FeedKappadocien
ErdkundeBrockhaus 1882

Kappadocien (grch. Kappadolia, altpers. Katpatuka), eine ausgedehnte Landschaft im östl. Kleinasien, zwischen den Flüssen Halys und Cuphrat, die im N. an die Landschaften Galatien und Pontus, im O. an Armenien, im S. an Syrien (Commagene) und Cilicien, im W. an Lykaonien grenzt. Sie wird von zahlreichen Gebirgen durchzogen, von denen im Innern der Argäus und der etwas weiter östlich gelegene Antitaurus, im S. der Taurus, das Grenzgebirge gegen Cilicien, die bedeutendsten sind. Diese Gebirge sind meist kahl und nur mit Viehweiden bedeckt; auch von den ebenen Strichen ist ein Teil bloßes Weideland, während andere Strecken fruchtbares Getreide- und Baumland darbieten. Doch überwiegt die Viehzucht bedeutend den Ackerbau. Von Flüssen sind außer den erwähnten Halys und Euphrat (der die Grenze gegen Armenien bildet) des letztern Nebenfluß Melas, der Karmalas, der Pyramus und Cydnus zu nennen. Einst unabhängig, von den assyr. Königen bekriegt, wurde es wahrscheinlich von den Medern unterworfen, kam dann zum Persischen Reiche und war in Verbindung mit Pontus in zwei Satrapien geteilt: das eigentliche K., auch K. am Taurus oder Großkappadocien genannt, und K. am Pontus. Beim Tode Alexanders d. Gr. fiel das eigentliche K. dem Eumenes (322) zu, dem es durch Antigonus entrissen wurde (315). Nach der Schlacht bei Ipsos (301 v. Chr.) ward K. dem Seleukidenreiche einverleibt, riß sich aber bald mit Hilfe Armeniens von diesem los und wurde dann wieder von eigenen Königen beherrscht, die fast alle den Namen Ariarathes führten. Ariarathes VIII. verlor sein Königreich durch die Eroberung K.s durch Mithridates (94 v. Chr.), dieser gab es indessen bald an Ariobarzanes ab, der wiederum durch Tigranes von Armenien vertrieben wurde. Nach vielen Wechselfällen wurde der letzte des Stammes, der sich von einem der Mörder des Pseudo-Smerdis herleitete, Archelaos, von Tiberius nach Rom gelockt, wo er 17 n. Chr. starb, worauf sein Reich zur röm. Provinz gemacht wurde. Die Bewohner des Landes (Kappadokes) gehörten der semit. Völkerfamilie an und waren den Syrern zunächst verwandt, daher sie auch von den Alten als oweiße Syrery (Leukosyri) bezeichnet werden. Sie waren ein kräftiger und tapferer Menschenschlag, standen aber auf einer ziemlich niedern Kulturstufe und galten als treulos und hinterlistig. Die Hauptorte der Landschaft waren Mazaka (später Cäsarea) am Berge Argäus, Garsaura oder Archelais (jetzt Kirschehr) und Komana am Antitaurus, berühmt durch ein Heiligtum der Göttin Ma, eine Art Enyo oder Bellona. Jetzt bildet die Landschaft das asiat.⸗türk. Vilajet Siwas.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 90Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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