Karl V., deutscher Kaiser, 1519—56, unter dem Namen Karl I. seit 1516 König von Spanien, der älteste Sohn Pper 406 Erzherzogs von Osterreich, und Juanas, der Tochter Ferdinands und Isabellas der Katholischen von Spanien, Enkel Kaiser Max' I., war zu Gent 24. Febr. 1500 geboren. Er wurde in den Niederlanden erzogen, und man ver⸗ -traute ihn der Obhut Wilhelms von Croy, Herrn von Chiêvres. K. zog die militärischen Üübungen den Studien vor. Nach dem Tode Ferdinands, seines Großvaters, 1516, ergriff K. statt seiner noch lebenden, aber wahnsinnigen Mutter die Vönta der Regierung und nahm den Titel eines Rönigs von Spanien an. Aber dieser eigenmächtige Regierungsantritt sowohl als seine parteiische Gunst für die mitgebrachten Mederländer re 900 sehr bald die span. Großen gegen ihn auf, und es bedurfte ganz der weisen Staatsklugheit seines berühmten Ministers Ximenes, um offene Ausbrüche der Unzufriedenheit für jetzt noch zu verhüten. Als nun 1519 Maximilian gestorben war, wurde K. unter mehrern Bewerbern auf Empfehlung des Kurfürsten Friedrich von Sachsen zum Kaiser gewählt. Mit Spaniens Beruhigung beschäftigt, konnte er jedoch erst 1520 dieses Land verlassen, um von seiner Würde Besitz zu nehmen; er wählte den Seeweg durch den Kanal und die Niederlande teils aus Mißtrauen gegen die Gesinnungen des Königs von Frankreich, teils um durch persönliche Besprechung Heinrichs VIII. von England Freundschaft zu gewinnen. Am 22. Okt. 1520 wurde er zu Aachen gekrönt und empfing von dem Papste den Titel Römischer Kaiser. Die von seinen Gesandten unterzeichnete Wahlkapitulation, durch welche man seine wegen unermeßlichen Länderbesitzes fcädlichen übermacht für die Reichsverfassung unchädlich zu machen suchte, unterschrieb er zwar ohne Zögern, band sich aber niemals während seiner Regierung streng daran. Um den durch Luther angeregten Religionsstreitigkeiten ein Ende 0 machen und die Angelegenheiten des Reichs überhaupt zu ordnen, wurde 1521 nach Worms ein großer Reichstag ausgeschrieben, auf dem alle Fürsten und Stände des Reichs und zahllose Volksmassen zusammenströmten. Luther, der hier mit einem Freibriefe K.s erschien, sprach für seine Sache mit Kraft und Freimütigkeit. Der Kaiser äußerte sich nicht, doch kam ihm die Irrung in Deutschland ungelegen, da er sich in Spanien noch nicht festgesetzt hatte und ihm wegen Burgunds und Italiens ein Krieg mit Frankreich bevorstand. Um daher die Sache mit einem Gewaltstreich zu dämpfen, sprach er, als Luther nicht widerrief, dic Reichsacht über diesen aus, verließ noch im Laufe des Jahres Deutschland und kehrte 1522 über die Niederlande und England nach Spanien zurück, um den Aufruhr der Städte Castiliens, die zur Aufrechthaltung ihrer Rechte gegen die Krone in einer sog. Heiligen Ligue sich verbunden hatten, zu unterdrücken. Während K. hier siegte, waren indes die Türken unter Soliman in Ungarn eingefallen und hatten Belgrad erobert. Zugleich begann. Frankreich durch einen doppelten Angriff auf Navarra und auf die Niederlande gegen den Kaiser einen langwierigen Kampf, der sich bald auch über Italien ausdehnte. Die Feindseligkeiten brachen schon 1521 aus; die Franzosen, siegreich derlan der Pyrenäen, waren