FeedGaon (etwa soviel wie excellentia)
ReligionBrockhaus 1882

Gaon (etwa soviel wie excellentia), Mehrzahl Geonim, war der Titel der Oberhäupter der jüd. Lehrhäuser in den babylonischen Städten Sura und Pumbedita während des 7. bis 11. Jahrh. Für die Namen und die Aufeinanderfolge derselben ist Hauptquelle das von dem Gaon Scherira (um 1000) auf eine geschehene Anfrage ergangene umfangreiche Schreiben, das in die Ausgaben des Juchasis von Sakuto aufgenommen, in einer andern Recension von B. Goldberg (Berl. 1875 und Par. 1874) veröffentlicht und mit lat. Übersetzung und Anmerkungen von Wallerstein (Krotoschin 1860) herausgegeben worden ist. Man pflegt in der jüd. Litteraturgeschichte den oben bezeichneten Zeitraum die «geonäische Zeito zu nennen; nur aus der zweiten Hälfte derselben sind litterarische Denkmäler bekannt geworden. Eine Reihe von Bescheiden, welche von den Geonim, als der damals höchsten Autorität im Judentum, bis nach Frankreich und Spanien ergingen, ist in verschiedenen Sammlungen bekannt geworden. Der Gaon Jehudai, der Blinde (um 760), verfaßte ein Kompendium des Talmud; Zemach ein Wörterbuch zum Talmud; Amram (um 870) eine Gebetordnung, die er nach Spanien schickte und welche die Grundlage europ. Ritualien wurde; sie ist mit jüngern Zuthaten durchsetzt (Warsch. 1865) veröffentlicht worden. (S. auch Hai und Saadia.) Im allgemeinen fällt in die geonäische Zeit, außer dem Entstehen des Karaismus (s. d.), ein endlicher Abschluß des Talmud, Bestimmungen über die Geltung der darin enthaltenen Bestimmungen, Vervollständigung der Vokalisation und Accentuation der Heiligen Schrift, die Feststellung des Gebetrituals und des Kalenderwesens, die Niederschreibung einer Anzahl hagadischer und mystischer Schriften, sowie der sog. kleinern talmudischen Traktate; erst gegen Ende derselben und zumal in den unter arab. Herrschaft Euudien Ländern werden Anfänge philosophischer tudien oder einer rationellen Behandlung der Grammatik und Bibelexegese sichtbar. Seit der genannten Zeit und bis in die Gegenwart ist es üblich geworden, jede hervorragende talmudische Autorität als Gaon zu bezeichnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 530Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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