Kamille, s. Anthemis und Matricaria. Kamillenöl. Im Handel finden sich zwei verschiedene ätherische Kamillenöle, das eine stammt von der gemeinen Feldkamille (Matricaria Chamomilla L.), das andere von der röm. Kamille (Anthemis nobilis). Beide werden durch Dampfdestillation der Blüten gewonnen. Das früher offizinelle, in die Deutsche Pharmakopöe von 1882 aber nicht mehr aufgenommene Feldkamillenöl (Oleum chamomillae aethereum) ist in frischem Zustande von tiefblauer Farbe, die aber bei längerer Aufbewahrung durch grün, gelb in braun übergeht; es beginnt bei 105“ zu sieden, der Siedepunkt steigt aber bis 300; es ist ein Gemisch von verschiedenen, dem Kampfer isomeren oder polymeren Körpern; der blaue, auch als Dampf intensiv blau gefärbte Körper ist Cörulein oder Azulen genannt. Das römische Kamillenöl ist grün, beginnt bei 160 zu destillieren, sein Siedepunkt steigt bis 210°. Nach den neuesten Untersuchungen von Köbig ist es ein Gemenge von Anthemol, einem Terpenalkohol, mit isobuttersaurem Isobutyläther, Angelikasäure- und Tiglinsäure-Amyläther, nebst den Hexyläthern derselben Säuren. Außerdem kannte die Pharmakopöe von 1872 auch noch ein fettes Kamillenöl (Oleum chamomillae infusum, früher coctum), welches aus 2 Teilen Kamillenblüten (mit 1 Teil Spiritus angefeuchtet) in 20 Teilen Baumöl durch Digestion im Dampfbad bereitet wurde.