FeedFäulnis
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Fäulnis, f., frz. kermentation putride, engl. putrefaction. Wenn ein todter organischer Körper durch den Einfluß der Luft (des Sauerstoffs der Luft), der Feuchtigkeit u. der Wärme allmählich in einfachere, unorganische Körper zerfällt und es treten bei dieser Zersetzung übelriechende Gafe auf, so wird der dabei vorgehende Zersetzungsprozeß „Fäulnis“ genannt. Jenem zerstörenden Einfluß der Atmosphärilien auf die organischen Stoffe hat man von jeher Einhalt zu thun oder ihn wenigstens zu verlangsamen gesucht. Im Nachfolgenden werden einige Mittel angegeben, welche zu Abhaltung der F., bes. des Bauholzes, sich bewährt haben. A. Fäulnis gefällten Holzes, frz. pourriture, carie, f. engl. rot, druxy. Das Hauptgewebe der Holzmasse besteht aus Längsfasern und einer die Zwischenräume derselben füllenden wässerigen Lösung von Pflanzeneiweiß, Pflanzenleim, Gummi, verschiedenen mineralischen Substanzen u. a. m. Diese wässerige Lösung, mit dem Namen „Saft“ bezeichnet, ist es nun vor allem, welche sehr leicht der Zersetzung unterliegt, u. bes. sind es in diesem Saft die gelösten stickstoffhaltigen Körper, welche die Zerstörung veranlassen. Man unterscheidet in der Praxis Trockenfäule, Moder, frz. carie seche, engl. dry rot, und Naßfäule, frz. pourriture humide, engl. wet rot etc., je nach den Erscheinungen, durch welche sich die F. ankündigt; s. d. betr. Art. Vergl. übr. d. Art. Abfaulen, Bauholz D. a. etc. Dadurch ergeben sich von selbst die Mittel zu Verhütung der Holzfäulnis, von denen wir die zuverlässigsten hier anführen: 1. Austrocknung des Holzes vor der Verwendung. Ueber die verschiedenen Arten der Austrocknung s. d. Art. Bauholz; vgl. auch d. Art. Baumfällen. Weniger nothwendig'ist diese vorherige Austrocknung bei solchen Holzverbindungen, die hinlänglich der Luft ausgesetzt sind, wobei der Theil von Saftfeuchtigkeit, welchen es noch enthält, durch Austrocknung sich verliert; s. übr. d. Art. Auslaugen. — 2. Schutz vor dem Zutritt äußerer Feuchtigkeit, z. B. durch Bedeckung od. durch Wasser abhaltende Anstriche (Oelfarbe, Firniß, heißen Holz⸗ oder Steinkohlentheer), wobei indessen letztere nicht anders als auf gut ausgetrocknetes Holz angewendet werden sollen; s. d. Art. Anstrich, Oelfarbenanstrich etc. — 3. Fernhaltung der Berührung mit solchen Körpern, welche die F. einleiten, also z. B. der feuchten Erde durch Theeranstrich oder durch Bestreichen mit konzentrirter Schwefelsäure (Vitriolöl), od. durch äußerliche Verkohlung mittels Abbrennens (s. d.). — Pfähle, welche man in die Erde versenkt, sollten auch über der Erde wenigstens braun geröstet u. an dem obern Hirnende mit Kupferblech, Eisenblech od. gewalztem Blei gedeckt werden. — 4. Chemische Veränderung der gährungsfähigen Saftstoffe durch Einwirkung der Hitze; es lehrt die Erfahrung, daß gedörrtes (bei starker Wärme bis zum Braunwerden getrocknetes) oder gar oberflächlich angekohltes Holz besser der F. widersteht, als blos lufttrockenes, sowie, daß eine solche, nur theilweise vorgenommene Zubereitung nichts hilft, wenn auf anderen Stellen die Feuchtigkeit Zugang in das von der Hitze weniger oder gar nicht veränderte Innere gewinnen kann, weil dann die F. von innen heraus stattfindet; s. Auslaugen u. Abbrennen, sowie Bauholz. — 5. Tränkung des