unglücklich in den Niederlanden. Ein zu Calais gehaltener Friedenskongreß erhitzte die Gemüter nur noch mehr und gab Heinrich VIII. einen Vorwand, sich für K. zu erklären. Das Glück der kaiserl. Waffen unter Anführung des Prospero Colonna und Georg Frundsberg in Italien, wo die Franzosen aus Parma, Piacenza und nach der Schlacht bei Bicocca selbst aus Mailand vertrieben wurden, und der Übertritt des Connétable Karl von Bourbon entschädigten K. für das Mißlingen eines Angriffs auf die Provence. Bald erlangten seine Waffen einen noch größern Erfolg, indem Franz, weicher Pavia belagerte, 24. Febr. 1525 dort von den Kaiserlichen in einer Schlacht bezwungen und gefangen genommen wurde. Im J. 1526 kam der Madrider Vertrag zu Stande, demzufolge Franz nißt, sind unter C aufzusuchen. unter harten Bedingungen die Freiheit wiedererbm Aber auch in Deutschland, wo während seiner lbwesenheit sein Bruder Ferdinand das Reichsregiment führte, wurde K. von Glück begünstigt. Es gelang ihm hier, die von dem Schwäbischen Bunde dem vertriebenen Herzog Ulrichvon Württemberg abgenommenen Länder an sich zu bringen, die er dann nebst den österr. Erbländern seinem Bruder verlieh; der Bauernkrieg und die Sickingenschen Händel wurden geschlichtet. Die Reformation breitete sich jedoch trotz des Wormser Edikts ungestört aus. urch die anwachsende Macht K.s beunruhigt, verband sich der Papst mit Frankreich und den Hauptstaaten Italiens, sprach den König Franz von Erfüllung seiner Verbindlichkeiten los und versuchte die kaiserl. Macht aus Italien zu drängen. Von 1527 bis 1529 dauerte der zweite Kriegs K.s mit Franz. Rom wurde 6. Mai 1527 von den Kaiserlichen mit Sturm erobert, geplündert und der Papst selbst gefangen genommen. Nach der Flucht desselben schloß K. mit ihm zu Barcelona 29. Juni 1529, bald darauf auch mit dem Könige von Frankreich, den er inzwischen durch Andrea Dorias Hilfe in Italien vollends besiegt hatte, zu Cambrai 5. Aug. 1529 Frieden (sog. Damenfrieden). Der unbedingte Besitz Italiens, die Erteilung der Kaiserkrönung zu Bologna und die Zahlung großer Geldsummen waren der Preis, für welchen K. diese Friedensschlüsse gewährte. Als gekrönter Kaiser (21. Febr. 1530, die letzte Kaiserkrönung in Italien) und unumschränkter Gebieter het un brach er nun nach achtjähriger Abweseneit im März 1530 nach Deutschland auf, um der dortigen religiösen Rich und Spaltung ein Ende zu machen und zugleich gegen die Türken, welche unter Soliman II. Ungarn verheert und 1529 sogar Wien belagert hatten, die Hilfe der Reichsstände anzusprechen. Aber auf dem zu diesem Zwecke 1530 zu Augsburg gehaltenen Reichstage übergaben die protestierenden Fürsten ihre von Melanchthon ũñ¹½½5 (Augsburgische) Konfession, worauf K. unversöhnlich einen drohenden Reichstagsabschied erließ. Im J. 1531 traten deshalb die protestierenden Fürsten zum Schutze ihrer Konfession zu Schmalkalden in ein Bündnis zusammen und setzten sich zugleich mit den Königen von Frankreich und von England in ein geheimes Einverständnis. Dies und die immer drohender werdende Gefahr vor den Türken nötigten den Kaiser 1532, kurz nachdem er seine Strafprozeßordnung (. Carolina) publiziert hatte, zu dem Nürnberger