FeedKarl Theodor
GeschichteBrockhaus 1882

Karl Theodor, Kurfürst von Pfalzbayern, geb. 10. Dez. 1724, der erstgeborene Sohn des Pfalzgrafen Joh. Christian Joseph von Sulzbach, folgte diesem, als derselbe 20. Juli 1733 starb, unter der Vormundschaft seines Vetters, des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz. Im Juli 1741 übernahm er die Verwaltung Sulzbachs, 1742 vermählte er sich mit Marie Elisabeth Auguste, der hinterlassenen Tochter des Erbprinzen Joseph Karl Emanuel von Sulzbach, und erhielt 21. Dez. 1742 infolge des Ablebens seines Vetters die Pfalz mit der Kurwürde, Jülich und Berg und das Reichs-Erzschatzmeisteramt. Im J. 1744 schloß er sich Kaiser Karl VII. und Preußen gegen Osterreich an, im Siebenjährigen Kriege aber kämpfte sein Kontingent in der Reichsarmee gegen Friedrich d. Gr. Gelehrte Gesellschaften, wie die Academia Theodora-Palatina (1763), musikalische Anstalten, das Theater zu Mannheim, für das Dalberg, Iffland, Schiller wirkten, verbreiteten seinen Namen als eines Mäcen, während die Landesuniversität Heidelberg unter einem jesuitischen Lehrkörper stagnierte. Als der Kurfürst Maximilian Joseph III. (f. d.) von Bayern 30. Dez. 1777 starb, nahm K., als dessen nächster Erbe, auch Besitz von Bayern. Ssterreich machte damals Ansprüche auf Niederbayern, und K. willigte in die Abtretung. Allein der vom Herzog Karl II. von Pfalz-Zweibrücken, als nächstem Agnaten, erhobene Widerspruch, sowie König Friedrichs II. von Preußen bewaffnete Dazwischenkunft (. Bayrischer Erbfolgekrieg) bewirkten im Frieden zu Teschen von 1779, daß Osterreich mit dem Innviertel sich begnügte. Der 1785 von Kaiser Joseph II. geplante Austausch Bayerns gegen Belgien, wozu K. sich bereit zeigte, wurde durch die Stiftung des Fürstenbundes vereitelt. Genußsüchtig und verschwenderisch, umgeben von Übermütigen Maitressen, beraten von einem fanatischen Beichtvater, dem Priester Frank, bedrückte er das Volk durch Steuern, seine prot. Unterthanen durch jesuitische Unduldsamkeit und verlor die Zuneigung der Bayern bald ganz, sodaß er 1788 seine Residenz von München wieder nach Mannheim verlegte. Als seine Gemahlin 1794 verstorben, vermählte er sich mit Marie Leopoldine, der Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Osterreich. Im Revolutionskriege war er lässig und liebäugelte sogar mit Frankreich, dem das feste Mannheim ohne Schwertstreich übergeben wurde. Beim Vordringen der Franzosen eilte er 1796 nach Sachsen, bis er infolge der glücklichen Operationen des Erzherzogs Karl wieder in sein verwüstetes Land zurückkehren konnte. Vom Schlage getroffen, verschied er 16. Febr. 1799. Bayern fiel mit seinem Tode an den Herzog von Pfalz-Zweibrücken, nachherigen König Marximilian I. (s. d.) von Bayern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 130Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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