Holzes mit Substanzen, welche theils direkt fäulniswidrig sind, theils die Saftstoffe chemisch verändern. Hierher gehört a) Kochen des Holzes in Salzwasser (Küchensalzlöfung); b) Tränken mit konzentrirter Salzsöle, Meerwasser, Alaun, Kupfervitriol od. Chlorzinkauflösung mit holzessigsaurem Eisen, Crinosot, Theeröl, Salpetersäure, verdünnter Schwefelsäure; das von Vilain in Berlin fabrizirte und empfohlene Antiseptikum ist ebenfalls aus verschiedenen Säuren und Salzen zusammengesetzt: ähnlich das für Schiffshölzer empfohlene Teredo-Antiseptikum derselben Firma. c) Verkieseln oder Durchdringen mit einer Auflösung von kieselsaurem Kali od. Natron (Wasserglas). d) In neuester Zeit hat man das salzsaure Queckö mat) bes. wirksam zu diesem Zwecke gefunden und dasselbe zu Konservirung des Schiffsbauholzes etc. angewendet, wobei indessen (wegen der giftigen Eigenschaften des Mittels) mit großer Vorsicht verfahren werden muß. Man nennt das Verfahren Kyanisiren des Holzes, s. d. Art. Bauholz E. III. 1. S. 296; die Auflösung besteht am besten aus 1 Gewichtsth. Sublimat auf 50—150 Wasser. Man läßt Breter 2—3 Tage, zzöllige Bohlen 4—7 Tage, Balken von 16—33 em. im 8—14 Tage unter der Flüssigkeit, welche hierauf ausgepumpt und nach Zusatz einer neuen Portion Sublimat u. Wasser wieder gebraucht wird; man läßt die getränkten Hölzer 1 Monat lang an der Luft zum Trocknen liegen, bevor man sie anwendet. Das Quecksilbersublimat verbindet sich chemisch mit Bestandtheilen des Saftes und wird durch Wasser nicht wieder aus dem Holze gezogen, dringt jedoch nicht sehr tief ein, so daß das Holz zwar vor dem Anfaulen von außen her, nicht aber vor innerer Verstockung geschützt wird; e) auf kräftigere Weise wird das Holz mit der Sublimatlösung imprägnirt bei Behandlung in einem v. schmiedeeisernen Platten zusammengesetzten, mit Holz gefütterten Behälter, in welchen man nach Auspumpen der Luft die Flüssigkeit mittels starker Druckpumpen einpreßt. Bei einem Druck von 5 kg. auf 6 qem. werden 23 cm. starke Schwellen bis in den Kern durchdrungen; cbm. Holz absorbirt dabei 50—300 Eg. der Auflösung, worin 8—50g.Aetzsublimatenthalten war. Jedenfalls ist das Kyanisiren kostspielig. f) Die Hölzer werden in einem starken guß⸗ oder schmiedeeisernen Behälter dicht verschlossen, dann pumpt man mittels einer messingenen Druckpumpe mit großer Kraft (10 kg. auf den gem.) eine Auflösung von Kupfervitriol in dem 50fachen Gewicht Wasser ein, welche in 1½ Stunde eine Bohle von 9 m. Länge, 30 cm. Breite, 16 em. Dicke bis ins Innerste durchdringt. g) Metallisiren des Holzes (Paynisiren gen.), s. Bauholz S. 298. h) Tränkung des Holzes mit Salzauflösung kann nach dem Borschlag von Boucherie dadurch ausgeführt werden, daß man entweder den noch nicht gefällten Stamm unten anbohrt u. durch die Bohrlöcher die Flüssigkeit einbringt, welche sodann vermöge der Härröhrchen-Thätigkeit bis in die Zweige aufgezogen wird, od. den gefällten Stamm aufrecht stehend oben mit einem Behälter verbindet, aus welchem die Salzauflösung durch ihren eigenen Druck nach unten sich einfiltrirt; wobei allerdings einige Holzarten (Linde, Erle, Buche, Weide, Ulme, Birnbaum, Weißbuche) vollständig durchdrungen werden, andere aber nur im Splint, nicht im Kernholz(Eiche, Nußbaum, Fichte, Tanne) oder beinahe gar nicht(Kirschbaum, Eiche, Pappel). — 