Vereinigung der alten Adelsfamilien Szarguß und Z. hervorgegangen ist. Das Geschlecht hat Rußia Güterbesitz und 4. gegenwärtig in Polen, lußland, Galizien und Posen ausgebreitet. Ein Zweig des Geschlechts wurde durch Kaiser Leopold II. 24. Nov. 1791 in den österr. Grafenstand erhoben. Jan Z., einer der größten poln. Staatsmänner und Feldherren, geb. 1. April 1541 im Palatinat Kulm, studierte zu Paris und Padua und kehrte 1565 ins Vaterland zurück, wo er, von Sigismund August in den Staatsdienst gezogen, zwei Starosteien erhielt. Schon auf den Reichstagen nach dem Tode Sigismund Augusts lenkte Z. aller Augen auf sich. Auf des Adels Freiheiten bedacht, that er den später in seiner Ausartung für Polen so unheilvollen Vorschlag, daß jeder Adelige, der zur Verteidigung des Vaterlandes 5 Ronzs sich stellte, auch persönlich zur Wahl des Königs erscheinen dürfte, nur mit Ausnahme derjenigen, die selbst als Kandidaten des Throns aufträten. Des spätern franz. Königs Heinrich III. Erwählung auf den poln. Thron erfolgte zum Teil durch Z.s Einfluß, der im Namen des-Volks den Wahlvertrag aufsetzte. Noch größern Einfluß hatte er bei der bald nötigen neuen Königswahl, und ihm vorzüglich verdankte Stephan Bathori die Krone. Z. wurde Großkanzler des Reichs, 1580 Großkronfeldherr und kämpfte mit dem Könige siegreich gegen Rußland. Gegen die Türken sicherte er die Grenzen durch ein Heer, das er auf eigene Kosten ausgerüstet hatte. Durch seine Vermählung mit des Königs Nichte, Griseldis (1583), zog sich Z. den Haß vieler aus dem Adel zu, der sich noch steigerte, als 3. einen Edelmann, Zborowski, der gegen den König eine Verschwörung eingegangen war, 1584 enthaupten ließ. Nach Stephan Bathoris Tode gewann Z. durch seinen Einsluß den Thron für Sigismund III. und besiegte die Partei des österr. Prinzen Maximilian bei Pitschen. Zwar verlor er unter dem schwachen Könige allen Einfluß auf die Staatsgeschäfte, doch hörte er nicht auf für des Vaterlandes Schutz zu sorgen. Er sicherte die Grenzen des Reichs fast allein gegen die Einfälle der Türken, Tataren und Kosaken und besoldete das Heer aus eigenen Mitteln. Gegen Michael, Wojwoden der Moldau, focht er so siegreich, daß ihm auf dem Reichstage von 1601 die Stände einen Dank votierten. Ebenso glücklich kämpfte er 1602 in Livland gegen die Schweden, bis er aus Mangel an Sold für das Heer den Oberbefehl niederlegte. Er gewährte auch den Wissenschaften einen mächtigen Schutz und viele Gelehrte lebten an seinem Hofe. In Zamose, das er gründete, stiftete er eine Akademie der Wissenschaften, die lange blühte. Auch schrieb er mehrere Werke, unter andern De senatu Romano v (Vened. 1563) und Testamentum Joannis Zamorio (Mainz 1606). Interessante Briefe 3.8 stehen in Lünigs „Literae procerum Europaeb. Er starb 3.Juni 1605 zu Zamosc. Vgl. Bohomolec, «Leben des Jan 3.v (Warsch. 1775); Dzialinski, Collectanea vitam resque gestas J. Lamoscii illustrantiad (Posen 1861). — Sein Sohn Tomasz 3. war gleichfalls Krongroßkanzler. Andrzej Z., geb. 1716 zu Zdiezun im Palatinat. Plock, trat in fächs. Kriegsdienste und kehrte 1754 als sächs. Generalmajor nach Polen zurück, wo er Senator und 1764 Krongroßkanzler wurde. Im J. 1767 legte er seine Stelle nieder. Doch unterzog er sich 1776 dem Auftrage des Reichstags, eine Gesetzsammlung zu ordnen, worin er die Rechte des dritten Standes feststellte (bior prawsadowychy, „3 Bde., Warsch. 1778: deutsch von Nikisch, Warsch. 1780), Diese treffliche Sammlung erhielt den Beifall des Königs. Doch der Reichstag von 1780 verwarf sie, und erst in der Konstitution vom r3. Mai 1791 sah 3. seine Grundsätze anerkannt. tSchon vorher hatte er auf seinen Gütern die Leibeeigenschaft abgeschafft. Nachdem er kurz vorher 5für sich und seine Familie in den österr. Grafenstand erhoben worden, starb er 10. Febr. 1792. — Sein Sohn Graf Stanislaw Z., geb. 13. Jan. 1775 zu Warschau, ebenfalls ein durch Bildung und „Humanität ausgezeichneter Charakter und in die Stürme der Zeit vielfach verwickelt, lebte seit 1836 zu Wien, wo er 2. April 1856 starb. Graf Andrzej Z., einer der sieben Söhne des Grafen Stanislaw, geb. 2. April 1800, trat 1823 in den poln. Civildienst im Ministerium des Innern und wurde Direktor der Abteilung für Ackerbau und Handel. Während der Revolution war er 1831 kurze Zeit Minister des Innern und unterzog sich dann einer diplomatischen Mission nach Wien, um bei Metternich zu Gunsten der Polen zu wirken. Er stiftete Schulen, begründete die Dampfschiffahrt auf der Weichsel, stellte sich an die Spitze einer Hypothekenbank und stiftete 1842 die Jahrbücher der Landwirtschafto, welche wieder zur Gründung der Landwirtschaftlichen Gesellschaft führte, die sich rasch über ganz Polen verbreitete. Als aber 3. mit seinen Bestrebungen den gemäßigtern Wielopolskis (s. d.) entgegentrat, wurde kurz vor Ausbruch der warschauer Unruhen 1862 die Landwirtschaftliche Gesellschaft aufgehoben und Z. nach Petersburg berufen, wo er als Ankläger des den Polen widerfahrenen Unrechts vor den Kaiser trat. Er wurde aus Polen verbannt, wandte sich zunächst nach Frankreich und starb 29. Okt. 1874 in Krakau. Graf Wladyslaw 3., Bruder des vorigen, General, geb. 24. März 1803, war Adjutant beim Großfürsten Konstantin, als 1830 die Revolution ausbrach. Er schloß sich derselben an und kämpfte mit Auszeichnung bei Dembe. Nach seiner Emigration befand er sich während der Belagerung von Antwerpen im belg. Heere, kämpfte 1848 unter Karl Albert bei Novara gegen die Osterreicher und darauf in Ungarn in den Reihen der Aufständischen. Während des Krimkriegs formierte er ein Regiment Kosaken des Sultans, suchte dann 1863 an den Höfen von London und Paris für Polen zu wirken und starb in Paris 11. Jan. 1868. Zamolxis oder Zalmoxis war wahrscheinlich der einheimische Name eines von den Geten verehrten Gottes, zu dem sie sterbend zu gehen glaubten, und auf welchen daher der bei ihnen herrschende Unsterblichkeitsglaube zurückgeführt wurde. Die Griechen am Hellespont machten daraus eine menschliche Persönlichkeit, einen Geten, der sich als Sklave und Schüler des hemuisvoll darau durch Reisen in Agypten eine geheimnisvolle Weisheit erworben haben und dann als Gesetzgeber und Religionsstifter unter seinem Volke aufgetreten sein soll.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 835Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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