FeedOleaster
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Oleaster, m., s. d. Art. Oelbaum 3. Oelfarbe, f. frz. couleur à I'huile, f. engl. Oil-colour, mit Oel als Bindemittel abgeriebene Farbe, theils zu bloser Zier, theils aber u. hauptsächlich zum Schutz gegen Feuchtigkeit angewendet; s. d.Art. Anstrich. Gegen den Oelfarbenanstrich auf dem äußeren Kalkputz der Wohnhäuser sfsind vielfach Bedenken ausgesprochen worden, die sich besonders auf die Behauptung stützen, daß dieser Anstrich die Porosität der Mauern in einem Grad aufhebe, der zu sehr die Diffusion der Luft verhindere und so den Luftwechsel in den Zimmern einschränke. — Aber in demselben Artikel, ia demselben Satz, wird gesagt, daß feuchte Wände die Diffufion genau so hindern als lackirte. Die Feuchtigkeit aber bringt noch viele andere Nachtheile mit sich, welche der Oelfarbenanstrich nicht erzeugt. Die dazu tauglichen Farbenkörper sind verzeichnet im Art. Farbe II. e. f. etc. Vorschriften für ihre Zubereitung sind zu finden unter den die einzelnen Farben betreffenden Artikeln sowie in d. Art. Anstrich, Firniß, Lack re. Die in Pulverform verwandelten Farben werden dann mit einem fetten, trocknenden Oel, also Leinöl, Mohnöl, Nußöl etc., zu einem zähen Teig angerieben, und zwar in der Regel mittels einer steinernen Keule auf einem geölten Lithographirstein, od. sonstiger sehr harten u. seinkörnigen Platte, besser noch auf einer Farbenreibmaschine, dann aber, je nach dem speziellen Fall, mit Terpentinöl oder Leinölfirniß verdünnt u. mit einem Pinsel aufgetragen. Dabei befolge man außer den im Art. Anstrich bereits gegebenen nachstehende Regeln: 1. Alle Oelfarben müssen kalt aufgetragen werden, außer auf Mauerwerk und feuchte Gipsarbeit. — 2. Jeder anzustreichende Gegenstand muß erst grundirt werden, mindestens mit Leimfarbe, besser noch mit dünn angeriebener Oelfarbe, am besten mit heißem Leinölfirniß. — 3. Für Gegenstände im Freien, die man also nicht wohl lackiren kann, wird der Grundanstrich am besten mit reinem Nußöl angerieben u. mit Terpentinöl verdünnt. — 4. Bei Gegenständen im Innern, die in der Regel lackirt werden, muß die Grundfarbe ebenfalls mit Oel abgerieben und versetzt sein; der letzte Anstrich wird mit Terpentinöl angemacht. — 5. Oelfarben zum Anstrich von Metallen u. a. harten und glatten Körpern müssen mit Terpentinöl angemacht werden. — 6. Die mit wesentlichem Terpentinöl angemachten Farben sind frischer u. lebhafter, erhürten gut u. trocknen rasch. — 7. Man darf nicht zu viel Terpentin anwenden, da dies der Haltbarkeit des Anstrichs schadet, indem nach Verflüchtigen des Terpentinöls Farbetheilchen trocken zurückbleiben u. abstäuben. — 8. Alle Oelfarbe wird am besten etwas dick angemacht, so daß sie nicht vom Pinsel abfließt. — 9. Die ersten Anstriche werden flüssiger angerührt als die folgenden. — 10. Mineralfarben bedürfen weniger Flüssigkeit als vegetabilische und animalische. — 11. Man trage nicht eher einen zweiten Anstrich auf, als bis der vorherige ganztrocken ist. — 12. Will man auf schon seit längerer Zeit angestrichene Gegenstände einen neuen Anstrich bringen, ist es gut, die alteFarbe erst mit Potaschenlauge abzuwaschen u. dann anzufeuchten; s. Anfeuchten 2. — 13. Oelfarbenanstriche werden rissig, reißen auf, wenn 1 nicht befolgt wird, oder wenn sie zu dick aufgetragen u. zu schnell lackirt worden sind; s. d. Art. Aufreißen 6. — 14. Man lege die gebrauchten Pinsel in reines Wasser, damit die Farbe nicht eintrocknet; auch auf die im Topf befindliche Farbe gieße man Wasser. — 15. Die sich unter dem Wasser auf der Farbe bildenden Häutchen beseitige man vor dem Wiedergebrauch der Farben. — 16. Man setze die trocknenden Mittel (Siccative), die man überhaupt (unter 25) nur mit großer Vorsicht anwenden darf, jedenfalls erst zu, kurz bevor die Farbe gebraucht werden soll. — 17. Wenn man lackiren will, darf man gar keine trocknenden Mittel anwenden, ebenso bei sehr zarten Farbetönen. 