Karl XV., König von Schweden und Norwegen, 1859 — 72, ältester Sohn des Königs Oskar I. (s. d.) und Enkel Karls XIV. Johann (Bernadottes), geb. zu Stockholm 3. Mai 1826, führte anfangs den Titel eines Herzogs von Schonen und succedierte seinem Vater 8. Juli 1859, nachdem er die letzten beiden Jahre während der Krankheit seines Vaters die Regierung geführt hatte. Am 19. Juni 1850 vermählte er sich mit der niederländ. Deanin) Luise von Oranien. K. war eine reichbegabte Natur und hat sich als Schriftsteller bekannt gemacht. Seine Gedichte sind auch in deutscher übersetzung (Dichtungen von C. Aus dem Schwedischen von A. von Winterfelde, Berl. 1866) erschienen. Auch als Maler war er nicht ohne Talent. In polit. Hinsicht war er ein eifriger Anhänger der skandinavistischen Ideen, gewährte den Dänen in ihrem Streite mit Deutschland den eifrigsten Beistand der schwed. Diplomatie, protestierte in dem Deutsch-Dänischen Kriege von 1864 zunächst gegen die Occupation Schleswigs und begann darauf Rüstungen zu Wasser und zu Lande. In Schweden zeigte sich indes wenig Kriegslust und noch weniger in Norwegen. Da auch die Westmächte neutral blieben, so folgte der König deren Beispiel. K.s Regierungszeit war für die beiden vereinigten Königreiche eine Periode von lebhafter Entwickelung. Das wichtigste Ereignis war die auf Initiative der Regierung in der Session des schwed. Reichstags 1865—66 durchgesetzte Reform der schwed. Repräsentation. (S. Schweden.) In den letzten Aachen, kränklich, ging er im Sommer 1872 nach Aachen, starb aber auf seiner Rückreise 18. Sept. 1872 zu Malmö. Da K. keinen männlichen Erben, sondern nur eine Tochter, die 31. Ott. 1851 geborene Prinzessin Luise Josephine Eugenie (vermählt mit dem Kronprinzen Friedrich von Dänemark), hinterließ, so folgte ihm sein Bruder als Oskar II. (s. d.). Bgl. Morin, «König, Dichter und Maler⸗ Gui. 1875⁵).