FeedZweibrücken (franz. Deux-Ponts)
GeschichteBrockhaus 1882

Zweibrücken (franz. Deux-Ponts), in der jetzigen bayr. Rheinpfalz, war früher eine reichsunmittelbare Grafschaft und fiel nach dem Aussterben der Grafen von Z. 1394 an die Pfalz. In der Folge wurde sie bei der Teilung der kurpfälz. Lande nach dem Tode des Kaisers und Kurfürsten Ruprecht III. 1410 unter dessen vier Söhnen zum selbständigen Herzogtum erhoben. Ruprechts dritter Sohn, Stephan, stiftete die Linie Pfalz-Zweibrücken. Durch den aus dieser Linie entsprossenen Pfalzgrafen Karl Gustav, der 1654, als die Königin Christine von Schweden die Krone niederlegte, auf den schwed. Thron berufen wurde, kam das Herzogtum Z. an Schweden. Nach König Karls XIII. Tode 1718 fiel es an dessen nächsten Verwandten, den Pfalzgrafen Gustav Samuel Leopold aus der Kleeburger Linie, und nach unbeerbtem Absterben desselben 1731 an die Linie Birkenfeld, aus der das jetzt regierende königl. Haus in Bayern herstammt. Nachdem es 1795—1814 französisch gewesen, kam es größtenteils an Bayern, kleinere Teile an Oldenburg, Sachsen-Coburg und Hessen-Homburg. Die Stadt Zweibrücken, im sog. Westrich am Schwarzbach, Station der Linien Homburg-St. Ingbert, 3.⸗Saargemünd, Landau-Z. der Pfälzer Ludwigsbahn) gut und regelmäßig gebaut, besteht aus der Altstadt, der Neustadt und der schönen Neuen Vorstadt und zählt (1885) 10665 meist prot. E. Sie ist der Sitz eines Oberlandesgerichts, eines Landgerichts und Amtsgerichts und verschiedener anderer Behörden, hat ein Bezirksgefängnis, ein Gymnasium mit einer 4400 Bände starken Bibliothek und eine Realschule. Das große herzogl. Residenzschloß, sonst eins der prachtvollsten Fürstenschlösser Deutschlands, wurde von den Franzosen 1793 zerstört und 1868 in einen Justizpalast umgewandelt. Zu den ausgezeichneten öffentlichen Gebäuden gehören die Alexanderskirche mit der fürstl. Gruft, die Karlskirche, die der König Karl XI. von Schweden bauen ließ; die neue kath. Pfarrkirche, die neue Synagoge und das Realschulgebäude. Die Bewohner treiben hauptsächlich Seidenplüschfabrikation, Fabrikation von Cichorien, Maschinen, Drahtstiften, Ketten, Gerberei u. s. w. In dem sog. Kleinen Schlosse befindet sich jetzt das Landgestüt, das der König Maximilian Warisch von Bayern wieder einrichten ließ. Litterarif ist die Stadt merkwürdig durch die seit 1779 von einer Gesellschaft Gelehrter in der herzogl. Druckerei herausgegebene Reihe korrekter und eleganter griech., röm. und franz. Klassiker. Bei der Stadt liegt die Ruine des Schlößchens, das Stanislaus Leszezynski erbaute und eine Zeit lang mit seiner Familie bewohnte. Vgl. Lehmann, Vollständige Geschichte des Herzogtums Z. (Münch. 1867): Molitor, Burg und Stadt Z.5 (Zweibr. 1879); derselbe, Vollständige Geschichte der ehemals pfalzbayr. Residenzstadt Z.v Sweibr. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 972Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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