Karnatik, eigentlich Karnätaka oder Karnata, d. h. Schwarzes Land, war der alte Name für einen Teil im Süden der vorderind. Halbinsel, über dessen genauere geogr. Grenzen eine Verschiedenheit der Meinung besteht. Wahrscheinlich um-Dannn K. das ganze Gebiet des dravidischen oder ekhanischen Sprachstamms und somit die ganze zwischen 8 und 16 nördl. Br. gelegene, sich von dem Flusse Kistna bis zum Kap Comorin und von der Koromandelküste bis zu den westl. Ghats erstreckende Ländermasse. Hier legten Pandscha und Tajaman Nale, zwei ni . der arischen Hindu aus Ajodhja (Oude), nach Unterwerfung der Ein⸗ — Artikel, die man unter K vern geborenen den Grund zu den Reichen Pandscha und Tschola an der Ostküste. Die neuen Ansiedler scheinen vorzüglich den Siva verehrt zu haben. In der Gegend eines verfallenden Sivatempels wurde die Hauptstadt Mathura (Madura) erbaut und die äußerste Südspitze der Halbinsel (Comorin) nach einem Zunamen der Durga, Gemahlin von Siva, Kumäri, d. h. Jungfrau, genannt. Der Name des mächtigen Reichs Pandscha wurde durch Vermittelung der Kauffahrer im fernsten Westen bekannt. Schon die Alten kannten Modura und Comaria im Reiche Pandion, aus welchem zur Zeit des Augustus Gesandte Geschenke ihres Fürsten nach Rom brachten. Der Glanz des Reichs erblich zu Anfang des 10. Jahrh. n. Chr. Die Tscholafürsten unterwarfen sich viele Länder der Halbinsel. Aber gegen die Mitte des 11. Jahrh. verloren sie die Herrschaft an die Belala, eine mächtige Familie aus dem Stamme der Radschputen, die ein großes Reich stiftete. Zur Zeit, als die Mohammedaner auch in den Dekhan einbrachen, erstreckte sich das Reich der Belala über Karnata und Malabar, das ganze Tamilland und einen großen Teil von Telingana. Die 15 km im Umfang messenden Trümmer ihrer Hauptstadt Bisnagar oder Bidschanagar, eigentlich Widschajanagara, d. h. Stadt des Siegs, 45 km im NW. von Bellary (s. d.), am Tumbudra gelegen, 1336 erbaut, zeugen noch jetzt von dem Glanz dieses Hindustaats. In der Mitte des 16. Jahrh. wurde das Reich Bisnagar von den mohammed. Sultanen der Nachbarstaaten Golkonda und Bidschapur (Visapur) erobert und geteilt. Der westl. Teil von Bisnagar und Mysore kam an Bidschapur, der östliche oder K. an Golkonda. Der erstere Teil siel 1685 und 1687 ganz Golkonda und K. unter Aureng-Zeyb an das Reich von Delhi. Gegen das J. 1717 stand ein Statthalter des Großmoguls, gewöhnlich nur unter seinem Titel Nisam-al-Mult (Stütze des Fürsten) bekannt, gegen das Reich Delhi auf und errichtete im Dekhan eine besondere Herrschaft. K. mit der Hauptstadt Arkadu erhielt (1743) einer seiner Kriegsgenossen als ensl Dieser Lehnsfürst des Nisam suchte nun ebenfalls seine Unabhängigkeit zu erringen. Es entstanden wiederholte Kriege, in welche sich bald die benachbarten europ. Nationen, die Engländer von Madras aus und die Franzosen von Pondichery, einmischten. Die Familie der Nabobs von K. oder Arkadu, wie man sie auch nach der Residenz nannte, wurde endlich auf Befehl des brit. Oberstatthalters Marquis von Wellesle lben aller ihrer Länder entsetzt. Der letzte derselben starb 1855. Jene Hauptstadt Arkadu, 120 km im WSW. von Madras, an der nach Ber pur führenden Eisenbahn, in gesunder Gegend rechts am Palar gelegen, zählt 10988 E. Die Stadt spielte eine wichtige Rolle in den Kämpfen zwischen den Engländern und Franzosen um den Besitz von Indien, wobei K. überhaupt das Kriegstheater war. Gegenwärtig versteht man unter K. die ganze östl. Hälfte der Präsidentschaft Madras von Kap Comorin nordwärts bis zu dem untern Laufe des Kistna, oder die brit. Distrikte Tiruneluwali, Madura, Tirutschinapalli, Tanjore, Nord- und Süd-Arkadu, Tschengalpattu, das Stadtgebiet Madras und Nelluru, zusammen etwa 116 800km mit 13600000 E., wozu noch das Vasallenfürstenbom n mit 3574 qkm und 316 695 E. ommt.