FeedZuckerfabrikation
TechnikBrockhaus 1882

Zuckerfabrikation (frz. sucrerie, engl. manufacture of sugar), die Gewinnung von Zucker aus (dem Saft der Zuckerrübe oder des Zuckerrohrs, in manchen Gegenden auch aus dem verschiedener Palmenarten, des Ahorns oder der Zuckerhirse. Das in den Tropenländern verarbeitete Zucker: rohr wird in Zuckerrohrmühlen (Fig. 1 der Tafel: Zuckerfabrikation) zwischen Walzen zerquetscht, wobei der Saft von selbst abfließt, dann in Suhnan Kesseln mit Kalkmilch versetzt, um fremde ubstanzen und Säuren zu entfernen, und unter beständigem Abschäumen zum Sirup eingedickt. Letzterer wird in flache Behälter gebracht, wo er erkaltet und zu krystallisieren beginnt; das vollständige Auskrystallisieren erfolgt in Formen. Neuerdings werden vielfach statt dieses Verfahrens andere Methoden angewendet, welche eine bessere Ausbeute ermöglichen und den für die Rübenzuckerfabrikation gebräuchlichen ähnlich sind. In der Rübenzuckerfabrikation reibt man die Rüben entweder zu Brei, um dann den Saft auszupressen, durch Centrifugen auszuschleudern oder zu maceriren, d. h. systematisch auszulaugen, oder dieselben werden mit möglichster Schonung der Saftzellen zu Schnitzeln zerkleinert und dann frisch oder, nachdem sie getrocknet sind, weiter verarbeitet. Die Verarbeitung in frischem Zustand erweist sich als besonders vorteilhaft und scheint in Zukunft allein gebräuchlich zu werden. Nach diesem Verfahren kommen die in Schwemmkanälen und besondern Waschmaschinen (Fig.2) gereinigten, von den Schwänzen und den grünen Köpfen befreiten Rüben in die Schnitzelmaschinen (Fig. 3), wo sie mittels eigenartiger Schnitzelmesser (Fig. 4) zu langen, schmalen Streifen zerschnitten werden. Mit den Schnitzeln wird die Diffusionsbatterie Gig. 5 u. 6) beschickt. Dieselbe besteht aus den Diffuseuren, cylindrischen oder schwach konischen, vollständig geschlossenen Behältern, die entweder in zwei Reihen nebeneinander (Fig. 6) oder im Kreise Fig. 5) angeordnet sind, nebst den Ubersteigern, Rohren, durch welche der Saft von einem Diffuseur in den andern geleitet wird. Die Schnitzel werden in den Diffuseuren von heißem Wasser überströmt, welches das Absterben der Zellen und das Auslaugen des Zuckersaftes aus denselben bewirkt, und zwar wird stets das Wasser zuerst über fast erschöpfte Schnitzel geleitet und mit zunehmender Zuckerhaltigkeit auf die frischen, um die Diffusion ökonomisch und systematisch zu betreiben. Die erschöpfte Masse wird durch Elevatoren (Fig. 5) nach der Schnitzelpresse (Fig. 7u.8) transportiert, wo die als Viehfutter zu verwendenden Schnitzel von überflüssigen Wassermengen befreit werden. Der gewonnene rohe Saft wird meist mit Hilfe von Montejus (Fig. 9), Apparaten, mittels deren Flüssigkeiten durch Dampfdruck gehoben werden, in offene Scheidepfannen (Fig. 10) oder in geschlossene Saturationsgefäße (Fig. 11) übergeführt, in denen das, was nicht Zucker ist, durch Erhitzen und nachherige Fällung mit Kalk zum größten Teil ausgeschieden wird, worauf der Kalk durch Einleiten von Kohlensäure in unlöslichen kohlensauren Kalk umgebildet wird. Aus dem hierbei entstehenden Schlamm wird der in demselben noch reichlichenthaltene Zuckersaft durch Filterpressenss.d.) ausgepreßt. Um auch aus den beim Pressen erhaltenen Kuchen möglichst allen Zuckergehalt auszuziehen, werden dieselben gebrochen und inentsprechenden Gefäßen ausgewaschen. Besondere Gefäße, Clarificateur genannt (Fig. 12), dienen zum nochmaligen Aufkochen und Abschäumen des Zuckersaftes. Nach der chemischen erfolgt die mechan. Reini ng des Zuckersaftes durch dessen Filtration über Knochenkohle (Knochenkohlenfilter, Fig. 13), welche Salze, Zuckerkalk u. s. w. festhält und den Zuckersaft leichzeitig entfärbt. Ist die Knochenkohle durch ängern Gebrauch erschöpft, so muß sie wieder belebt werden. Zu diesem Zweck wird sie mit schwachen Säuren behandelt, worauf die anhaftenden organischen Substanzen durch Liegen an der Luft der Gärung überlassen werden. Alsdann wird die Masse gekocht, die Kohle in besondern Waschmaschinen(Fig. 14) gewaschen, ferner mit Dampf behandelt, um schließlich in besondern ofen (Fig. 15) durch Glühen vollständig regeneriert zu werden. Der aus dem Knochenkohlenfilter abgelaufene Dünnsaft muß konzentriert werden, zu welchem Ende derselbe in geschlossenen Verdampfapparaten (Fig. 16) durch Dampf bei geringer Verminderung des Luftdrucks bis zur bestimmten Konsistenz eingekocht wird. Hierauf wird der erhaltene Dicksaft nochmals durch Knochenkohle filtrirt und