Kapp (Friedr.), Geschichtschreiber und Politiker, geb. 13. April w1824 zu Hamm in der preuß. Provinz Westfalen, studierte 1842—45 in Heidelberg und Berlin die Rechtswissenschaft und arbeitete bis 1848 als Referendar am Oberlandesgericht seiner Vaterstadt. Infolge des Ausbruchs der franz. Revolution und der dadurch herbeigeführten polit. Bewegung in Deutschland nahm er im April 1848 seinen Abschied aus dem preuß. Justizdienst und wandte sich zunächst nach Frankfurt a. M., das er jedoch unmittelbar nach dem Septemberaufstande verlassen mußte. K. ging darauf zuerst nach Brüssel, später nach Paris und schließlich nach Genf, von wo aus er 1850 nach Amerika auswanderte. Er ließ sich in Neuyork als Advokat nieder, widmete sich hier dem Studium des Rechts, der Geschichte und wirtschaftlichen Entwickelung des Landes und lernte auf längern und häufigen Reisen das ganze Gebiet der Union kennen. Während der letzten vier Jahre seines neuyorker Aufenthalts war K. in dem Ehrenamte eines Einwanderungskommissars für den Schutz und die Interessen der Einwanderer besonders thätig. Nach 20jähriger Abwesenheit kehrte er im Mai 1870 nach Deutschland zurück, nahm seinen Aufenthalt in Berlin und wurde 1872, 1874, 1877 und 1881 vom Wahlkreise Salzwedel-Gardelegen in den Reichstag gewählt, wo er sich zuerst der nationalliberalen und 1884 der deutsch-freisinnigen Partei anschloß. K. beteiligte sich hier Ai anar⸗ an den Fragen der internationalen Politik, an Handelsverträgen, Auswanderungs⸗ und Konsularangelegenheiten, sowie an allen auf den Schutz der Deutschen im Auslande gerichteten Maßregeln. Im Herbst 1884 lehnte er eine Wiederwahl in den Reichstag ab. Er starb 27. Okt. 1884 zu Berlin. In seinen Schriften hatte sich K. die Aufgabe gestellt, den Deutsch-Amerikanern und Deutschen das Verständnis der amerik. Politik zu erschließen und den Einfluß nachzuweisen, welchen Deutsche auf die Entwickelung und Politik der amerik. Republik ausgeübt haben. Die bedeutendsten dieser Schriften sind: Die Sklavenfrage in den Vereinigten Staaten, geschichtlich entwickelts (Gött. 1854), «Leben des amerik. Generals F. W. von Steubeno (Berl. 1858; auch englisch, Neuyork 1859), „Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten⸗ (Hamb. 1860), Leben des amerik. Generals Joh. Kalbe (Stuttg. 1862; auch englisch Neuyork 187⁰ und 1884), „Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerikar (Berl. 1864; 2. Aufl. 1874), „Geschichte der deutschen Einwanderung in Amerika (Bd. 1, Lpz. 1868; 4. Aufl., Neuyork 1884), Immigration and the Commissioners of Emigration in the State ofNew-Vorky (1869), Friedrich d. Gr. und die Vereinigten Staaten von Amerikav (Lpz. 1871), sowie endlich: Aus und über Amerika. Erlebnisse und Thatsachen » (2 Bde., Berl. 1876). Seit 1876 war er im Auftrage des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler mit einer «Geschichte des deutschen Buchhandelso beschäftigt.