FeedKallay (Benjamin von)
GeschichteBrockhaus 1882

Kallay (Benjamin von), österr.⸗ungar. Staatsmann, geb. 22. Dez. 1839 aus einem ungar. Adelsgeschlecht des Szaboleser Komitats, genoß eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung, trat 1867 in das ungar. Abgeordnetenhaus und gehörte zur konservativen Fraktion der Deaäk-Partei. Er wurde von Beust 1869 auf den Posten eines Generalkonsuls in Belgrad berufen. Von dort aus machte er weite Reisen nach Bosnien, Konstantinopel, Kleinasien und durchzog wiederholt die Länder der Balkanhalbinsel. Nach sechsjährigem Aufent alt in Belgrad zog er nach Ungarn, schloß sich daselbst der konservativen Partei an, gründete das Journal Kelet Neper (Volk des Ostenso), wirkte publizistisch und als Abgeordneter und schrieh seine zweibändige, aus Quellen geschöpfte „Geschichte der Serbeno (deutsch von Schwicker; Bd. 1, Pest 1877—78). K. wurde 1878 mit Titel und Rang eines außerord. Gesandten und bevollmächtigten Ministers zum Delegierten in die ostrumelische Kommission entsendet, 1879 zum Sektionschef im Ministerium des Außern ernannt, als welcher er nach dem Tode Haymerles bis zur Ernennung Kalnokys die auswärtige Politik selbst leitete. Nach dem Rücktritt Joseph von Szlavys vom Amte eines Reichsfinanzministers wurde K. zum gemeinsamen Reich Sfinanzminister ernannt und ihm gleichzeitig die Verwaltung der occupierten Länder Bosnien und Herzegowina übertragen (4. Juni 1882). Die gemeinsame Reichsfinanzverwaltung vertritt K. in beiden Delegationen die occupierten Länder, deren Zustände er kennt und die er alljährlich bereist, sind unter seiner Verwaltung, nach mehrern Aufständen, beruhigt und durch manche Reformen gehoben worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 37Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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