FeedMergentheim
ErdkundeBrockhaus 1882

Mergentheim, ursprünglich Marienthal genannt, Stadt und Hauptort eines Oberamts im württemb. Jagsttreise, an der Einmündung des Wachbachs in die Tauber, im weinreichen Taubergrunde gelegen, Station der Linien Goldshöfe-M. der Württembergischen und Lauda-M. der Badischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Oberamts und eines Amtsgerichts, hat eine Latein- und Realschule, einige Kirchen aus dem 13. bis 15. Jahrh., eine Synagoge, ein reichdotiertes Pfründenyospital vom J. 1340, zwei Krankenanstalten, zwei aufgehobene Klöster, zwei Armenhäuser und ein großartiges, schönes Schloß, welches seit 1868 zu einer Kaserne eingerichtet ist. M. zählt (1880) 4445 meist kath. E., welche neben Landwirtschaft und vortrefflichem Weinbau Gerberei, Bierbrauerei, Fabrikation von Messerschmiede- und Drechslerarbeiten betreiben. Die nahegelegene Brunnen⸗ und Badeanstalt Karlsbad (Bittersalzquelle) ist seit 1853 größtenteils neu erbaut und besteht aus drei großen Gebäuden mit mehr als 100 freundlich eingerichteten Zimmern, mehrern Sälen u. s. w. (Vgl. Höring, Das Karlsbad bei M.v, Mergenth. 1873). M. mit seinen Umgebungen (550 qm mit 32 000 E.) war sonst die bedeutendste der elf Balleien des Deutschen Ordens und 1527 — 1809 der Sitz der Hochmeister. Am 25. Dez. 1631 wurde der Ort nebst Gebiet von den Schweden besetzt. General Horn behielt die Stadt für sich und führte die evang. Lehre ein, aber nach der Schlacht bei Nördlingen (1634) fielen sämtliche Güter wieder an den Orden, der den kath. Ritus wiederherstellte. In der Nähe von M. wurden 5. Mai 1645 die Franzosen unter Turenne von den Kaiserlichen unter Mercy geschlagen. Im Kriege gegen Ssterreich wurden M. und der Rest des Deutschmeistertums von Württemberg besetzt, und der Wiener Friede bestätigte diesen Besitz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 633Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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