FeedZell (Karl)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Zell (Karl), verdienter Humanist und Schulmann, geb. 8. April 1793 zu Mannheim, studierte in Heidelberg, Göttingen und Breslau Philologie, erhielt 1814 eine Professur an dem Lyceum zu Rastatt und 1821 eine ord. Professur an der Universität zu Freiburg. Im J. 1835 wurde er zum Ministerialrat und Mitglied des Oberstudienrats zu Karlsruhe befördert, gab indes 1847 diese Stellung auf und wurde zum Geh. Hofrat und ord. Wührend an der Universität Heidelberg ernannt. Während der J. 1848—53 war er Mitglied der bad. Zweiten Kammer. Seit 1855 lebte Z. im Ruhestande zu Heidelberg, wo er 24. Jan. 1873 starb. An dem bad. Kirchen-und Schulstreit beteiligte sich Z. durch verschiedene Flugschriften, in denen er sich auf die Seite der kirchlich gesinnten Katholiken stellte. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind hervorzuheben: die Ausgabe von Aristoteles' «Ethica Nicomacheao, mit Kommentar (2 Bde., Heidelb. 1820), eine von ihm unternommene Sammlung lat. Klassiker (17 Bde., Stuttg. 1827—31), worin unter anderm von ihm die Ausgaben von Ciceros De republica und von Horatius besorgt wurden; die deutsche Übersetzung von Aristoteles' Organonv (5 Bdchn., Stuttg. 1836—40); mehrere lateinisch geschriebene Universitätsprogramme, die in den „Opuscula academica (Freiburg 1857) gesammelt erschienen. Seine Hauptwerke aber sind das Handbuch der röm. Epigraphike (3 Bde., Heidelb. 1850—57) und seine 4Ferienschrifteno (3 Bde., Freib. 1826—33; neue Folge, Heidelb. 1857), eine Reihe trefflicher Abhandlungen, die das antike Leben in seinen verschiedensten Beziehungen vorführen. Außerdem sind von Z.s Schriften noch«Lioba und die frommen angelsächs. Fraueno (Freiburg 1860) und Commentatio de latinitate ecclesiastica studiose colendar (Freiburg 1870) zu nennen. Zell(Matthäus), erster Prediger der Reformation in Straßburg, geb. 1477 zu Kuisersberg im Oberelsaß, studierte zu Mainz, Erfurt und Freiburg, wurde 1518 Prediger am Münster in Straßburg und predigte seit 1521 im Sinn und Geiste der Reformation. Gegen das Domkapitel und gegen den bischöfl. Bann, der 1524 erfolgte, schützte ihn die Bürgerschaft und der Magistrat. Seinem entschiedenen und doch versöhnlichen Auftreten ist es uzuschreiben, daß Straßburg immer mehr der Rejormation zufiel. Er starb 1548. Unter seinen wenigen Schriften ist seine «Christliche Verantwortunge hervorzuheben. Vgl. Röhrich, Mitteilungen aus der Geschichte der evang. Kirche des Elsaß v (Straßb. 1855); Erichson, 4., der erste elsäss. Reformatoro (Straßb. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 888Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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