Religionsfrieden, worin der Protestantismus, jedoch mit dem Verbote jedes weitern Reformierens, in statu quo bis V einer künftigen Ausgleichung auf einem Konzil anerkannt wurde. Nunmehr stellten die Protestanten ihre Kontingente zum Feldzuge gegen die Türken. Es gelang dem Hauptmann Sebastian Schärtlin, in einem Überfall 16000 Ungläubige zu töten, und Soliman II. zog sich bei Annäherung des 80000 Mann starken kaiserl. Heers nach Ungarn zurück. Infolge dessen entließ K. die Deutschen in ihre Heimat, begab sich selbst nach Talien, um mit dem Papste über die Berufung eines Konzils zu unterhandeln, was jedoch ohne Erfolg blieb, und unternahm hierauf 1535 von Spanien aus einen Zug nach Afrika gegen den türk. Seeräuber Khair-ed-din Barbarossa, welcher sich in Tunis festgesetzt hatte. Tunis wurde erobert, und K. hatte die Freude, aus dieser Stadt, die er ihrem rechtmäßigen Herrscher Mulei-Hassan als ein Lehn der span. Krone zurückgab, 22000 befreite christl. Sklaven in ihre Heimat zu entlassen. Im J. 1536 . Franz seinen dritten Krieg. Aber auch diesmal behielt K., trotzdem daß er bei seinem Einfall in die Provence Marseille nicht erobern konnte, die Oberhand. Der Vertrag von Nizza 18. Juni 1538 auf 10 Jahre beendete den Krieg; aber schon 1542 entbrannte ein neuer Krieg, aus welchem K., trotz seiner Niederlage bei Ceriosoles, durch einen Einfall in die Champagne und durch Andrea Dorias glückliche Eopnn8 der türk.⸗franz. Flotte im Frieden zu Crespy 18. Sept. 1544 als Sieger hervorging. Er verzichtete zwar auf das franz. Burgund, behielt aber Flandern und Artois und die Herrschaft über Italien, da der franz. Prinz, welchem Mailand zugesichert ward, — 1545 starb. Zu gleicher Zeit gewann K. Macht an innerer Festigkeit und unanehnnc. Es glückte ihm, 1539 die alte Konstitution der Cortes in Spanien zu vernichten und 1540 den in Gent ausgebrochenen Aufstand der Niederländer zu dämpfen. Erweitert aber wurde Spaniens Besitz in der Neuen Welt. Im J. 1519 zog Ferd. Cortez egen Mexiko und eroberte es. Zur selben Zeit geang es Magellan, den Weg nach Ostindien um das Südende Amerikas aufzufinden; 1525 wurde von der Südseite Dariens aus die erste Fahrt nach Peru unternommen; K. sandte 1531 Francisco Pizarro zur Eroberung des «Goldlandesv, 1536 wurde Californien entdeckt und erobert. Dagegen verunglückte ein Zug, den K. selbst 1541 nach Algier unternahm, gänzlich. Nach dem Frieden von Crespy rüstete er sich, die durch das Schmalkaldener Bündnis vereinigten prot. Fürsten zu demütigen, welche durch ihre Weigerung, das Konzil zu Trident zu beschicken, ihn erzürnt hatten. Er verband sich mit dem Papste, dem Herzog Moritz von Sachsen und dem röm. König Ferdinand, sprach über die Häupter des Bundes die Acht aus, überraschte die Verbündeten durch sein schnelles energisches Handeln und besiegte sie in der Schlacht bei Mühlberg 24. April 1547. Die dem gefangenen Kurfürsten Johann Reete von Sachsen entrissene Kurwürde und Länder erteilte K. dem Herzog Moritz von Sachsen, übertrug ihm 1550 die Achtsvollstreckung gegen das dem Schmalkaldischen Bunde angehörige Magdeburg, gab dann auf dem Reichstage zu Augsburg das sog. benein und e Or hier, von seinen Truppen umgeben, eine