18. Blasen entstehen auf dem Anstrich, wenn die Farben zu alt find, da dann die ätherischen Oele sich schon verflüchtigt haben und die fetten Oele zu sehr verdickt sind, sich also nicht mit dem anzustreichenden Gegenstand verbinden, od. wenn man alte Anstriche neu überstreicht, ohne sie vorher hinlänglich mit Potaschenlauge abgewaschen zu haben. — 19. Wenn man feuchte Gegenstnde anstreicht, od. während des Thaues od. Regens, od gar während des Frostes, einen Anstrich aufbringt, häutet sich der Anstrich leicht ab. — 20. Sehr der Sonne ausgesetzte Oelfarbenanstriche verlleren ihr Oel (wettern aus, verzehren sich) und werden dann bröckelig, stäubig; daher müsfen sie von Zeit zu Zeit mit Leinol angestrichen werden. — 21. Sehr poröse Gegenstände verlangen mehr Oelzuthat in der Farbe als glatte. — 22. Ueber Lackirung etc. der Oelfarben s. den Art. Firniß, Lack, Oelfirniß etc. — 23. Ueber das Aufbeizen alter Belfarbe s. d. Art. Aufbeizen 1. und Reinigen. — 24. Oelfarbanstriche auf Täfelwerk od. Möbel zu reinigen. Man reibe in reines Wasser so viel rohe Kartoffeln, daß ein dünner Teig entsteht, setze feingepulverten Bimsstein oder feinen Sand zu und reinige die Gegenstände damit OELBERG O Universitatsbiblio mittels eines Schwammes, hierauf mit Wasser und einem Tuch; nachdem sie wieder trocken geworden, kann man Politur od. Lackfirniß auftragen. — 25, Trocknen der Oelfarbenanstriche. Man setzt den Farben meist Firniß od. besondere Trockenmittel, Siecative (s. d.) zu, um das Trocknen derselben zu beschleunigen. Fast eben so schnell, dabei gleichmäßiger, trocknet aber eine Mischung von Firniß u. einfachen Oelen, so daß z. B. das Leinöl selbst das Siccativ für das mit Bleiglätte gekochte Oel (den Leinölfirniß) abgiebt, oder Oel, welches man nur drei Stunden lang mit 10—15% Braunstein der Wärme aussetzte. Die Grundlage der Anstrichfarbe bildet gewöhnlich Bleiweiß od. Zinkweiß. Das Bleiweiß beschleunigt das Auftrocknen des Oels so, daß man mit gewöhnlichem Leinöl u. Bleiweiß ohne Anwendung eines Trockenmittels anstreichen kann. Das Zinkweiß besitzt diese Eigenschaft nur in schwachem Grade, sie kann jedoch dadurch etwas erhöht werden, daß man den Zinkblumen auf nassem Wege bereitetes kohlenfaures Zink zusetzt. Wird außerdem noch ein Siccativ angewendet, so trocknen natürlich beide Anstriche schneller. Bei Anstrich auf Metall beschleunigt das dem Oel zugesetzte Bleiweiß das Trocknen nicht, wogegen Anstrich mit Zinkweiß schneller trocknet. Ein auf alten Anstrich od. auf eine schon getrocknete Schicht aufgetragener Anstrich trocknet schneller als auf jeder andern Oberfläche. — 26. Feinere Oelfarbenanstriche zu reinigen, wenn sie verräuchert, glanzlos oder schmutzig sind. Man löse ein wenig Kochsalz in altem Harn auf und vermische damit eine geriebene Kartoffel. Mittels eines wollenen Tuches, welches man in diese Flüssigkeit taucht, reibe man den Anstrich so lange ab, bis er rein ist, wasche ihn hierauf mittels eines Schwammes mit reinem Wasser, lasse ihn trocken werden u. überreibe ihn nochmals mit einem reinen Tuch. — 27. Zu den Oelfarben gehören auch eine Menge von Farbenmengungen, welche unter besonderen Namen empfohlen werden, z. B.enamel-paints (Emailfarben) u. a., welche in die Klasse der Geheiinmittel zu rechnen u wenn nicht unzweckmäßig, doch jedenfalls stets zu theuer sind. Oelstrnißh, m., frz vernis m. à Phuile, vernis gras, engl. Oil-varnish, boiled oil. I. Allgemeines. Vgl. dar. zunächst d. Art. Abschmecken, Bernstein, Kopal, Firniß etc. Hier folgen noch einige Erfahrungssätze. Die fetten Firnisse aus Kopal u. Bernstein sind nach gehörigem Trocknen die dauerhaftesten und vertragen die Sonnenhitze sehr gut. Sie sind aber nicht so farblos, klar und glänzend, wie die Weingeistfirnisse, sie trocknen auch viel langsamer als diese. Man bedient sich der fetten Lackfirnisse bei Gegenständen von Holz, Metall etc. welche der Reibung ausgesetzt sind. Man setzt dem Bernstein und Kopal mitunter auch Sandarach u. Mastix beim Schmelzen zu, wodurch der Firniß fetter wird. Während die Weingeist-Lackfirnisse frisch gegraucht am besten sind, werden die Oellackfirnisse im Gegentheil um so schöner, je länger man sie aufbewahrt u. je öfter man sie von ihrem Bodensatz scheidet. Alte Oellackfirnisse, die zu dick geworden sind, werden erwärmt und dann mitebenfalls erwärmtem Terpentinöl verdünnt. Bei der Anfertigung der fetten Firnisse, frz. vernis gras, ist große Vorsicht nöthig, weil sie leicht in Brand gerathen. II. Vorschriften zu einigen Oelfirnissen. 