Kambodscha, auch Cambodia, Königreich in Hinterindien, seit 1863 franz. Schutzstaat, früher bei weitem größer, gegenwärtig auf den Raum zwischen 10—14 nördl. Br. und 104—1067 östl. L. (von Greenwich) beschränkt, wird nördlich und nordwestlich von Siam, westlich und südwestlich von dem Golf von Siam, südlich und südöstlich von dem franz. Cochinchina, östlich von Annam begrenzt. Man berechnet die Größe des Landes auf 83 861 am und schätzt die Zahl der Einwohner auf 1500000. Hauptstrom des Landes ist der untere Me-Khong, in welchen bei Pnom-Penh der Kambodschafluß einmündet. Lettterer bildet das Emissarium des großen Binnensees Bien-ho, in welchen sich eine Anzahl Flüsse ergießt, von denen der von den Vongbergen kommende, nach der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz benannte Battam-bong der bedeutendste ist. Für den 401 stamm der einheimischen Bevölkerung gelten die Samreh in den Linschi-Bergen. Die eingewanderten Khom oder Khamen ließen sich in Gebieten mißt, sind unter C aufzusuchen. nieder, die von Doeham (Dsiampa) bewohnt waren. Verschiedene Stämme der Kha oder Pnom leben in den Abhängen des Grenzgebirges zwischen K. und Siam. In den größern Städten haben sich chines. Kaufleute angesiedelt, und in einigen derselben finden sich auch delengen Hindu. Außerdem gibt es daselbst Ansiedelungen von Malaien und aus Annam geflüchteten Dsiampa. Die Bewohner K.s zeigen wenig Betriebsamkeit. Das Land liefert für die Ausfuhr Reis, Elfenbein, Baumwolle, Fische, Seide, Kardamomen, Wachs, Rhinoceroshörner. Doch beschränkt sich der Handel fast nur auf die Küstenfahrten einheimischer Schiffe. Der wichtigste Hafenort ist Kampot (s. d.). — K. war ein mächtiger Staat, dem selbst Siam Tribut zahlte, bis sich in diesem Lande die Fürsten von Sukothay (um 1502 der buddhistischen Ara) unabhängig machten. Nach der Gründung Ajudhjas zerstörte der siames. König Ramathibodi 1357 n. Chr. die beiden Hauptstädte von K., Nakhon-Tom und Nakhon-Vat, deren großartige Ruinen neuerdings durch Bastian am Nordufer des erwähnten Binnensees aufgefunden wurden. Die Könige von K. verlegten hierauf ihren Sitz nach dem niedern Lande, wo sie abwechselnd zu Photisat, Pnom-Penh, Kampong-Soai und Lawek residierten, bis unter König Sisuphon die jetzige Hauptstadt Udong oder Undong erbaut wurde. In neuerer Zeit geriet die Macht der Herrscher von K. in großen Verfall. Cochinchina riß den östl. Teil des Landes, die seit 1862 franz. Provinz Ghia-dinh loder Saigon) und Siam 1794 die Provinzen Siem-reap und Battam-bong an sich. Seitdem mußte auch der Fürst des eigentlichen K. (zu Udong) seine Bestätigung in Bangkok holen. Durch Vertrag vom 11. Aug. 1863 wurde K. franz. Schutzstaat. Der von Ceylon eingeführte Buddhismus verbreitete sich von K. Uber die Nachbarländer, weshalb auch noch die heiligen Schriften der Siamesen den Namen der Kambodschischen bewahrt haben. Vgl. Bastian, Die Völker des östl. Asien» (5 Bde., Lpz. 1866 fg.); Moura, „Le royaume du Cambodger (2 Bde., Par. 1883).