FeedCandelaber
TechnikBrockhaus 1882

Candelaber (lat., Kerzenträgerv) hieß bei den Alten ursprünglich ein Gerät, das zum Tragen der Wachs⸗ und Talgkerzen (candelae) diente, dann aber vorzugsweise ein säulenartiges auf dem Boden ruhendes Gestell, auf welches Lampen aufgestellt, auch wo Hauchernen u. dgl. 5 Haus. werden konnte. Anfänglich ein „ bhn ausgerät, fertigte man dieselben aus Holz, Rohr oder gebranntem Thon, später wurde jedoch der C. ein Gegenstand der Kunst, zu dessen Herstellung man Metall, insbesondere Bronze, dann auch Marmor oder Alabaster verwandte. Große, mannigfach verzierte und künstlerisch geformte C. kamen als Weihgeschenke in die Tempel oder wurden als Prachtstücke mißt, sind unter K aufzusuchen. 57 in reichen Privathäusern aufgestellt. Ein kunstge recht geformter C. bestand aus dem Fuß (der Basis) den gewöhnlich zierlich gearbeitete Tierfüße (Löwenklauen) bildeten, aus dem Schafte Kaulos), wel er ufe kanneliert war, und dem obern Teile oder naufe (Kalathos), der die Form eines Tellers oder Nicht selten erhob sich über dem Knauf noch eine Figur, die den tellerförmigen Aufsatz trug oder Men Zur röm. Kaiserzeit wurden C. aus edeln etallen und von den künstlichsten Formen (aufschießende Acanthusstauden mitüberschlagenen lättern, Glodeub mit Epheu umwundene, in Vasen oder Glockenblumen endende Stämme, karyatidenartige Figuren u. s. w.) Gegenstand des Luxus. Fig. 1. Antiker Bronze⸗ Fig. 2. Antiker Bronzecande-Manche C. stellen Säulen mit Armen oder Baumämme mit Zweigen vor, von denen Lampen an chwa en Ketten herabhängen (s. Fig. 2). Große und schöne Marmorcandelaber aus dem Altertum setzung und Proportion der Schäfte, die von Agina wegen der saubern Ausführung der Zieraten ge- und Ponn bronzene C. fanb man in sune nahm ⸗derte und nicht nur mit Laub und Ornament, son )‚dern auch mit vielen kleinen Figuren schmückte ( ⸗Fig. 4). Solche in Bronze ausgeführte C. sin⸗ „noch mehrfach in Italien erhalten; einer der reich r Ben befindet sich gegenwärtig im Museo Correr 3¹ enedig. Auch die moderne Kunst benutzt für die .C. vielfach antike Motive; einen eigenen Stil hat esie noch nicht gefunden. r Candia (ursprünglich Chandakon, von dem arab. Worte chandak, d. i. Graben) ist der Name der mittelalterlichen und modernen Hauptstadt der Insel Kreta (s. d.), mit welchem im Abendlande gewöhnlich die ganze, von den Neu riechen Kriti, von den Türken Kirid genannte 51 bezeichnet wird. Diese zur europ. Türkei ge Intiker Marmorcandelaber. von Bronze aus dem 16. Jahrh. Indih Vilajet bildende Insel des Mittelmeers, sudlich dem 5f hre Meer vorgelagert, ist 268 Kmi lang, 15—55 reit und 8618 qkm 5 Das die in ihrer ganzen Länge von W. nach O. durchziehende Gebirgs ystem gliedert sich in drei Hauptgruppen: die Weißen Berge (Madara oder Aspra Vuna, im Altertum Leuka Ore genannt), deren höchste Spitze 2470 m über den Meeresspiegel 6 erhebt; das Idagebirge, dessen höchster, jetzt iloriti genannter Gipfel eine Höhe von 2460 m erreicht, und die von den Alten Dikte genannte Geas feht 2a welche wieder in zwei Teile zerfällt: das jetzt asithi oder Lasiothika genannte Ge irge 1680 m Ho 0 und die um etwa 200 m niedrigern Berge der östlichsten, jetzt Sitia genannten Halbinsel (Aphenti-Vuno und Modij. Dies innere Längengebirge, das mehrere Seitenzweige und ißt, sind unter K aufzusuchen. Ausläufer nach beiden Seiten bis ans Meer aussendet und sanfter nach N., steiler nach S. abfällt, teilt die Insel in eine nördl. und eine südl. Hälfte. Die erstere, durch ihre entwickeltere Küste auf Europa —n „ist weniger gebirgig, sanfter geböscht, ägeförmig in zahlreiche uchten und vorspringende ist hafen⸗ und städtereicher, fruchtbarer und stärker bevölkert. Die sudl. Hälfte ist schroff, — und dürr, weniger ausgezackt, arm an Ankerplätzen, stellenweise unzugänglich und öde wie die afrik. Gegenkuste. Die Gebirge entsenden nach beiden Seiten nur wenige Flüsse, aber desto mehr Bäche. An Naturschönheiten wird C. von keiner der 0 eln des Mittelmeers übertroffen. Das Klima ist aus-Conmmert. sehr mild und gesund. Die mittlere ommertemperatur beträgt in den niedrigen Küstengegenden vom Mai bis November etwa 4. 21² R., und der Winter wird durch das Meer und die Nähe Afrikas so gemäßigt, daß das Thermometer in den Kuüstenstädten selten unter 6“ sinkt. Der Schnee, der im Winter alle bedeutendern Höhen bedeckt, verschwindet Ende Juli uberall. Im Sommer wird mitunter der heiße Scirocco lästig; auch finden zuweilen Erdbeben statt. Die Insel hat auf der Nordseite schöne Waldungen, namentlich ausgezeichnete Olivenwälder, auch Wiesen und Weiden, und der fruchtbare Boden erzeugt Getreide, insbesondere uten Weizen, Wein, Ol, Orangen und andere Südchte in trefflichster Qualität, den Maulbeerbaum um Seidenbau, in reichlicher Menge den Ladansrauch (Cistus Creticus), der das wohlriechende Ladanumharz liefert, den w. Mdenhoch Süßholz, Baumwolle, Flachs u. s. w. in den hochgelegenen Gegenden Apfel, Birnen und Kartoffeln. Der Blumenflor ist mannigfaltig: Rosen, Haahen bes Narcissen, Levkojen, Anemonen u. s. w. blůhen beständig. Das Tierreich liefert außer den Mufons lichen Haustieren viel Jagdwild, darunter Muflons und Capra Beden, viele Bienen und Fische. Die Gebirge enthalten nutzbare Mineralien die jedoch 6305 ausgebeutet werden. Auch die Beste ung des Bodens ist sehr vernachlässigt, sodaß Getreide und Baumwolle eingeführt werden müssen. Die Zahl der Einwohner, in der lütezeit der venet. Herrschaft auf 1 Mill. geschätzt, wird jetzt auf 275000 angegeben, wovon 234000 Christen, 38000 Mohammedaner und 3200 Israeliten. Die Christen sind meist griech. Abkunft, darunter die mit ihren Schafherden im südwestl. Gebirge hausenden Sphakioten oder Sphakianer, die ihren nationalen Charakter am reinsten erhalten haben, berühmt durch dolthne Benölterung keit und + Die ländliche Bevölkerung ist hauptsächlich eine christliche, nur in manchen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 900Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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