FeedKarl Eugen
GeschichteBrockhaus 1882

Karl Eugen, Herzog von Württemberg,‚, 1737 —93, geb. 11. Febr. 1728, folgte bereits 1737 seinem Bater Karl Alexander unter Vormundschaft der Herzöge Karl Rudolf und Friedrich Karl, wurde von letzterm nach Berlin geschickt, um sich unter Friedrich d. Gr. in der Staats⸗ und Kriegskunst auszubilden, und übernahm, im 16. Lebensjahre durch ein kaiserl. Dekret für volljährig erklärt, 1744 die Regierung. Er war ein Fürst von großen Geistesanlagen, hatte aber, wenigstens während der ersten Zeit seiner Regierung, fast nur Sinn für Prachtentfaltung und Vergnügungen. Die Summen, welche er fur Theater, Bälle, Jagden, kostbare Reisen und an seine Maitressen verschwendete, überstiegen bei weitem die Kräfte Württembergs. Um Hilfsquellen sich zu eröffnen, wurde ein schändlicher Diensthandel getrieben. Beim Ausbruche des Siebenjährigen Kriegs trat er auf die Seite Osterreichs und ruckte mit einem Heere von 12000 Mann in Sachsen ein. Die alten beschworenen Verträge zwischen Fürst und Volk wurden wenig beachtet. Seine schlimmsten Ratgeber waren Graf von Montmartin und Oberst Rieger. Die Verfolgung des wackern J. J. Moser und des Dichters Schubart zeugt von seinem despotischen Wesen. Die Landstände suchten nach dem Kriege bei Kaiser und Reich Schutz und Hilfe und wandten sich insbesondere an die prot. Mächte; aber erst 1770 brachte die Vermittelung des preuß. Hofs den sog. Erbvergleich zwischen dem Herzog und den Ständen zu Stande. Wenn auch nicht alle Zusagen auf einmal erfüllt wurden, so war doch der frühern Willkürherrschaft ein Ende gemacht. Die Erbauung der prächtigen Lustschlösser Solitude und Hohenheim, die Verschönerung von Ludwigsburg und Stuttgart und andere Bauunternehmungen gaben dem Kunsttalent und der Thätigkeit Beschäftigung und Nahrung. Aus der Militärakademie (Karlsschule, s. d.) zu Stuttgart gingen ausgezeichnete Gelehrte, Dichter und Künstler hervor. Die letzten Jahre seines Lebens verlebte der Herzog auf dem Lustschlosse Hohenheim, wo er 24. Okt. 1793 starb. Ihm folgten in der Regierung seine Brüder Ludwig Eugen, gest. 1795, und Friedrich Eugen, gest. 1797. Einen sehr wohlthätigen Einfluß übte auf den Herzog K. seine Gemahlin Franziska Theresia, Reichsgräfin von Hohenheim (s. d.). Vgl. Vely, «Herzog K. E. von Württemberg und Franziska von Hohenheime (3. Aufl., Stuttg. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 132Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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