FeedKanuonen
VerkehrBrockhaus 1882

Kanuonen, in der Studentensprache Bezeichnung für schwere bis über die Knie reichende Stiefeln. Im 17. Jahrh. hieß K. eine Art leinene Strümpfe, die man in den Stiefeln trug und über die übergeschlagenen Kappen der Stiefeln zur Zierat legte; später fiel dann der Zierat weg, aber der Name blieb. Kanonenbettung, Bettung (d. i. mit Bohlen belegter Geschützstand) für Kanonen; die Bettungen für Kanonen sind länger als solche fr Mörser. Kanonenbohrer, ein Metallbohrer von halbschief zur Bohrerachse stehender Schneide, s. unter Bohrer und Bohrmaschinen, Bd. III, S.263“, Abbildung s. Fig. 14 der Tafel. Kauonenbohrmaschine, eine große Bohrmaschine zur Herstellung der cylindrischen Höhlung (Seele) der Kanonenrohre. Kauonenboote sind kleine und niedrige, aber mit schwerem Geschütz bewaffnete Fahrzeuge, die hauptsächlich zur Küstenverteidigung dienen. Früher wurden sie mit Rudern fortbewegt und konnten in Windstillen den feindlichen Segelschiffen bei Blokkaden gefährlich werden, da sie gewöhnlich zwei bis drei schwere Geschütze vom größten Kaliber führen. In neuester Zeit begann man Dampfkanonenboote zu bauen, die man gegenwärtig auch mit Eisenpanzern versieht. Diese K. dienen nicht allein zur Verteidigung der eigenen, sondern auch zum Angriff Hiege wie Küsten und wurden sowohl im Krimkriege wie im chines. Kriege von Engländern und Franzosen vielfach und mit großem Erfolg angewandt. Die deutsche Marine besitzt 13 Panzerkanonenboote zur Verteidigung der Flußmündungen in der Nord⸗ und Ostsee. Sie sind mit starkem Panzer versehen und führen je ein Riesengeschütz von 30 em Kaliber. Kanonenfntter, Ausdruck für schlecht disciplinierte und schlecht geführte Soldaten, herstammend aus Shakspeares «Heinrich IV.», erster Teil, Akt 4, Scene 2: cfood for powdero (Futter für Pulver). Kauonengut, s. Geschützbronze. Kanonenjolle hießen früher die kleinsten Ruderkanonenboote, welche nur ein Geschütz (vorn) führten, während die Kanonenboote deren zwei (hinten und vorn) hatten. Kanonenkugelbaum wird bisweilen die Baumgattung Couroupita genannt. Kanonenmetall, s. Geschützbronze. Kanonenofen, s. unter Ofen. Kanonenschlag ist eine in einer widerstandsfähigen Umschließung (starkes Papier, mit Sackbandumwickelung) enthaltene kleine Pulverladung, die durch einen daran angebrachten Zünder zur Explosion gebracht wird und dann eine ins Auge fallende Raucherscheinung und einen starken, als Signal dienenden Knall, einem Kanonenschuß ähnlich, erzeugt. Man kann den K. auch als Versetzung einer Rakete benutzen. (Vgl. auch Feuerwerk.) Kanonicität, der Inbegriff der Merkmale, vermöge welcher ein Buch kanonisch(s. d.)ist, dem Kanon (J. d.) angehört. (meinen bei der Artillerie. Kanonier, Bezeichnung des Grades der Ge-Kanonik (grch.), in der Epikureischen Philosophie die Logik oder Dialektik, nach dem Kanondes Epikur; in der Musik die auf die Verhältniszahlen in den Schwingungen der Töne begründete Lehre der Tonkunst. Deshalb wurden die Pythaoräer Kanoniker genannt, deren musikalische heorie auf dem Kanon (. d.), d. h. dem Monochord fußte, vermittelst dessen die mathem. Intervallbestimmungen (Oktave ½ der Saitenlänge u. s. w.) geschahen. Ihnen gegenüber standen die Harmoniker (Aristoxenos), welche von der Mathematik in der Musik nicht viel hielten. Kanuoniker (Canonici) oder Domherren werden die Mitglieder der bischöfl. Kirche genannt, weil sie in den Kanon, d. h. die Matrikel, der Kathedrale eingetragen waren. Auch an nichtbischöfl. Kirchen, deren Verfassung der bischöflichen ähnlich ist die Miauted im Gegensatz zum Domstift), werden die Mitglieder K. genannt. deeliche res heißt in der kath. Kirche der feierliche Akt des Papstes, durch welchen er einen mißt, sind unter C aufzusuchen. Verstorbenen heilig spricht (kanonisiert). Dieser Akt findet seine Analogie in der schon bei den alten Römern üblichen Apotheose (s. d.), hat aber seinen Ursprung im Gebrauch der alten Kirche, daß man bei der Feier des Abendmahls, bevor die Konsekration erfolgte, diejenigen zu nennen und für sie zu beten pflegte, welche den Märtyrertod erlitten hatten. Ihre Namen, Thaten und Leiden, die Art und der Tag ihres Todes wurden in den Märtyrerkatalog, Kanon genannt, eingetragen, dadurch sie selbst für Heilige (s. Heilig) erklärt. Jeder Bischof hatte das Recht, in seiner Diöcese eine solche daß Perionen vorzunehmen. Der Umstand aber, daß Personen öfters auch ohne Zuthun der Bischöfe zu Heiligen erhoben wurden, veranlaßte Karl d. Gr. zu der Bestimmung (805), daß ferner nur die Person als heilig verehrt werden sollte, der vom Bischof diese Ehre zugesprochen würde. Die wachsende Papstmacht hielt es jedoch in ihrem Interesse für notwendig, die K. selbst in die Hände zu nehmen, um so mehr, da dieselbe der päpstl. Schatzkammer eine reiche Quelle zu bedeutenden Einkünften bot. Die erste päpstliche K. vollzog Johann XV. Seit Alexander III. (1170) ist die K. ein ausschließliches Vorrecht des päpstl. Stuhls geworden und geblieben, und durch Urban VIII. hat 1634 diese Rechtsentwickelung ihren Abschluß gefunden. Die K. erfolgt in der Regel erst, nachdem die Beatifikation angenommen, d. h. der Betreffende selig gesprochen ist, und nach derselben zwei Wunder von ihm bezeugt sind. Die K. wird auf dem Wege des gewöhnlichen Prozeßverfahrens zuerst in der Diöcese des Verstorbenen, dann bei der Congregatio rituum in Rom vorbereitet. Der promotor fidei, welcher deswegen advocatus diaboli genannt wird, hat dabei von Amts wegen alle Bedenken geltend zu machen. Ist der Prozeß zu Gunsten des Kandidaten beendet, so erfolgt seine K. durch den Papst in einem öffentlichen feierlichen Akte in der Peterskirche. Danach wird er in das Heiligenverzeichnis (canon) der Kirche aufgenommen und an einem bestimmten Tage sein Gedächtnis in der ganzen Kirche gefeiert. Über den Akt wird eine Bulle ausgefertigt. Auch die griech. Kirche kennt die K.; der Patriarch von Konstantinopel hat das Recht, sie zu vollziehen. Jedoch hat in jener Kirche nur selten eine K. stattgefunden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Verkehr 6