verkocht, d. h. im luftverdünnten Raum so weit eingedickt, daß die (Dian heiße Zuckerlösung beim Erkalten krystallisiert (Blankkochen), oder auch so weit, daß schon in der Pfanne die Ausscheidung der Krystalle beginnt (Kochen auf Korn). Das Verkochen nimmt man in den Vacuumgefäßen (Fig. 17) vor, in welchen durch meist mit Dampf betriebene Balancier-Luftpumpen (Fig. 18), die gleichzeitig zum Entfernen des Brodems dienen, die erforderliche Luftverdünnung hervorgebracht wird. Hat der Dichsaft im Vacuum, das sog. Klärsel, beim Blankkochen den erforderlichen Konzentrationsgrad erreicht, so wird er abgelassen, um als Füllmasse oder als Candis (. d.) weiter verarbeitet zu werden. Beim Kochen auf Korn, das besonders reinen Saft voraussetzt, wird die Krystallisation meist durch Hinzufügen von aus dem Sirup erhaltenen krystallisierten Massen beschleunigt, wodurch unter Umständen sehr reine Füllmasse erzielt wird. Alle Füllmasse wird entweder auf Rohzucker oder direkt auf Konsumzucker verarbeitet. Blank gekochte Massen kommen in Kühler und dann in Formen, auf Korn gekochte direkt in die meist fünfeckigen Krystallisierkästen. Nach beendigter Krystallisation schüttet man die Zuckerkrystalle zur vollständigen Trocknung in Cent rifugen (s.d.) mit durchlochtem Mantel auf, nachdem Krystallmassen und Sirup in einer Maischmaschine (Fig. 19) eine gleichmäßige breiartige Beschaffenheiterlangt haben. Um den Sirup besser abzulösen, wird die Masse meist in der Centrifuge mit Dampf oder Wasser behandelt (gedeckt). Der ausgeschleuderte Zucker wird in den Raffinerien weiter gereinigt und zwar entweder zu Raffinade, wobei man Brotraffinade (in Brot-oder Hutform) und Krystallzu cker (aus einzelnen schönen Krystallen bestehend) unterscheidet, oder zu Melis, der in Hut⸗ oder Brotform, als Würfelzucker oder als Pilé in unregelmäßigen Brocken in den Handel kommt, oder schließlich zu Farin, einem mehlartig feinen Zucker zerkleinert. Der letzte Sirup, die Melasse, ist nicht ohne weiteres krystallisierbar, eue sie fast zur Hälfte ihres Gewichts noch Zucker enthält. Die Abscheidung dieses Zuckers erfolgt nach der Methode der Os mose (s d. )oder nach derjenigen der Elutions(s.d.) nur wenige Fabriken wenden andere Verfahren an. Im Osmose-A parat (Fig. 20 der in seiner Einrichtung den Filterpressen nicht unähnlich ist, da er wie diese aus einer Anzahl (hier hlzerner) Rahmen zusammengesetzt ist, die mit Permentpapier belegt sind, wird von den so gebildeten dammern immer eine um die andere mit Melasse und die zwischenliegenden mit heißem Wasser gefüllt. Es erfolgt dann eine Diffusion, wobei die unorgan. Salze schneller als der Zucker diffundieren. Der erhaltene, osmosierte Sirup wird eingedampft, worauf ein Teil des Zuckers auskrystallisiert, der alsdann abeentrifugiert wird, eine Operation, die sich mehrfach wiederholt. Beim Elutionsverfahren wird die Melasse mit pulverisiertem Kalk gemischt, wodurch nach starker Wärmeentwickelung eine bimssteinartige Masse entsteht, welche zerkleinert und mit Alkohol ausgelaugt wird. Letzterer wird in sog. Eluteuren abdestilliert und der zurückbleibende Zuckerkalk geht durch ein Maischwerk, um dann in die Scheidekessel zurückgebracht zu werden, wo er statt gewöhnlichen Kalks angewendet wird. Die Produktion von Rohrzucker (Kolonialzucker) beläuft sich jährlich im Durchschnitt auf etwas mehr als 2 Mill. Tonnen (zu 1000 Kg). Die wichtigsten Produktionsgebiete sind Cuba, Java, Brasilien, Britisch-Indien, Portorico und Louisiana. Die Produktion von Rübenrohzucker in Europa beläuft sich jährlich im Durchschnitt auf ebenfalls nahe an 2 Mill. Tonnen. Die wichtigsten Produktionsgebiete sind Deutschland, Osterreich⸗-Ungarn und Frankreich. Der Betrieb und die Produktion der Rübenzuckerfabriken im Deutschen Zollgebiete während des Campagnejahres 1884/85 war wie folgt: 408 im Betrieb gewesene Fabriken, 10402 688 t verarbeitete grüne Rohzucker aller Produkte, 259700t Melasse. Wegen liberproduktion sanken während der Campagne 1885/86 Betrieb und Produktion bedeutend und beifferten sich folgendermaßen: 399 im Betrieb gewesene Fabriken, 7070317t verarbeitete grüne Rüben, 1025777 t gewonnene Füllmasse, 808 105 t Rohzucker aller Produkte, 180177 t Melasse. uckergast, Insekt, s. Silberfischchen. uckerhirse, soviel wie Sorghum saccharatum. uckerkand, s. Candis. uckerkrankheit, s. Diabetes.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 951Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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