ernste Sprache, welche die Besorgnis erregte, K. beabsichtige Deutschland zu einer Erbmonarchie seines Hauses zu machen. Da benutzte der neue Kurfürst Moritz die allgemeine Unzufriedenheit, um seinen längst im stillen vorbereiteten Plan der Rettung Deutschlands und des Protestantismus auszuführen. MitHeinrich II. von Frankreich verbündet, drang er 1552 mit seinem Heere rasch nach Innsbruck vor, nötigte den gichtkranken Kaiser zur —„ nach Villach und zwang ihm den Vertrag zu Passau vom 2. Aug. 1552 ab, der den Protestanten Religionsfreiheit gewährte und durch den Religionsfrieden von Augsburg 1555 bestätigt wurde. Gleichzeitig mit Moritz' Unternehmung hatte Heinrich II. von Frankreich der lothring. Bistümer Metz, Toul und Verdun sich bemächtigt. K. kämpfte hier und in Italien gegen ihn, war aber nicht im Stande, auch nur die Stadt Metz ihren tapfern Verteidigern wieder zu mißt, sind unter C aufzusuchen. entreißen. Am Glück verzweifelnd und durch kör-II Leiden verstimmt, ging er in die Niederande; auf dem Hoflager zu Brüssel resignierte er und stellte den Ständen seinen Sohn Philipp II. (s. d.Nals König von Spanien und Herrn der Niederlande und Italiens vor. Die Nachfolge in Deutschland erhielt K.s Bruder Ferdinand. So teilte sich die habsburgische Weltmacht unter die zwei Linien, die spanische und deutsche, von denen die erstere mit Karl II. 1700, die letztere mit Kaiser Karl VI. 1740 erlosch. Dann begab er sich, von wenigen begleitet, zu Schiffe nach Spanien, wo er ein Landhaus bei dem Kloster San-Juste in Estremadura zu seinem Aufenthalte wählte und bald darauf, 21. Sept. 1558, starb. „Litteratur. Außer den Werken von Prudencio de Sandoval (2 Bde., Valladolid 1604-6) und Robertson (3Bde., Lond. 1769; deutsch von Mittelstedt, mit Anmerkungen von Remer, 3. Aufl., 3 Bde., Braunschw. 1795) sind zu nennen: Lanz, Korrespondenz des Kaisers K. V.v (3 Bde., Lpz. 1844 46); Kervyn de Lettenhove, «Aufzeichnungen des Kaisers K. V.y (deutsch von Warnkönig, Lpz. 1862); Gachard, «Correspondance de Charles Quinto (Brüss. 1859); Guntram, Kaiser K. V.v (Wien 1865). K.s Klosterleben in San-Juste wurde neuerdings von Stirling (deutsch von Lindau, Dresd. 1853; 2. Aufl. 1858), von Gachard (2 Bde., Brüss. 1854—55), Mignet (Par. 1854) und Pichot (Par. 1854) behandelt. Vgl. ferner Maurenbrecher, „Karl V. und die deutschen Protestanten 1545—555 (Düsseld. 1865); derselbe, «Studien und Skizzen zur Geschichte der Reformationszeite (Lpz. 1874); Rösler, Die Kaiserwahl K.s V.y (Wien 1868); Ranke, 4. Geschichte im Zeitalter der Reformationo (6 Bde., Lpz. 1872—73); De Leva, Storia documentata di Carlo V. in correlazione all' Italiaz (Padua 1873); Druffel, Briefe und Akten zur Geschichte des 16. Jahrh.» (2 Bde., Münch. 1873—82); derselbe, Kaiser K. V. und die röm. Kurie 1544—465 (Bd. 1—3, Münch. 1877—83); Höfler, Karl I. (V.), Königs von Aragon und Castilien Wahl zum röm. König. 28. Juli 1519 (Wien 1874); derselbe, Kaiser K.s (V.) erstes Auftreten in Spanienp (Wien 1874); Grammont (de), Relation de l'expédition de Charles Quint contre Alger, par Nicolas Durand de Villegaignono (Par. 1874); Ritter, Der Augsburger Religionsfrieden» (Histor. Taschenbuche, VI. Folge, Bd. 1).