FeedKarl VII. (Karl Albrecht)
GeschichteBrockhaus 1882

Karl VII. (Karl Albrecht), deutscher Kaiser, 1742—45, geb. zu Brüssel 6. Aug. 1697, der Sohn Maximilian Emanuels, Kurfürsten von Bayern, damaligen Statthalters der span. Niederlande, war nach der Eroberung der bayr. Lande 1704 durch Kaiser Joseph J. als kaiserl. Gefangener zuerst in Klagenfurt, dann in Graz erzogen worden. Nach seiner Befreiung durch den Rastatter Frieden (1714½%) machte er Reisen durch Frankreich und Italien, führte 1717 eine bayr. Division in den Türkenkrieg nach Ungarn, wo er sich bei der Eroberung Belgrads auszeichnete, und vermählte sich 1722 mit der jüngern Tochter des verstorbenen Kaisers Joseph I. Nachdem er 1726 seinem Vater als Kurfürst von Bayern in der Regierung gefolgt, erhob er 1731 Protest gegen die Pragmatische Sanktion, welche er doch bei seiner Heirat gewährleistet hatte. Der Tod des Kaisers (20. Okt. 1740) bewog ihn, mit seinen Ansprüchen von neuem hervorzutreten. Gestützt auf die Parallelaktion Friedrichs d. Gr., der in Schlesien einbrach, und auf Frankreich, mit dem er Juli 1741 ein Bündnis schloß (der sog. Nymphenburger Vertrag vom 18. Mai 1741 ist jedoch eine Fälschung seiner Gegner), rückte er mit einem franz. bayr. Heere, in Oberösterreich ein, nahm Linz ohne Schwertstreich und legte sich den Titel eines Erz-Karl III. (König von Frankreich) herzogs von Ssterreich bei, wendete sich dann von den Franzosen gegen seinen Willen bewogen nach Böhmen, eroberte 25. Nov. 1741 durch einen nächtlichen Überfall Prag und ließ sich von den Ständen des Reichs 29. Dez. als König von Böhmen huldigen. Am 24. Jan. 1742 zum röm. Kaiser gewählt, eilte er nach Frankfurt a. M., um sich 12. Febr. krönen zu lassen. Währenddessen erhoben sich jedoch die Ungarn zur Verteidigung ihrer Königin, eroberten Oberösterreich wieder, drangen weiter in Bayern vor und besetzten München. Auch Böhmen wurde wiedergewonnen, und K. mußte nach Frankfurt fliehen. Der bayr. General Seckendorf vertrieb endlich die österr. und ungar. Scharen aus Bayern und K. konnte wenigstens 19. April 1743 nach München zurückkehren. Bald aber drangen die Österreicher mit verstärkter Macht abermals in Bayern ein, sodaß K. im Juni desselben Jahres seine Hauptstadt wieder verlassen mußte. Als endlich auch seine Verbündeten, die Franzosen, von Georg II., dem Verbündeten der Maria Theresia, bei Dettingen 27. Juni 1743 geschlagen und über den Rhein gedrängt worden waren, rettete ihn nur das neue Bündnis, das er zu Frankfurt 22. Mai 1744 mit Friedrich II. schloß, der nun in Böhmen einfiel. Zwar vertrieb der General Seckendorf die Osterreicher noch einmal aus Bayern, sodaß K. in seine Residenz wieder einziehen konnte; doch von Kummer und Krankheit erschöpft, starb er hier 20. Jan. 1745. Sein Nachfolger als Kaiser war Franz I. (s. d.). Sein Tagebuch während des Osterreichischen Erbfolgekriegs gab Heigel (Münch. 1883) heraus. Vgl. Heigel, «Der österr. Erbfolgestreit und die Kaiserwahl K.s VII.» (Nördl. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 112Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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