Köthen, Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Anhalt-K., Sitz einer Kreisdirektion, eines Amtsgerichts, ist Station der Linien Magdeburg-Leipzig und Wittenberg⸗-Aschersleben der Preußischen Staatsbahnen und zählt (1880) 16 155 meist evang. E. Die Stadt hat zwei protestantische (deren eine, die im 15. Jahrh. erbaute jetzt reform. Kirche, in got. Stil, mit schöner Orgel von Ladegast, seit 1868 restauriert worden ist) und eine kath. Kirche, sowie eine Synagoge. Auf dem Marktplatz steht ein Kriegerdenkmal und im Schloßgarten das 1879 errichtete Denkmal des Ornithologen Naumann. Im herzogl. Schloß ist das Ludwigsgymnasium, das Amtsgericht, die Bauverwaltung, die Kreisdirektion und die Kreiskasse. Von höhern Lehranstalten bestehen, außer dem Gymnasium, eine Realschule, eine höhere Töchterschule, sowie das Landeslehrerseminar für Anhalt. Die bekannte homöopathische Heilanstalt von Lutze wird jetzt von dessen Sohn geleitet. In neuerer Zeit ist K. der Mittelpunkt einer bedeutenden Zuckerindustrie geworden; auf dem Stadtgebiete selbst sind zwei, in der Umgegend etwa 20 Fabriken in Tyätigkeit. Außerdem hat K. Spiritusbrennereien, eine Spritfabrik, zwei Malzfabriken, drei Kaffeesurrogatfabriken, eine Lederfabrik mit Dampflohmühle, eine Knochenmehl- und Leimfabrik, drei Seifenfabriken, eine Dampfbierbrauerei, eine Dampfkesselfabrik, eine Essig⸗ und Liqueurfabrik, eine Dampfpreßkohlensteinfabrik, eine Dampfschneidemühle, drei Ziegeleien, zwei Eisengießereien und Maschinenbauanstalten und eine Metalldreherei nebst mechan. Werkstatt, sowie bedeutende Gärtnereien. In der Umgebung finden sich viele Braunkohlengruben, die jährlich etwa 2 Mill. Tonnen Kohlen fördern; außerdem ist der Handel mit Getreide und Wolle, überhaupt mit den Landesprodukten ziemlich beträchtlich. In unmittelbarer Nähe der Stadt befindet sich auch die große Landesbaumschule. K. wird 1156 erstmals urkundlich erwähnt.