FeedKarlsbad
VerkehrBrockhaus 1882

Karlsbad, Badeanstalt bei Mergentheim (s.d.). Karlsbad oder Kaiser-Karlsbad, Stadt im böhm. Bezirk gleichen Namens, einer der berühmtesten Kurorte Europas, liegt sehr romantisch in dem engen, von hohen, schön bewaldeten Bergen umschlossenen Teplthale, 379 müüber der Meeresfläche, an der Linie Prag⸗-Eger der Buschtiehrader Eisenbahn. K. hat (1880) 10579 E., die teils durch die Fabrikation von Tischlerwaren, Stahlarbeiten, Nadeln und andern besonders von Badegästen viel gelauften Gegenständen, teils durch die Dienste, welche sie den Badegästen unmittelbar leisten, ihren Unterhalt finden. Der Sage nach soll Kaiser Karl IV. auf einer Jagd 1347, nach andern 1358, durch einen Hund, welcher, einen Hirsch verfolgend, in die heißen Quellen geriet, diese entdeckt haben; doch steht fest, daß schon lange vorher die Quellen ihrer Heilkraft wegen benutzt wurden. Die älteste authentische Urkunde über K. ist ein vom König Johann 1325 ausgestellter Lehnbrief, vermittelst dessen K. mit dem größten Teile seines gegenwärtigen Grundbesitzes belehnt wurde. Wahrscheinlich legte Kaiser Karl IV. den Grund zur künftigen Bedeutung des Ortes, indem er die Quellen mit roßem Nutzen selbst gebrauchte, ein Jagdschloß da30 errichtete und w1370 den Flecken mit bedeutenen Vorrechten begabte. K. ist freundlich gebaut und besitzt verschiedene zum Vergnügen und zur Bequemlichkeit der Kurgäste bestimmte öffentliche Gebäude, darunter das trefflich ausgestattete, 1865 vollendete neue Kurhaus, sowie über 900 schön und ut eingerichtete Privathäuser zur Aufnahme der emden, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr mehrt und 1884 28800 betrug. Die anmutige Gebirgsnatur in den Umgebungen Kes ist durch eine Menge künstlicher Anlagen zugänglich gemacht. Zu den besuchtesten Fußpartien gehören die Berghöhen des Hirschensprungs, des Dreikreuzbergs, der Franz-Josephs-Höhe, des Abergs, der König-Ottos-Höhe mit reizender Aussicht auf das Er Raped und das Egerthal, das Panoramay in der Nähe der Stadt; ferner die Spaziergänge in der Ebene nach den Kaffeerestaurationen: Sanssouei, Schweizerhof, Schönbrunn, Posthof, Freundschaftssaal und dem Kaiserpark; die weitern Wege nach Pirkenhammer und dessen Porzellanfabrik, nach Dallwitz mit seinen uralten von Theodor Körner besungenen Eichen. Auf der Goethewiese bei der Stadt steht das 5. Juli 1883 enthüllte Denkmal Goethes von Donndorf. Zwei Theater, das Stadt⸗ und das Sommertheater, das Brunnenorchester unter Leitung des Tanzkomponisten Labitzky, ein Lesekabinett, zwei Leihbibliotheken, drei Buchhandlungen, zahlreiche Warenmagazine verleihen dem Kurorte einen großstädtischen Anstrich. Von den zahlreichen Mineralquellen wird der kalte Säuerling hinter der Dorotheenau nur zur Erfrischung getrunken und zu Bädern verwendet. Die warmen Quellen, deren Temperatur zwischen 59 und 24 R. variiert, brechen sämtlich aus Granit hervor. Die älteste und bekannteste wie auch ergiebigste Quelle, die bis zum 16. Jahrh. allein an-Lefut wurde, ist der Sprudel von 59 R. Dieser iefert, fast mannsdick Um hoch aufwallend und ausströmend, aus sechs Mündungen in der Minute über 2200 J. Aus den Ablagerungen seines Wassers bildet sich die Sprudelschale, ein