FeedKarl IV.
GeschichteBrockhaus 1882

Karl IV., deutscher Kaiser, 1346—78, Sohn des Königs Johann von Böhmen, der in der Schlacht bei Crecy hlieb, aus dem Hause Luxemburg, zu Prag 14. Mai 1316 geboren und am Hofe zu Paris erzogen, übernahm 1331 zuerst an seines Vaters Statt das diesem von Kaiser Ludwig IV. übertragene Reichsvikariat von Italien und erhielt, als er sich dort gegen die Italiener nicht mehr behaupten konnte, 1334 das Markgraftum Mähren. In dem Kärntener Kriege gegen den Kaiser verheerte er als seines Vaters Bundesgenosse das Land des Grafen von Görz und nahm auch an dem spätern erneuten Kampfe der Luxemburger gegen den Kaiser wieder Anteil. Schon bei Ludwigs IV. Lebzeiten wurde K. als dessen Gegenkönig 11. Juli 1346 zu Rense auf Anstiften des Papstes Clemens VI. von fünf Kurfürsten unter erniedrigenden Bestimmunhar gewählt, die er vorher dem Papste zu Avignon hatte beschwören müssen, konnte aber nach des Kaisers Ludwig IV. Tode (11. Okt. 1347) wegen der Feindschaft der Wittelsbacher nicht sogleich zum ruhigen Besitz der Krone gelangen. Eine Versammlung der Botschafter der Kurfürsten von der Pfalz und von Brandenburg und des Herzogs von Sachsen-Lauenburg zu Oberlahnstein unter dem Vorsitze des n Heinrich von Mainz, den Clemens VI. abgesetzt hatte, erklärte K.s Wahl für nichtig und wählte anfangs Eduard III. von England, Kaiser Ludwigs IV. Schwager, und als dieser die Krone ausschlug, den Markgrafen von Meißen, Friedrich den Strengen, endlich, da auch dieser die Wahl ablehnte, 30. Jan. 1349 den Grafen Günther von Schwarzburg an K.s Stelle zum König. Den offenen Kampf mit einem so tüchtigen Gegner fürchtend, nahm K. zu Hinterlist und Ränken seine Zuflucht. Er hatte schon vor Günthers Wahl im Verein mit den Askaniern von Anhalt und dem Erzbischof von Magdeburg in der Person des falschen Waldemar gegen Kaiser Ludwigs Sohn, Markgraf Ludwig den AÄltern, in Brandenburg einen Prätendenten aufgestellt, dem in kurzem fast das ganze Land zufiel. Da obendrein Günther wenig Anhang gewann, überdies erkrankte und 26. Mai abdankte, da ferner K. auch den Pfälzer für sich gewann, indem er dessen Tochter Anna heiratete, fanden sich auch die Wittelsbacher bewogen, sich unter der Bedingung ihrer Wiedereinsetzung in Brandenburg wieder K. zuzuwenden, welcher 25. Juli mit großer Pracht in Aachen gekrönt worden war. Kaum aber war dies geschehen, so bemächtigte er sich der Reichsinsignien und ließ sie gegen sein ausdrückliches Versprechen nach Böhmen bringen. Dabei war er eifrig auf die Vergrößerung seiner Hausmacht bedacht. Schon bei seiner Verheiratung hatte ihm sein Schwiegervater, Kurfürst Rudolf von der Pfalz, die Erbfolge in der Oberpfalz zusichern müssen; die übrigen wittelsbacher Fürsten wußte er durch Geld und anderweite Zusagen zur Verzichtleistung auf ihr Erbrecht an dieses Land zu bewegen. Nach Annas Tode eilte er, sich um die Hand der Tochter des Herzogs Heinrich von Jauer zu bewerben, durch die er das Heimfallsrecht der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer erhielt. Hierauf begab er sich 1354 nach Italien, wurde zu Mailand zum König von Italien und in Rom 1355 zum Kaiser gekrönt. Seiner Zusage getreu blieb er nur einen Tag in Roms Mauern und enthielt sich aller Versuche zur Ausübung seines Kaiser1 vielmehr schnell nach Deutschland zurück. Hier erließ er 1356 das deutsche Grundgeseß bei