Zschokke (Joh. Heinrich Daniel), bedeutender und fruchtharerdeutscher Schriftsteller, geb. 22.März 1771 zu Magdeburg, entfernte sich 1788 vom Gymnasium, trieb sich eine Zeit lang mit wandernden Schauspielern als Schauspieldichter umher und bezog sodann die Universität zu Frankfurt a. O., wo er Philosophie, Theologie, Geschichte und schöne Wissenschaften, auch Kameralwissenschaften studierte und sich 1792 als Privatdocent habilitierte. Schon damals ließ er einige dramatische Versuche erscheinen, darunter Abällino, der große Bandit (Frankf. u. Lpz. 1794) und „Julius von Sasseno» (Zür. 1796). Hierauf machte er eine Reise durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich und ließ sich in Graubünden nieder, wo er die Leitung einer Erziehungsanstalt in Reichenau ubernahm und die «Geschichte des Freistaats der drei Bünde in Rhätiend (Zür. 1798; 2. Aufl. 1817) schrieb. Infolge der polit. Wirren ging das Erziehungsinstitut 1798 ein. Z. ging nun als Deputierter nach Aarau, dem damaligen polit. Mittelpunkte der Schweiz, war einige Zeit als Chef für das Departement des Schulwesens thätig und wurde dann in der Eigenschaft eines bevollmächtigten Regierungskommissars von dem helvet. Vollziehungsdirektorium nach Unterwalden geschickt, wo er unablässig als Wohlthäter und Friedensstifter wirkte. Aufschlüsse über diese merkwürdige Zeit sollten seine „Histor. Denkwürdigkeiten der uin-X. Staatsumwälzung geben. Die ihm erteilte Vollmacht für Unterwalden wurde später auch über die Kantone Uri, Schwyz und Zug ausgedehnt. Unter den schriftstellerischen Produkten jener Zeit erregte seine „Geschichte vom Kampfe und Untergange der schweiz. Berg⸗ und Waldkantone Zür. 1801) vorzüglich Aufmerksamkeit. Im J. 1800 von der Centralregierung in Bern zum Regierungskommissar ernannt, organisierte er die ital. Schweiz (Kanton Lugano und Bellinzona) mit gutem Erfolg. Die helvet. Regierung ernannte ihn sodann zum Regierungsstatthalter des Kantons Basel, doch legte Z., als die Regierung eine föderalistische Richtung verfolgte, seine Stelle nieder und lebte längere Zeit auf dem Schlosse Biberstein im Aargau. Im J. 1804 wurde Z. Mitglied des aargauer Oberforst- und Bergamts und erhielt das aargauische Staatsbürgerrecht. Später übernahm er noch mehrere andere Amter. Zugleich wirkte er durch seinen vielgelesenen Aufrichtigen und wohlerfahrenen Schweizerboten» seit 1804 ungemein wohlthätig. Die von ihm 1807 bis 1813 ununterbrochen herausgegebenen „Miscellen der neuesten Weltkunder zeichneten sich aus durch Reichtum des Inhalts, anziehende Darstellung, Freimut und treffendes Urteil. Denselben gingen von 1811 an die (Erheiterungenv, eine Monatsschrift, zur Seite. Z.s Übersiedelung von Biberstein nach Aarau 1808 führte zu der Errichtung einer Freimaurerloge und der Gesellschaft für vaterländische Kultur. Seine Befähigung für das Forstfach bewies Z. durch seinen «Gebirgsförstere (2 Bde., Aarau 1803) und (Die Alpenwäldero (Tüb. 1804). Zu seinen bedeutendern litterarischen Arbeiten gehören die Bayr. Geschichten (4 Bde., Aarau 1813 —18; 3. Aufl., 8 Bde., 1826). Seine «überlieferungen zur Geschichte unserer Zeito (Aarau 1817 —23) traten an die Stelle der Miscellen der neuesten Weltkunde». Eins seiner besten Werke ist „Des Schweizerlandes Geschichten für das Schweiervolko (Aarau 1822 u. öfter). Seine «Bilder aus er Schweizy (5 Bde., Aarau 1824 - 26), enthaltend „Der Flüchtling im Jurav, Der Freihof von Aarau- und »Addrich im Moos (mit Illustrationen von H. Weißbrod, Aarau 1873), sind treue Gemälde von Zeit und Ort. Den größten Beifall aber erwarben sich die Erzählungen »Der Creole v, &«Alamontades, („Ionathan Frocko, «Das Goldmacherdorfe, «Die Branntweinpeste (Aarau 1837; 4. Aufl. 1842) und «Meister Jordan »(Aarau 1848). Die Sammlung seiner „Sämtlichen ausgewählten Schriften» (Aarau 1824 — 28) umfaßt 40 Bände 5. Aufl., 35 Bde., Aarau 1851—54). Das verreitetste und wirksamste aller seiner Werke, als dessen Verfasser er sich erst spät bekannte, sind seine „Stunden der Andachto (neue Aufl., besorgt von Emil Zschokke, 6Bde., Aarau 1871—73), der vollkommenste Ausdruck des modernen Rationalismus. Eine Art Selbstbiographie gab Z. in der «Selbstschaub (Aarau 1842; 7. Aufl., 2 Bde., Aarau 1877). Z. starb 27. Juni 1848 auf dem Landhause Blumenhalde bei Aarau. Vgl. Münch, »Heinrich 3., geschildert nach seinen vorzüglichen Lebensmomenten und seinen Schriften (Haag 1831); Emil Zscholke, „Heinrich 3.5 (Berl. 1866; 3. Aufl. 1875).