kalkartiges Sediment, das im Laufe der Zeit sich zum festen Stein, dem Sprudelstein, erhärtet, der geschliffen und poliert zu allerlei niedlichen Arbeiten verwendet wird. Außer dem Sprudel wird noch an 16 andern Quellen getrunken. Die beliebtesten darunter sind: die Kaiser-Karls-Quelle (34), der Marktbrunnen (35), der Mühlbrunnen (405), die Felsenquelle (47), der Schloßbrunnen (41²), der Das Wasser des Sprudels und der Hygieaquelle wird vorzugsweise zu den Bädern von vier großen öffentlichen Badeanstalten benutzt. Seit 1843 kommen auch die Wässer sämtlicher Quellen zur Versendung (in der letzten Zeit jährlich gegen 2 Mill. Flaschen). Die warmen Quellen K.s gehören sämtbal in die Klasse der heißen alkalischen Glaubersalzquellen, sind in Hinsicht ihrer chem. Bestandteile einander gleich und üben eine fast gleiche, nur durch die Verschiedenheiten der Temperatur modisizierte Wirkung auf den Organismus. Sie wirken mißt, sind unter C aufzusuchen. hauptsächlich auflösend in den Verdauungswerkzeugen, reizend in den Organen der Aufsaugung, umändernd und verflüssigend in den Säften überhaupt, besonders aber im uropoétischen System. Die Quellen gehören zu den kräftigsten und durchdringendsten, die man kennt, und können bei zweckmäßigem Gebrauche mit größtem Erfolge gebraucht werden; und zwar ganz vorzugsweise in allen jenen zahlreichen Krantheitszuständen, welche aus allzu reicher üppiger Ernährung bei ungenügendem Stoffwechsel entstehen. Von hesonderer Wirksamkeit erweisen sie sich bei chronischen Magen⸗- und Darmkrankheiten, bei Leberleiden, insbesondere Gelbsucht und Gallensteinkolik, bei Gicht, Fettleibigkeit, sowie bei Nierensteinen und Zuckerharnruhr. Die karlsbader Mineralquellen werden als Getränk (4-6, höchstens 8 Becher täglich), als Bad, nach gehöriger Abkühlung zu 28—25 R., als Douchebäder und zu Einspritzungen benutzt. Auch Moorbäder und örtliche Moorumschläge kann man in K. nehmen. Die Eisenquelle außerhalb der Stadt, erst 1853 aufgedeckt und mit einem Badehaus versehen, enthält als Hauptbestandteile phosphorsaures und kohlensaures Eisenoxydul. Diese Quelle kommt innerlich und äußerlich zur Verwendung, ist aber wenig im Gebrauche. Besondere Erwähnung verdient noch das Karlsbader Salz oder Sprudelsalz (Sal Caroliniense), welches durch Abdampfen und Krystallisieren des Mineralwassers gewonnen wird und zum größten Teil aus schwefelsaurem Natron besteht. Man benutzt dasselbe teils an Ort und Stelle, mit dem Mineralwasser vermischt, zur Verstärkung der Wirkung desselben, teils wird es versendet. Außerdem kommen auch Sprudelpastillen (gegen übermäßige Säurebildung im Magen), sowie Sprudelseife (gegen Hautausschläge und als Zusatz zu Bädern) in den Handel. Vgl. Löw, «Chronik von K. (Karlsb. 1874); Hlawacek, K. in geschichtlicher, mediz. und topogr. Beziehunge (14. Aufl., Karlsb. 1884); derselbe, „Wegweiser zu den Heilquellen von K. (6. Aufl., Karlsb. 1884); Kraus, «Ratgeber beim Kurgebrauch in K.v (9. Aufl., Karlsb. 1883); Sorger, «aüber die wichtigsten Punkte der Diätetik während einer karlsbader Kurp (9. Aufl., Karlsb. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 136Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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