Zedlitz (Karl Adam, Freiherr von), preuß. Staatsmann, geb. 4. Jan. 1731 zu Schwarzwalde bei Landeshut, besuchte die Ritterakademie in Brandenburg und das Carolinum zu Braunschweig und wurde 1755 Referendar beim Kammergericht, 1759 Oberregierungsrat in Breslau und 1770 Wirklicher Geheimer Etats⸗ und Justizminister. Seit 1771 war er auch Minister des Kultus. 3. verbesserte die Gefängnisse, sorgte für Anlegung und Verbesserung der Volksschulen und errichtete eine von der Kirche unabhängige oberste Unterrichtsbehörde; in dem Prozeß des Müllers Joh. Arnold (. d.) weigerte er sich entschieden, den ungerechten Urteilsspruch des Königs zu kontrasignieren. Nach dem Tode Friedrichs d. Gr. trat 3. 3. Juli 1788 vom Kultusministerium zurück und 3. Dez. 1789 gab er auch den ihm verbliebenen Teil des Justizdepartements und das Direktorium der liegnitzer Ritterakademie auf. Er zog sich auf seine schles. Güter zurück und starb 18. März 1793 auf Korpsdorf bei Schweidnitz. Vgl. Rethwisch, Der Staatsminister Freiherr von Z. und Preußens höheres Schulwesen im Zeitalter Friedrichs d. Gr.» (Berl. 1881; 2. Aufl. 1886). „Zedlitz und Neukirch (Octavio, Freiherr von), einer der Führer der freikonservativen Partei im preuß. Abgeordnetenhause, geb. 6. Dez. 1840 in Glatz, studierte in Heidelberg und Berlin die Rechte, wurde 1860 Auskultator, 1863 Regierungsreferendar und arbeitete 1864 — 65 bei dem preuß. Civilkommissariat in den annektierten Elbherzogtümern. An dem Feldzuge 1866 gegen Ssterreich nahm er als Landwehroffizier teil, bis ihn eine schwere Verwundung in der Schlacht bei Königgrätz kampfunfähig machte. Im J. 1867 wurde er Regierungsassessor, 1868 Landrat des Kreises Sagan und 1871 als Unterpräfekt nach St. Quentin berufen. Seit 1874 war er als Hilfsarbeiter zuerst im beschafkanzleramt, dann im Handelsministerium beschäftigt und seit 1881 vortragender Rat in der Bauabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten. Von 1871 bis 1874 vertrat er den Wahlkreis Sagan-Sprottau im Deutschen Reichstage und seit 1876 den dritten erfurter Wahlkreis im preuß. Abgeordnetenhause. Als Parlamentarier zeichnete er sich durch einen deutsch-nationalen Grundzug seiner polit. Richtung aus, und war stets bemüht, die gemäßigten Elemente im konservativen und liberalen Lager zu einigen. Als polit. Schriftsteller war Z. in der Tagespresse, namentlich in der Posto und in den Preuß. Jahrbücherno thätig.