FeedKarl IX.
GeschichteBrockhaus 1882

Karl IX., König von Frankreich, 1560 — 74, zweiter Sohn Heinrichs II. (s. d.) und der Katharina von Medici (s. d.), geb. 27. Juni 1550 zu St.⸗Germain-en-Laye, erhielt den Titel eines Herzogs von Orleans und bestieg als Nachfolger seines Bruders Franz II. (s. d.) den Thron 5. Dez. 1560. Um die Guisen (s. d.) fernzuhalten, riß seine Mutter die Regierung an sich und ließ den schwachen König Anton von Navarra zum Generalstatthalter des Reichs ernennen. Nach Erlaß des Edikts von Amboise, das den ersten Bürgerkrieg beilegte und den Hugenotten Religionsfreiheit gewährte, wurde der junge König 1563 mündig erklärt. Seine Mutter hielt ihn jedoch von den Geschäften fern und suchte ihn durch Ausschweifungen zu zerstreuen, sodaß K. zu den Handlungen der Regierung in den ersten acht Jahren der Hugenottenkriege wenig mehr als den Namen hergab. Erst seit dem Pacifikationsedikt von St.⸗Germain-en-Laye schien er eine selbständigere Haltung annehmen zu wollen, und zwar war es der Hugenottenführer Coligny, der K. auf große auswärtige Unternehmungen zu lenken suchte. Jedoch gelang es Katharina von Medici, hinter der die Guisen standen, ihren Sohn wieder auf ihre Seite zu ziehen. Bei dem Attentat auf Coligny am 22. Aug. 1572 war K. noch unbeteiligt; er stattete dem Verwundeten einen teilnehmenden Besuch ab. Dann aber verstand er sich doch dazu, die sabt Pol der Bartholomäusnacht gutzuheißen. Er selbst soll aus dem Fenster des Louvre auf die Fliehenden Heesser haben. K. starb schon 30. Mai 1574. Vgl. Desjardins, Charles IX. 1570—72 (Douay 1874); Merimée, «Chronique du règne de Charles IXy (Par. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 116Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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