FeedKapital
TechnikBrockhaus 1882

Kapital nennt man im volkswirtschaftlichen Sinne einen Vorrat von solchen Gütern, die selbst Produkte der menschlichen Arbeit sind und als Mittel zu weiterer Produktion verwendet werden. Bloße Naturfaktoren, insbesondere aber auch der Grund und Boden in seinem natürlichen Zustande gehören also in diesem Sinne nicht zum K., obwohl sie ebenfalls unmittelbar zu produktiven Zwecken benutzt werden können. Das volkswirtschaftliche K. besteht also zunächst aus den Gebäuden, Maschinen, Werkzeugen u. s. w., welche der Produktion dienen, aus den Vorräten von Rohstoffen und Halbfabrikaten, die zu unmittelbar brauchbaren Gütern umgewandelt werden sollen, und von Hilfsstoffen, die bei dem Produktionsprozeß (wie z. B. Kohlen) verbraucht werden. Auch die durch Kultur, Düngung, Drainierung u. s. w. bewirkten Verbesserungen der Grundstücke bilden einen Teil des K., der allerdings mit der Naturgrundlage des Bodens vollständig verschmolzen ist und nur theoretisch von derselben wieder getrennt werden kann. Man pflegt auch die in der Gesellschaft vorhanmißt, sind unter C aufzusuchen. denen Vorräte von Lebensmitteln für den Unterhalt der Arbeiter zu dem volkswirtschaftlichen K. zu rechnen, obwohl diese nur vom privatwirtschaftlichen Standpunkte ihrer Besitzer als Produktionsmittel erscheinen, volkswirtschaftlich aufgefaßt dagegen für die als Selbstzweck zu betrachtende Konsumtion bestimmt sind. Auch das Geld ist kein unmittelbares, eigentliches Produktionsmittel; doch wirkt es indirekt als solches, indem es bei der tauschwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung zur Erleichterung des Produktionsprozesses wesentlich beiträgt. Im privatwirtschaftlichen Sinne erscheint das K. als Vermögen, welches für die Besitzer desselben eine Quelle von Einkommen bildet. Unter diesen Begriff in seinem weitesten Sinne fällt sowohl der Grundbesitz wie das bewegliche Kapitalvermögen, doch wird zweckmäßiger der erstere als eine besondere ökonomische Kategorie für sich behandelt. Das privatwirtschaftliche K. besitzt die Herrschaft sowohl über die eigentlichen Produktionsmittel, als auch über die für die besitzlosen Arbeiter unentbehrlichen Unterhaltsmittel. Die letztern können daher ihre Arbeitskraft nur dadurch verwerten und ihre Existenz nur dadurch fristen, daß sie in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Kapitalbesitzern treten, welche ihr Vermögen in Produktionsunternehmungen anlegen. Man unterscheidet in jedem kapitalistischen Unternehmen das stehende oder Anlagekapital (s. d.) und das umlaufende oder Betriebskapital (I. d.). Die flüssigste Form des privatwirtschaftlichen Kapitals ist das Geldkapital, welches eine nach allen Seiten hin beliebig wirkungsfähige Vermögensmacht darstellt. In dieser Form tritt das K. in der Regel beim Beginn eines jeden Unternehmens auf; ein Teil dieses Vermögens wird dann fest in Gebäuden, Maschinen u. s. w. angelegt; von dem Betriebskapital aber befindet sich stets ein Teil in der Geldform, indem alle Bestandteile desselben periodisch wieder in diese Form zurückkehren. Als Geld tritt auch meistens das Leihkapital auf, nämlich dasjenige Kapitalvermögen, welches nicht von seinen Besitzern selbst produktiv verwendet, sondern andern gegen eine Vergütung dargeliehen wird. Die Höhe dieser Vergütung, der Zinsfuß (s. d.), hängt unmittelbar allerdings von der Nachfrage nach Leihkapital im Verhältnis zu dem Angebot ab, im tiefern Zusammenhang aber von dem durchschnittlichen Gewinne, den das Unternehmerkapital erzielt, da der übliche Kapitalzins diesem Gewinne niemals gleichkommen wird. Daß aber überhaupt der Kapitalist als Unternehmer einen Gewinn macht, ist nicht etwa durch seine Arbeit als Geschäftsleiter bedingt; denn für diese kann er sich einen besondern Lohn anrechnen, wie er z. B. dem Direktor einer Aktiengesellschaft gewährt wird. Der eigentliche Kapitalgewinn, der 3. B. in den an die Aktionäre Cahlien Dividenden rein, wenn auch mehr oder weniger verkleinert, zu Tage tritt, fällt dem Kapitalisten ohne eigentliche Arbeitsleistung desselben zu, und zwar, wenn man von der Vermittelung des Geldes absieht, in der Art, daß der Kavitalist von den Gütern, welche die Arbeiter mit den ihnen zu Gebote gestellten Mitteln produzieren, einen Teil für sich in Anspruch nimmt, was die Arbeiter zugestehen müssen, weil sie ohne K. überhaupt nichts produzieren und erwerben können. Die Arbeiter erhalten also nicht das volle Produkt ihrer Arbeit; sie müssen einen Teil desselben dem Kapitalisten als eine Rente überlassen, die derselbe lediglich auf Grund seines Besihes der Produktionsmittel bezieht. Auf diese Thatsache laufen schließlich alle Anklagen hinaus, die von Proudhon, Marx und den Sozialisten und Kommunisten Überhaupt gegen das K. und die ekapitalistische Produktionsordnungerhoben worden sind. Es fällt dagegen nicht entscheidend ins Gewicht, daß das K. selbst ursprünglich durch Arbeit geschaffen ist; denn wenn es auch wirklich durch die eigene Arbeit des Besitzers entstanden wäre, so würde damit ein dauernder Rentenbezug desselben noch nicht ohne weiteres gerechtfertigt erscheinen. Hauptsächlich kommt vielmehr in Betracht, daß der Kapitalist, auch wenn er nicht unmittelbar mitarbeitet, doch eine wichtige Funktion in der wirtschaftlichen Gesellschaft ausübt: in seiner Hand liegt thatsächlich die Initiative und damit die allgemeine Ordnung der Produktion, und indem er diese Funktion erfüllt, setzt er sein K. gerade wegen der Eigentümlichkeit der bestehenden wirtschaftlichen Ordnung einem nicht geringen Risiko aus. Dazu aber wird er sich nur entschließen, wenn ihm ein Gewinn in Aussicht steht. Auch in einer kollektivistisch organisierten Gesellschaft, in der also die Produktionsmittel der Gesamtheit gehören würden, müßten besondere Organe geschaffen und aus dem Ertrag der Produktion unterhalten werden, welche die Verteilung der Produktivkräfte den Bedürfnissen der Konsumtion entsprechend zu regeln und zu leiten hätten, und daß diese Methode für die Gesamtheit mit geringerm Aufwand verbunden sein würde als die gegenwärtig bestehende, ist nur eine Hypothese, für welche die bisherige Erfahrung keinen Beweis liefern kann. übrigens geben wissenschaftliche Sozialisten, wie Marx, selbst zu, daß die kapitalistische Produktionsweise ein notwendiges, folglich auch berechtigtes Glied in der histor. Entwickelung der menschlichen Kultur und gegenüber der frühern Sklavenwirtschaft einen Fortschritt bilde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 79Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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