der Kaiserwahl, die Goldene Bulle, das Einzige von Bedeutung, was er für das Reich gethan hat. Den über die Beseitigung seines Einflusses bei der Königswahl durch die Goldene Bulle erzürnten Papst suchte er durch die Erlaubnis zur Erhebung des Zehnten von allen geistlichen Einkünften in Deutschland zu besänftigen; die Reichsfürsten dagegen, welche diese Maßregel zur Opposition gegen ihn aufregte, beruhigte er mit dem Vorschlage einer Reform der deutschen Geistlichkeit. Als aber der Papst drohte, kehrte er sogleich zur gewohnten Unterwürfigkeit zurück und gab nicht nur alle Verbesserungen auf, sondern bestätigte mißt, sind unter C aufzusuchen. sogar 1359 alle Freiheiten der Geistlichkeit, alle ihre gegenwärtigen und künftigen Besitzungen und machte sie von jeder weltlichen Gerichtsbarkeit unabhängig. Unterdes herrschten Bernabo und Galeazzo Visconti von Mailand mit größerer Tyrannei und Willkür als je in Italien und verübten im Wetteifer mit zahlreichen herrenlosen Söldnerbanden die entsetzlichsten Frevel. Da zog K., von dem Papst dringend aufgefordert und um ihm die Rückkehr von Avignon nach Rom zu ermöglichen, 1368 noch einmal über die Alpen, diesmal mit einem bedeutenden Heere. Die Visconti baten jedoch um Frieden und erhielten denselben gegen das Versprechen einer bedeutenden Geldzahlung. Auch die ital. Stadtrepubliken mußten sich zu großen Zahlungen verstehen. Hatte das Reich und Deutschland von K. wenig Förderung, so sorgte er dagegen mit Eifer für die Entwickelung seines Stammlandes Böhmen. Er erteilte hier dem Adel wie den Städten viele Freiheiten, gab 1350 ein neues Gesetzbuch, das er jedoch später wieder zurücknehmen mußte, beförderte Bergbau und Ackerbau, machte die Moldau bis zur Elbe schiffbar, baute die Neustadt, den Hradschin und die berühmte Brücke zu Prag, gründete daselbst ein Erzbistum und 1348 nach dem Muster der pariser die erste deutsche Universität und zog eine Menge deutscher Künstler und Handwerker herbei. Er hatte 1363 mit Brandenburg einen Erbvertrag geschlossen und 1368 die Niederlausitz durch Kauf an sich gebracht; auch vollendete er die von seinem Vater begonnene Erwerbung Schlesiens. Nachdem er nun 1373 die Mark Brandenburg mit Böhmen vereinigt, erlebte er nach langen Bemühungen die Freude, seinen Sohn Wenzel als Nachfolger auch im deutschen Königtum gewählt und gekrönt zu sehen. Er hatte für diesen Zweck die Kurfürsten je mit 100000 Fl. und Verpfändung der noch übrigen Reichsgüter und Zölle gewonnen, trotzdem daß die von ihm selbst als Reichsgesetz erlassene Goldene Bulle jede Bestechung streng verbot. Bei seinem Tode, der 29. Nov. 1378 zu Prag erfolgte, vererbte er Böhmen, Schlesien und die Königskrone an Wenzel (s. d.), den ältesten, Brandenburg an Sigismund, den zweiten, und die Lausitz an Johann, den dritten seiner Söhne. Vgl. Pelzel, «Geschichte Kaiser K.s IV.„ (2 Bde., Prag 1780—82); Scholz, Die Erwerbung der Mark Brandenburg durch K. IV.„ (Bresl. 1874); Friedjung, Kaiser K. IV. und sein Anteil am geistigen Leben seiner Zeit' (Wien 1876): Böhmer, «Regesten des Kaiserreichs unter K. IV. 1346 —785 (herausg. von Huber, Innsbr. 1877); Werunsky, „Geschichte Kaiser K.s IV. und seiner Zeite (Bd. 1—2, Innsbr. 1880—82).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 108Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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