Löwenstein, Grafschaft mit dem gleichnamigen Bergschloß im Oberamte Weinsberg des württemb. Neckarkreises, 138 akm umfassend, hatte bis in die Mitte des 15. Jahrh. ihre eigenen Grafen. Der letzte Graf Ludwig verkaufte sie 1441 an den Kurfürsten Philipp von der Pfalz, der sie hierauf an Ludwig von Scharfeneck, geb. 1463, den Sohn des Kurfürsten Friedrich J. von der Pfalz und der Klara Dettin aus Augsburg, überließ, welcher den Titel eines Grafen von L. annahm und von Kaiser Maximilian I. 1494 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Sein Enkel Ludwig II. nannte sich, nachdem er durch seine Heirat mit Anna Gräfin von Stolberg die Grafschaften Wertheim und Rochefort erworben, Graf von L.⸗Wertheim. Ludwigs II. Söhne, Christoph Ludwig (gest. 1618) und Johann Theodor, stifteten die beiden noch blühenden Linien, jener L.⸗Virneburg oder die evang. Linie, jetzt L.⸗Freudenberg, dieser L.⸗Rochefort oder die kath. Linie, jetzt L.Rosenberg. Beide Linien hatten bis 1806 Sitz und Stimme im fränk., die ältere auch im hess. Grafenkollegium. Auch steht ihnen das Oberst-Erbkämmereramt in Württemberg zu, das stets der Senior der beiden Hauptlinien verwaltet. Die ältere Linie, L.-Freudenberg, wie sie sich nach den im Reichsdeputationshauptschlusse von 1803 ihr als Entschädigung zugewiesenen Besitzungen nannte, besitzt gegenwärtig in Württemberg fünf Sechstel der Grafschaft L. (138 qkm), in Baden die Hälfte der Grafschaft Wertheim, das Amt Freudenberg u. s. w. (190 qkm) und in Bayern das Herrschaftsgericht Triefenstein (70 akm). Sie teilte sich 1721 durch die beiden Söhne Heinrich Friedrichs in die noch blühende Vollrathsche und die 1854 erloschene Karlsche Speziallinie, welche beide 1812 vom Könige von Bayern und 1813 vom Könige von Württemberg in den Fürstenstand erhoben wurden. Standesherr der Linie L.-Wertheim-Freudenberg ist Fürst Wilhelmvon L., geb. 19. März 1817, der zu Wertheim residiert. Die Privatbesitzungen derselben sind die HanasSon Michelbach nebst einem Drittel von Limpurg-Sontheim-Obersontheim in Württemberg, die gefürstete Grafschaft Umpfenbach in Bayern, die Güter Lukawetz und Slawietin in Böhmen. Die jüngere Linie L.⸗Rosenberg hieß sonst L.⸗Rochefort on Ri der ererbten Grafschaft dieses Namens in den Niederlanden. Der Graf Maximilian Karl erhielt 1711 die reichsfürstl. Würde, die im folgenden Jahre auch auf seinen Nachfolger ausgedehnt wurde, und 1713 Sitz und Stimme auf der schwäb. Reichsfürstenbank. Für seine verlorenen Besitzungen jenseit des Rheins wurde das Haus 1803 durch Besitzungen im Würzburgischen, Mainzischen und einige Abteien entschädigt. Auch hat es teil an der Grafschaft LWertheim u. s. w. Überhaupt betragen die Besitzungen dieser Linie in Bayern (die Herrschaften Heubach, Rothenfels und Neustadt mit Wörth und Trennfurt u. s. w., zusammen 275 qkm), Württemberg (lein Sechstel der Grafschaft L., 18 akm), Baden (die Hälfte der Grafschaft Wertheim, die Herrschaft Bronnbach un Rosenberg u. s. w., zusammen 190 qkm), im Groß-Rausen⸗ Hessen (die Herrschaften Habizheim und auseß, die Hälfte von Breuberg, 165 qkm), in welchen Gebieten sie standesherrliche Rechte besitzt, und in Böhmen (die Herrschaften Weseritz und Schwannberg, 170 qkm, die Herrschaften Hayd und Pernatitz, w145 qkm) zusammen etwa 990 akm. — 21. dieser Linie ist Fürst Karl von L., geb. 21. Mai 1834, der zu Klein-Heubach am Main residiert und einflußreicher Führer des ultramontanen deutschen Adels ist. Die Schwester desselben, Prinzessin Adelheid, geb. 3. April 1831, war seit 24. Sept. 1851 mit Dom Miguel, Infanten von Portugal, vermählt, der seinen Wohnsitz auf Schloß Bronnbach bei Wertheim hatte, wo er 14. Nov. 1866 starb.