6. Sandharzanstrich. Man nimmt 50 Th. Harz, 40 Th. feingestoßene Kreide, 500 Th. feinen weißen u. scharfen Sand, 4 Th. Leinöl, 1 Th. natürliches Kupferoxyd und 1 Th. Schwefelstiure. Zuerst erhitzt man das Harz, die Kreide, den Sand und das Leinöl in einem eisernen Kessel, dann setzt man das Oxyd u. die Schwefelsäure hinzu und streicht mit der noch heißen Masse mittels eines starken Pinsels das Holz an (Försters Bauzeitung). — 1. Entsaftung durch Ausschlagen. Wenn man die gefällten Stämme unentwipfelt auf dem Platze liegen läßt, so schlagen im Frühjahre die Zweige aus und ziehen durch das eintretende Wachsthum der Blätter den Saft aus dem Stamm, welcher erst nach dem Abwelken des Gipfels weggefahren u. dann dem Trocknen auf gewöhnliche Weise überlassen wird. Es ist Thatsache, daß dieses Verfahren die Neigung des (nun saftärmeren) Holzes zur F. vermindert; gleichwohl ist dasselbe jetzt weit seltener als sonst gebräuchlich, weil man glaubt, daß es die Tragfähigkeit vermindere. — 8. Dampfauslaugung, s. Bauholz E; II. 2. 6. S. 295, ist das beste Mittel zu Entfernung der Saftstoffe und wirkt also kräftigerzu Verhinderung der F., als Auskochen im Wasser oder Auslaugen. Mit dem Dämpfen kann zweckmäßig die Durchdringung mit Theer so verbunden werden, wie im Art. Bauholz angegeben. Das Holz wird hierdurch merklich härter, läßt, wenn es naß geworden ist, das Wasser schnell wieder verdunsten u. widersteht sehr gut der F. — 9. Die Mittel zu Verhinderung des Schwammes fallen, da letzterer eine Folge der eingetretenen F. ist, mit jenen zusammen. Besonders schützend hat sich das Kyanisiren erwiesen; auch will man das Bestreichen des Holzes mit einer nicht zu schwachen Eisenvitriollösung (mit oder ohne Zusatz von etwas Schwefelsäure) sehr wirksam zu Verhinderung und selbst Vertilgung des Schwammes gefunden haben. In Gebäuden sind vorzugsweise die zunächst über den Fundamenten liegenden Hölzer dem Entstehen des Schwammes ausgesetzt. Es ist höchst wesentlich, hier nur ausgewachsenes u. vorher völlig lufttrocken gewordenes Holz anzuwenden u. ihm eine möglichst trockene Lage zu geben, also wenigstens 40 cm. über der Straße oder wenigstens nicht direkt auf der Erde, sondern auf einer Schüttung von trockenem Lehm, todtem Bauschutt, Holz-od. Torfasche u.dgl. — Luftcirkulation um die Hölzer schützt gewöhnlich allein schon gegen den Schwamm; f. d. Art. Ausmauern der Balken, Bauholz, Hausschwamm, Mykothanaton etc. B. Fãulnis der Bänme, d. h. des Holzes auf dem Stamm, wird in der Regel dadurch herbeigeführt, daß durch Abbrechen der Aeste od. andere äußere Beschädigungen des Baumes dem Regen Zugang zum inneren Holz gestattet ist; die meisten Bäume werden zuerst kernfaul und dadurch hohl. Verhütet kann diese F. werden, indem man etwa abgebrochene Aeste glatt verschneidetu. mit Baummörtel bestreicht, mit Blech abdeckt od. dgl.; s. übr. d. Art. Bauholz S. 290 ff., Baumkrankheiten, Kernfäule etc. Auch die Beschaffenheit des Bodens ist oftan der Baumfäulnis schuld. CO. Fäulnis des Rohres im Deckenputz, des Strohes auf den Dächern etc. Dieselbe hat meist gleiche Ursachen wie die F. des Holzes u. kann durch ähnliche Mittel verhütet werden.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 296Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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