Karl August, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Sohn des Herzogs Ernst August Konstantin und dessen Gemahlin Anna Amalia, einer Tochter des Herzogs Karl von Braunschweig, geb. 3. Sept. 1757, verlor schon 28. Mai 1758 seinen Vater. Während seiner Minderfährigkeit führte seine Mutter Anna Amalia (s.d.) die Obervormundschaft und Landesverwaltung. Für K. sowie für ihren nachgeborenen Sohn Friedrich Ferdinand Konstantin wählte sie die trefflichsten Erzieher. Beider Gouverneur war, auf Friedrichs d. Gr. Empfehlung, 1761 — 75 der nachmalige preuß. Staatsminister Graf von Görtz, Lehrer der Prinzen waren Seidler und Heermann, dann seit 1772 Wieland, dessen nicht lange vorher erschienener «Goldener Spiegelo auf die Herzogin tiefen Eindruck gemacht hatte, und für die eigentlichen Regentengeschäfte der nachherige Geheimrat und Kanzler Schmid. Dez. 1774 führten der Graf von Görtz und von Knebel, welch letzterer kurz vorher Gouverneur des Prinzen Konstantin geworden war, ihre Zöglinge nach Paris und in die Schweiz. Auf der Reise lernten die Prinzen Goethe kennen. Ein 17 jähriger Fürst und ein nd desten Dichter schlossen einen Freundschaftsbund, dessen 50jährige Dauer 1825 mit allgemeiner Teilnahme gefeiert wurde. „An seinem 18. Geburtstage, 3. Dez. 1775, wurde ihm von der Mutter die Regierung übergehen, worauf er sich 3. Okt. mit der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt (geb. 30. Jan. 1757, gest. 14. Febr. 1830) vermählte. Am 29. Aug. 1785 unterzeichnete K. den Beitritt zum deutschen Amteit halte⸗ an dessen Gründung er wesentlichen Anteil hatte. Im J. 1787 trat er in preuß. Kriegsdienste, machte 1792 und 1793 den Feldzug am Rhein als Generalmajor mit und wurde 1797 Generallieutenant. Nach der Schlacht bei Jena mußte er sich von Preußen lossagen und sich im Dez. 1806 dem Rheinbunde anschließen. Im Okt. 1808 empfing er in Weimar den rmißt, sind unter C aufzusuchen. Besuch Napoleons und des Kaisers Alexander von Erfurt aus. Im Nov. 1813 schloß er sich dem Bunde gegen Napoleon an. Im J. 1814 wurde er vom Kaiser Alexander zum russ. General ernannt und führte ein Heer von 25000 Mann Sachsen, Hessen, Russen nach den Niederlanden. Später ging er nach Paris, London und Wien, wo der Kongreß sein Land vergrößerte und zum Großherzogtum erhob. Auch an dem Feldzuge von 1815 nahm er teil. Nach dem Frieden verwendete er die erhaltene Entschädigung, ungefähr 800000 Thlr., dazu, seinem Lande wieder aufzuhelfen, dessen Rechtspflege er gründlich verbesserte. Auch war er der erste deutsche Fürst, welcher 5. Mai 1816 die den deutschen Landen 1815 nersprochene landständische Verfassung in seinem Lande einführte. Er beschützte die Preßfreiheit, bis die Wartburgsfeier und das Oppositionsblatto Beschränkungen veranlaßten. Sein Regierungsjubiläum 1825 war ein Volksfest. Auf der Rückreise von Berlin nach Weimar starb er plötzlich 14. Juni 1828 in Graditz bei Torgau an einem Schlagflusse. K. war ein ausgezeichneter, um sein Land hochverdienter Regent. Alle Zweige der Landesverwaltung wurden während seiner Regierung neu geordnet und viele Mißbräuche abgeschafft. Ein Kenner und Freund von Kunst und Wissenschaft, machte er seine Residenz zu einem Sitze derselben und war, gleich den Ministern Goethe und Voigt, ein unermüdlicher und eifriger Beschützer und Pfleger der Universität zu Jena. Der schöne Park zu Weimar, das Residenzschloß, nachdem das alte 1774 abgebrannt, der botanische Garten zu Belvedere, die neuerbaute Bürgerschule u. s. w. verdanken ihm ihre Entstehung. Ihm folgte sein Sohn Karl Friedrich (f. d.). Am 3. Sept. 1875 wurde das Karl-August-Denkmal, eine von A. Donndorf verfertigte Reiterstatue, zu Weimar enthüllt. Vgl. Schöll, «Karl-August-Büchlein »(Weim. 1857); 4Briefwechsel des Großherzogs K. A. mit Goethe » (2. Ausg., 2 Bde., Wien 1873); „Briefe des Herzogs K. A. an Knebel und Herder, herausg. von Düntzer» (Lpz. 1883); Karl Freiherr von Beaulieu-Marconnay, Anna Amalia, K. A. und der Minister von Fritscho (Weim. 1874); von Ranke, „Die deutschen Mächte und der Fürstenbund v Bde., Lpz. 1872).