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ErdkundeBrockhaus 1882

Kamenz, früher eine der Sechsstädte, seit 1815 eine der Vierstädte der sächs. Oberlausitz, zur Kreishauptmannschaft Bautzen gehörig, liegt am Hutberge und der Schwarzen Elster, ist Station der Linie Arnsdorf-K. der Sächsischen Staatsbahnen und der Linie Lübbenau-K. der Preußischen Staatsbahnen, Sitz einer Amtshauptmannschaft, eines Amtsgerichts und zählt (1880) 6812 meist prot. C. Seit dem großen Brande in der Nacht vom 4. zum 5. Aug. 1842 ist die Stadt neu und durchängig massiv aufgebaut und hat ein sehr freundliches t Hir erhalten. Von den vorhandenen vier prot. Kirchen sind die got. Hauptkirche, die Klosterkirche und die Jodokuskirche von architektonischem Interesse. Ein schöner Bau ist auch das neue Rathaus. K. besitzt zwei Bürgerschulen, eine in neuerer Zeit sehr vermehrte Stadtbibliothek und eine Bibliothek (Dunkersche Stiftungsbibliothek) für die Schulen. Die Industrie erstreckt sich besonders auf Tuch- und Thonwarenfabrikation. Die ausgedehnten Granitbrüche liefern ein treffliches Baumaterial, das selbst nach Berlin und Hamburg versendet wird. K. ist der Geburtsort Lessings, dessen Andenken das Lessingsstift (Krankenanstalt für Bedürftige ohne iean der Konfession oder Nationalität), eine Kolossalbüste (von Knaur in Leipzig) auf dem Schulplatze, eine Gedenktafel an der Stelle seines Geburtshauses, sowie ein massiver Aussichtsturm auf dem Hutberge gewidmet sind. Früher war K. eine sehr reiche Stadt, aber durch den Pönfall 1547 hat sie ihre großen Besitzungen bis auf einen Teil ihrer Forsten verloren. Vgl. Bönisch, 4Histor.⸗statist.geogr. Topographie der Stadt K. v (3 Hefte, Kamenz 182425); «Codex diplomaticus Saxoniae regiaer (2. Hauptteil, Bd. 7: «Urkundenbuch der Städte K. und Löbau », Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 50Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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