Zoroaster, auch Zathraustes von den Griechen genannt, in den heiligen Büchern, die seinen Namen führen, Zarathustra, ein Wort von unsicherer Bedeutung, bei den jetzigen Persern Zerduscht, der Reformator der Volksreligion im nordöstl. Iran und, zufolge ihrer fortschreitenden Entwickelung, auch im südl. Persien, ist hinsichtlich seiner Geschichte in Dunkel gehüllt. Er war ein Sohn des Pourusaspa, an den südöstl. Abhängen des Kaukasus geboren, doch wurde Baktrien der eigentliche Mittelpunkt seiner Thätigkeit, worin ihn der König Vistaspa kräftigst unterstützte. Schon zur Zeit des Plato war das Auftreten des Z. in eine mythische Ferne gerückt, und fast alle griech. Autoren, die ihn erwähnen, verlegen ihn in eine fabelhaft entlegene Zeit. Einige neuere Forscher setzen ihn in das dritte Jahrtausend vor Christus. Auf jeden Fall ist so viel sicher, daß Z. lange vor der Wiedereinführung seiner Religion durch Cyrus, also vor dem 6. Jahrh. v. Chr. gelebt haben muß. Vgl. Spiegel, «Das Leben 3.8 (Münch. 1867). Z. war es wohl vorzüglich, der dem sinnlichen Naturkultus der alten Iranier eine tiefere sittliche Grundlage gab. Schon unter Darius war die Lehre des Z. tief in Persien eingedrungen: sie blühte bis zum Sturze des Persischen Reichs unter Alexander d. Gr., von wo an griech. Kultur in Persien anfing, ihr den Rang streitig zu machen. Unter der spätern Dynastie der Sassaniden, 229 — 636 n. Chr., wurde die Lehre des Z. wieder zur Staatsreligion erhoben, bis der siegreiche Rohammedanismus die alte Lehre gänzlich stürzte. (S. Parsen.) Nur einzelne Trümmer ihrer Anhänger erhielten sich in der südöstl. Gegend des Persischen Reichs, namentlich in Nezd und Kerman. Andere wanderten nach der Halbinsel Guzerate in Indien, wo sie dem Glauben ihrer Vorfahren treu geblieben sind. Die wesentlichen Glaubensbestimmungen des Z. sind nach dem Zendavesta (s. d.) die folgenden: Von Anfang der Welt an herrschen gleichmäßig nebeneinander Ormuzd, der Herrscher des Lichts und des Guten, und Ahriman, der Herrscher der Finsternis und des Bösen. Allem Guten und Reinen, was Ormuzd durch sein Wort, das Honover (in der Zendsprache Ahunavairya) schuf, stellte Ahriman als Gegensatz eine Schöpfung der Harnr. d entgegen, wie die schädlichen Früchte der Natur, die giftigen Pflanzen, die reißenden Tiere. Die höhern Schöpfungen des Ormuzd erscheinen personifiziert als Lichtgeister, die in bestimmter Rangordnung unter Ormuzd, ihrem Herrn und Fürsten, stehen. Mit diesen reinen Geistern thront Ormuzd über dem Berge Albordsch im Himmel Gorotman. Ebenso ist der Geisterstaat des Ahriman geordnet. Neben ihm herrschen sieben mächtige Devs oder Dämonen, nebst unzähligen niedern Devs, von denen jeder der bestimmte Widersacher einer Lichtschöpfung des Ormuzd ist. Ihr Aufenthalt ist tief unter der Erde in der Hölle Duzakh. Zwischen diesen beiden feindlichen Geisterwelten dauern die Kämpfe mit wechselndem Glücke, bis der letzte der drei Engel Sosiosch (in der Zendsprache saosiaps, d. i. Erlöser) den Ahriman mit seinen dämonischen Scharen vernichtet, dann dauert das Reich des Guten ungestört bis in die fernste Ewigkeit. Der Tod des Leibes setzt dem Dasein des Menschen kein Ziel. Lebte der Mensch tugendhaft, so geht er über die Brücke Tschinevad zu Ormuzds Himmel ein und kehrt in seinen Ferver, sein ideales Urbild, zurück. Die Seele des schlechten Menschen aber wird von den Devs über die Brücke Tanafur in die Hölle gestoßen zur Erduldung ewiger Qualen. Der einzige Gegenstand des Kultus ist das Feuer, als sichtbare Macht des Lichts und somit wieder des Reinen und Guten. Der Kern der Ethik des Z. liegt in den Worten: rein denken, rein sprechen, rein handeln. Erst in späterer Zeit, als sich die metaphysische Spekulation der Zoroasterschen Lehre bemächtigte und den unvermittelten Dualismus unter eine höhere Einheit zu bringen strebte, wurde die Lehre von der Obergöttlichkeit der unendlichen Zeit, Zervane Akerene, zum Dogma ausgebildet. Zwischen den Lehren des Z. und denen der ältesten ind. Religionsurkunden der Vedas finden große Beziehungen statt. Doch sind aus den ind. dervas, Göttern, Dämonen geworden, deren einer der Indra ist. Auf der andern Seite kann die Lehre Z.s einigen Einfluß auf die Gestaltung der spätern jüd. Theologie und somit indirekt selbst auf das Christentum geübt haben. Vgl. Spiegel in dessen Eränp (Berl. 1863) und Kohut, alber die jüd. Angelologie und Dämonologie in ihrer Abhängigkeit vom Parsismuso (Lpz. 1866). Eine übersichtliche Darstellung der ganzen Lehre Z.s geben M. Duncker in seiner „Geschichte des Altertums (5. Aufl., Bd. 4, Lpz. 1877) und Tiele in „De Godsdienst van Zarathustras (Harlem 1865).