FeedKaiphas
ErdkundeBrockhaus 1882

Kaiphas, eigentlich Joseph Kaiaphas, jüd. Hoherpriester zu der Zeit, in der Pontius Pilatus röm. Prokurator von Judäa war, hatte einen Hauptanteil an der Verurteilung Jesu. Er wurde 37 n. ahes vom Prokonsul Vitellius abgesetzt. In der frühern Kirche ist er oft mit dem Geschichtschreiber Josephus verwechselt und sein nachmaliger Übertritt zur christl. Religion behauptet worden. „Kairin, salzsaures Oxychinolinmethylhydrür, ein von O. Fischer dargestelltes, Fieber vertreibendes Mittel. Es bildet ein graugelbliches, krystallinisches Pulver, von salzigbitterm, etwas zusammenziehendem Geschmack, löslich in Wasser, und wird am besten in Oblaten oder Gelatinekapseln gereicht. Rairo Gweisilbig), grab. Masr-el-Kähira, d. h. Masr die Siegreiche (Masr der alte Name Agyptens bei den semit. Nachbarvölkern), ist die Hauptstadt Agyptens am rechten Ufer des Nil, 12 oberhalb des sog. Kuhbauchs, der Stelle, wo der Strom sich in den Rofette⸗ und den Damiette-Arm teilt, hart am Rande der Wüste, die hier sich zu der Hügelkette des Molattamgebirges erhebt, durch Eisenbahnen mit Alexandria, Damiette, Suez und Siut verbunden und am Ausgangspunkte des 187 eröffneten Kanals Ismailija. Im Altertum stand 26 km weiter stromaufwärts, auf dem linken Ufer, wo gegenwärtig das Dorf MitRahine sich befindet, die bis auf seine Nekropole fast völlig verschwundene Königsstadt Memphis. Später gründeten die Römer eine kleine Strecke nördlich von da, auf der rechten Seite, das Kastell Babylon, das, als die Araber 640 unter Amru das Land erobert, den Namen Fostat (Zelt) erhielt und Hauptstadt Agyptens wurde. Erst als 973 die Fatimiden-Dynastie sich des Landes bemächtigt, legte Gohar-Kaid 3 kmunördlich von Fostat eine neue Stadt han, die den obengenannten stolzen Namen erhielt und bald nachher zur Residenz erhoben wurde. Saladin umgab sie mit Steinmauern, legte auf einem der Hügel des Mokattam eine Citadelle an und baute eine hölzerne Wasserleitung vom Nil nach dieser, ein Werk, welches im Anfange des 16. Jahrh. durch den noch jetzt bestehenden steinernen Aquädukt ersetzt wurde. Das Volk nannte K. einfach Masr: Fostat heißt jetzt Masr-el-Atika, bei den Europäern Alt-Kairo. Die heutige Stadt mißt etwa 5 Km von N. nach S. und 2,5 km von W. nach O., hat gegen 30000 Häuser und (1882) 374 838 E. (wovon 353 188 Agypter und 21 650 Fremde, meistens Europäer, ellahs, Kopten und Türken). Die Stadt verliert eit 1869 ihren orient. Charakter rasch; nur in den arab. Vierteln findet sich noch ein Gewirr von Nebengassen, die zum Teil in Säcke endigen und so schmal sind, daß man sich aus den Fenstererkern (Maschrebijeh) der sich gegenüberliegenden Bauter bequem die Hände reichen kann. Die Häuser sind durchgehends von gelbem Kalkstein gebaut, die Dächer platt, hinter vielen Wohnungen befinden sich kleine Gärten. K. ist Residenz des Chedive, Sitz der obersten Behörden und eines Internationalen Tribunals, hat eine Hochschule, jetzt die bedeutendste der Mohammedaner, eine mediz. Schule, eine Kriegsschule, eine geogr. Gesellschaft, viele arab. Volksschulen, drei Hospitäler (darunter das im J. 1884 neu erbaute deutsch-englische Kaiserswerther Diakonissenhospital), eine Börse, zahlreiche Banken und mehrere Theater. In neuerer Zeit hat K. eine Menge breite