Karikatur (von dem ital. caricare, frz. charger, d. i. Überladen, übertreiben), Zerr-oder Spottbild, die groteske Darstellung einer Person oder eines Gegenstandes, in satirischer Absicht. Die K. gehört sowohl dem Gebiet der bildenden Künste wie dem der Litteratur an. Schon das griech. und röm. Altertum kannte und gebrauchte die K. in religiösen und polit. Dingen. In der altchristl. Zeit war Satan ein häufiger Gegenstand der K., und die fratzenhaften Tierungetüme, die verhexten Zwittergestalten mit ungeheuern Mäulern, Schlangen-, Tiger-, Affen- und Krötenbeinen, wie sie an den Kirchenportalen des Mittelalters vorkommen, sind ebenso viele K. auf den Teufel und seine Sippschaft. In den alten Handschriften mit Miniaturen trifft man dieselben Motive. Für eine spätere Art von K. scheint das satirische Epos Reineke Fuchso das erste Vorbild geliefert zu haben. Bald ist es der Esel in allen Verwandlungen geistlicher Würde und Gravität, in der Mönchskutte, mit rotem Kardinalshut, am Beichtstuhl lauschend, oder der Fuchs als Mo—⸗ ralprediger auf der Kanzel; bald der Tod in der Gestalt eines menschlichen Gerippes, der Leute aus allen Ständen, vom Papst und Kaiser herab bis zum Bettler und Narren, zum unwillkommenen Tanze abholt. Dieser «Totentanzy bedeckt schnell die Klostermauern und die Beinhauswände und erlangt seine höchste Kunstausbildung und allgemeinste Verbreitung in den Holzschnitten nach Holbeins Zeichnungen. Seit dem Ende des Mittelalters mischt sich die K. in andere Fragen und Konflikte der Gesellschaft. Sie dient dem Adel gegen das Volk, dem Volke Des den Adel, und beiden gegen die Fürstengewalt. ies ist die politische Karikatur, die K. im engern Sinne, die seit dem 16. Jahrh. bei allen bedeutenden Ereignissen eine Rolle spielt als eine Art Flug-und Schmähschrift in Bildern. Die Engländer Gilray, Bunbury, Cruikshank, John Leech, dann die Franzosen Philippon, Grandville, Daumier haben sich in diesem Kunstfache vor allen ausgezeichnet, und die londoner und pariser Karikaturzeichner behaupten noch jetzt ihren unbestrittenen Vorrang vor den Deutschen und Italienern. mißt, sind unter C aufzusuchen. Eine andere Art von K. ist die komische Sitten- und Charakterschilderung, die ihren kaustischen Witz an den lächerlichen Erscheinungen der Mode und des geselligen Verkehrs ausläßt. Ihre Darstellungen werden eigentlich mit Unrecht zu den K. gezählt, weil die feinern Produkte dieser Gattung, die allein in Anschlag zu bringen sind, ihre komische Wirkung nicht durch eine lächerliche Entstellung der Körper- und Gesichtsbildung, sondern durch einen individuell-geistigen, charakteristischen Ausdruck des Gesichts erhalten. Im 17. Jahrh. war Callot ein gepriesener Meister in diesem Kunstfache, das im 18. Jahrh. in England an Hogarth, in Deutschland an Chodowiecki, in Holland an Cornelis Troost seine Hauptrepräsentanten derns In neuester Zeit glänzten darin vor allen der Franzose Gavarni, dessen Werke einen echt und tief humoristischen Geist der Auffassung mit dem Gefühl für Grazie und Schönheit und mit der Virtuosität der Darstellung in seltenem Maße verbinden; in England der erwähnte John Leech und Du Maurier. Vgl. history of caricature and grotesque in literature and arte (neue Ausg., Lond. 1875).