1. Gewöhnlicher Helfirniß. Man gebe 1 Kg. Harz mit 4J. trocknendem Oel in den Firnißkessel und bewirke bei gelinder Wärme die Auflösung. Hierauf nehme man es vom Feuer u setze allmählich 1 J. Terpentin zu. Sollte der Firniß noch zu dick sein, so muß man noch mehr Terpentinöl zusetzen. — 2. Gebleichter oder farbloser Firniß. Man bedecke den Boden eines Gefäßes, welches 4. faßt, etwa 13 em. hoch mit Bleiweiß und fülle dann das Gefäß beinahe mit rohem Leinöl. Es muß dann mit einer Glastafel bedeckt werden, so daß Sonne und Licht auf das Oel einwirken kann, bis es fett bieer farblos ist, worauf es verwendet wird. Massicot ist ein gutes Ersatzmittel des Bleiweißes, indem es dem Oel othek Heidelberg DFC schnell den Farbstoff entzieht und dasselbe bald zu Firniß zum Einreiben der Köbel. Man begießt Ochsenzungenwurzel in einem glasirten Topf mit Leinöl, so daß dieselbe bedeckt ist, und versetzt dies in gelindes Sieden, so wird es eine dunkelrothe Farbeerhalten. Nach dem Erkalten kann man es gleich brauchen. — 4. Gelftrniß zum Anstreichen geputzter Wände muß kochend heiß sein; um ihn schneller trocknend zu machen, setze man auf 1 . Leinöl 16 g. Bleiglätte zu. — 5. Geruchtoser Helfrniß. Man nehme 2/. grauen Steinkalk, lösche ihn gehörig u. mache ihn mit 20J. Wasfer an, gebe ihn dann in ein Gefäß und schüttele ihn täglich 3—Amal, ohne das Gefäß zu verschließen. Nachdem sich der Kalk gehörig gesetzt hat, gieße man das darüberstehende Wa sser ab, setze dann 2½ — 2%¾. rohes Leinöl zu, schüttele 3—4mal um und setze dann ½ J. gereinigten Vitriol auf je 40. dieses Firnisses zu, den man sodann verwenden kann. geschnitten, mit 100 g. Salzsäure und 70 g. Wasser übergossen und über Feuer so lange gekocht, bis die Seife breisörmig geworden ist. Diese gießt man nun auf eine Steinplatte, entfernt durch nochmaliges langsames Erhitzen das noch vorhandene Wasser u versetzt die Masse mit Terpentinöl. Sie darf nicht mit Leinölfirniß in Berührung kommen, weil sie da sofort zu Fett gerinnt. Oelstrnißbaum, m., chinesischer (Elaeococcus Verni-Cia Juss., Fam. Wolfsmilchgewächse, Euphorbiaceae), wächst in China und Kotschinchina. Aus dem Samen wird ein Oel gewonnen, das zum Anstreichen von Holzwerk u. Leinwand dient. Oelftecke, m. pl., s. d. Art. Firnißflecke u. Flecke. Oelfruchtbaum, m. warziger, Wu-lung (Bot., Elaeo60ααus verrucosus Juss.), ein in China u. Japan wegen seiner Schönheit und seines harten Holzes sehr beliebter Baum. Das Oel der Samen (Huile de bois) dient zum Brennen. Oelgang, m. (Mühlb.), das arbeitende Organ einer Oelmühle, s. d. Art. Mühle IV. 3. Auf dem Herd⸗ oder Bodenstein wird die Oelsat ausgebreitet, damit die Läufer dieselbe zerdrücken. Damit die Sãt nicht nach außen und innen unter den Läufern hervor und festgedrückt werde, ist noch ein Streichwerk angebracht, welches die Sät von neuem unter die Steine bringt, während Schaber sie von den Läufern abstreichen. Aehnlich diesem Streichwerk wird eine Abladeschaufel angebracht, welche den gemahlenen Samen durch ein Loch in dem Rand des Herdes abräumt, welches während des Ganges mit einem Schieber verschlossen ist. Oelgemülde, n., s. d. Art. Gemälde u. Oelmalerei. Oelgrün, n. (Mal.), eine aus Tirol kommende zweite Sorte Berggrün. Oelgrund, m., 1. (Mal.) frz. impression f. ;B Phuile, engl. oil-priming, Grundirung mit Oelfarbe (s. d.). — 2. s. d. Art. Vergoldung.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 469Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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