Straßen mit Gasbeleuchtung und Trottoirs erhalten. Nach Westen hin ist der ganz europ. Stadtteil Ismailija entstanden. Der Esbekije-Garten ist ein großes Achteck von 82000 àm Fläche und 1940 m Umfang, mit 2 wtiefem Teiche, den kostbarsten Gewächsen aller Zonen, Liqueur⸗ und Eisbuden, Kaffeehäusern, Bierhallen, Restaurants, Konzerthäusern, Kaskaden und Gaskandelabern. Dieser prachtvolle Volksgarten liegt inmitten des Eelhten großen, seit 1869 in eins der schönsten und belebtesten europ. Stadtviertelumgewandelten Esbekije-Platzes. Die Muski, früher die Hauptgeschäftsstraße, hat ihre Bedeutung verloren. Sehenswert sind vor allem die Moscheen, deren K. 523 besitzt, von denen indes mehrere halb oder ganz in Ruinen liegen. Die berühmtesten sind: die von Achmed-ibn-Tulün 877 nach dem Plane der Kaaba in Mekka erbaute, welche die älteste Anwendung des Spitzbogens zeigt; die ebenfalls mit Spitzbogenreihen gezierte Hkim-Moschee, die 1093 vollendet wurde; die zierliche Sitti-Zeynab-Moschee, nach einer Tochter Mohammeds benannt; die schönste von allen, die des Sultans Hasinin, 1356 —59 erbaut, mit 86 m hohem Minaret. Die mit mehr als 400 Säulen geschmückte Ashar-Moschee, 971 gebaut, später erneuert und vergrößert, wie üblich von einem mit Säulenreihen geschmückten Hofe umgeben, ist die Theologenschule des Orients, nißt, sind unter C aufzusuchen. mit 216 Professoren und 12000 Studierenden. Zu den Moscheen gehören bedeutende Bibliotheken. Unter den zahlreichen neuen Moscheen nimmt die im türk. Stil erbaute Moschee der Citadelle, in welcher sich das Grabmal Mehemed Alis befindet und in deren Nähe der tiefe, von Saladin gegrabene Jussufsbrunnen liegt, den ersten Rang ein. Von andern Bauten der Stadt sind zu nennen: die im Osten derselben bereits im Sande der Wüste jelegenen Mamlukengräber, eine Gruppe sehr ziericher, aber verfallener kleiner Moscheen, unter denen besonders die des Sultans Al-Aschrab künstlerisches Verdienst hat; ferner das Grabmal des Kalifen Es-Saleh-Ejub bei dem Chan-Chalil-Bazar; sodann der letztere selbst mit seinen Höfen und Arkaden; der Gorijeh-Bazar, welcher das Grabmal des Sultans Gori einschließt und in dem vorzüglich Schnittwaren verkauft werden; der Sul-Hams⸗ aumi, wo vorwiegend syrische christl. Kaufleute feilhalten, und der Suk-Es-Sallah, der Waffenmarkt. Ferner verdienen Erwähnung die Thore Bab-en-Nasr, durch das die alljährlich Her sich sammelnde Karawane der westl. Mekkapilger ihren Auszug hält, Bab-Zueileh und Bab-El-Futuh, sowie die von Mehemed-Alis Söhnen Tussum und Jsmael erbauten Brunnenhäuser. Endlich besucht der Fremde gewöhnlich die Gartenschlösser des Vizekönigs, die in Schubra und auf der Nilinsel Roda (mit dem Nilpegel) bei Alt-K. liegen, sowie den sog. steinernen Wald, ein Lager petrifizierter Baumstämme in der Wüste des Mokattamgebirges. Seit 1876 ist K. durch Eisenbahn mit dem südlich gelegenen Badeort Heluan verbunden. Für den Ethnographen und den, welcher die orient. Baukunst studieren will, ist K. unzweifelhaft die wichtigste Stadt des ganzen Morenlandes. Etwa 2 kmentfernt, hart am Nil, liegt Buläk (s. d.), die Hafenstadt von K. (Hierzu eine Karte: Kairo und die Pyramidenfelder./

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 10Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6