Kaschira, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tula, am rechten Ufer der Oka, mit (1882) 3873 E., ist ein Stapelplatz fur Bauholz, Salz und Getreide; dagegen ist die große Tuchfabrit in neuerer Zeit eingegangen. aschmir, ein unter der Oberherrlichkeit der Briten von dem Maharadscha von K. regierter Staat Ostindiens, welcher, den nordwestlichsten Teil des Himalaja einnehmend, sich zu beiden Seiten des obern Indus von 32½¼ bis 36 nördl. Br., d. h. bis zu der Kette des Karakorum erstreckt, durch letztere von Ostturkestan getrennt ist, im O. von Tibet, im S. von der brit.⸗ind. Provinz Pendschab, im W. von letzterm und den Landschaften Dardistan und Kohistan begrenzt wird und bei 570 km Länge und 450 Em Breite ein Areal von 178 558 a½m mit 1534972 C. umfaßt. K. ist aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt, nämlich aus Dschamu, dem südlichsten, dem Stammlande der jetzigen Dynastie von K., mit der gleichnamigen Hauptstadt, aus dem eigentlichen K., aus Ladak (s. d.), nßt, sind unter C aufzusuchen. 11* Baltistan (s. d.) und Gilgit im äußersten Nordwesten. Die Provinz Kaschmir, 22505 glkm mit 491 846 E., ist eine der herrlichsten Alpenlandschaften des Himalaja. Ihr centraler Hauptbestandteil ist das berühmte opale Kaschmirthal von 150km Länge und 15—60 Em Breite, dessen Boden eine mittlere Höhe von 1524 müber dem Meeresspiegel hat und rings von mächtigen Gebirgsketten umgeben ist, von denen die Pir-Pandschal genannte, an der Grenze zwischen K. und dem Pendschab, selbst mit ihrer höchsten Spitze von 4439 m noch nicht die Schneegrenze erreicht, während dagegen die ihr gegenüberliegende Kette eine Reihe mächtiger Schneegipfel trägt. Der Induszufluß Dschelam oder Behat, der Hydaspes (s. d.) der Alten, durchströmt, zahlreiche Seitenflüsse aufnehmend, das Hochthal in nordwestl. Richtung, bilder in 2465 m Höhe den größten unter den schönen Seen des Landes, den 15 km langen und ebenso breiten Wularsee lengl. Vullar) am Fuße des hohen Haramuk, wendet sich dann gegen W. und tritt bei Musaferabad in 634 m Höhe durch den Barramallapaß aus dem Thale heraus. Den Lauf des Stroms begleitet die einzige Straße nach K. Außerdem gibt es etwa ein Dutzend Alpenpässe, von denen der höchste 3807, der im Sommer besuchteste über die Pir-Pandschalkette 3259 m hoch ist. Das Kesselthal von K. erinnert an einen ungeheuern Krater. Im J. 1828 fanden daselbst zwei Monate lang täglich Erdbeben statt. Auch waren dieselben in frühern Jahrhunderten häufig. Schwefelquellen sind zahlreich. Nach den neuern geolog. Untersuchungen war das Alpenthal ursprünglich ein Seebecken. Wegen seines milden Klimas, seiner üppigen Vege⸗⸗ tation, seiner köstlichen Früchte, seines fruchtbaren Bodens und guten Anbaues ist K. WieOrte einer der schönsten Erdstriche, und nennen die Orientalen denselben mit Recht das Paradies von Indien und den Garten des ewigen Frühlings. Früher wurde auch hin und wieder das Paradies der Bibel nach K. versetzt. Die Bewohner von K. sind die schönsten Hindu, scharfsinnig, heiter und witzig, aber auch voll Lug und Trug, selbstsüchtig, ausschweifend. Ihre Frauen werden für die Harems in Hindostan sehr gesucht. Sie sprechen einen stark mit Persisch untermischten Sanskritdialekt, der mit den Devanagarizeichen geschrieben wird. Man treibt Ackerbau, Schaf⸗, Ziegen⸗ und Rinderzucht mit Alpenwirtschaft auf den überaus fetten Weiden. Der Butterertrag ist so beträchtlich, daß große Mengen geschmolzener Butter (Ghi) ausgeführt werden. Die age von Kaschmir. Industrie K.s ist vorzüglich berühmt durch die Verfertigung der vorzüglichen Kaschmirshawls (s. Shawl), teils aus den Haaren der feinhaarigen Kaschmirziegen, teils aus dem Unterhaar der wilden Ziegen Tibets. Außerdem fertigt man ausgezeichnete Waffen, Leder zu Sattlerarbeiten, Papier und Rosenöl. In ältester Zeit wohnten hier die Kaspirer, und das Land hieß indisch Kasjapapura (grch. Kaspapyros), oder (nach Burnouf) Kasjapa-mira, d. h. See des Kaspaja. Die Abgeschlossenheit des Hochthals K. begünstigte seine polit. Selbständigkeit, die erst 1341 verloren ging, als infolge innerer Unruhen, welche namentlich auch durch den seit 1315 von Schems-ed-⸗-din eingeführten Islam genährt wurden, die letzte eingeborene Herrscherin ihr Königreich verlor und sich selbst den Tod gab. Ihr folgte eine Reihe mohammed. Hindufürsten, bis ißt, sind unter E auszusuchen. das Land 1586 durch den Großmogul Akbar dem Reiche von Delhi einverleibt wurde. Nach dem Verfall dieses Reichs geriet K. 1752 in die Hände der Afghanen. Diesen wurde es 1819 von Randschit-Singh, dem Maharadscha von Lahore, entrissen und mit dem Reiche der Sikhs vereinigt. Nach dem Tode Randschit-Singhs (1839) strebte K. beständig danach, sich von Lahore loszureißen. Nachdem der Maharadscha Dhalip-Singh von den Engländern besiegt war, überließen dieselben im Runar zu Amritsar, 16. März 1846, dem zum Maharadscha erhobenen Fürsten von Dschamu, Gholab-Singh, alles zwischen dem Rawi und Indus gelegene Bergland mit Einschluß von K. als erbliches, unabhängiges Besitztum, wofür er sich zum Vafallen der indobrit. Regierung erklärte. Nach der Einverleibung des Pendschab in das Indobritische Reich (1849) blieb K. nebst Dschamu dem Gholab-Singh. Durch die Eroberungen, innern Umwälzungen, besonders aber durch die barbarische Herrschaft der Afghanen ist das einst so blühende Land sehr herabgekommen. Am meisten hat die Shawlfabrikation gelitten. Die Hauptstadt Kaschmir oder Serinagur, auch Srinägar (Sonnenstadt), unter 34 5 nördl. Br. und 74 57“ östl. L. von Greenwich gelegen, ist schlecht und eng aus Holzhäusern am Dschelam gebaut und hat außer dem ehemaligen Palast des Großmoguls kein merkwürdiges Gebäude. Sie zählt (1873) noch 132 681 E. In der Nähe ist der prächtige Garten Schahlimar, ehemals der Sommeraufenthalt des Großmoguls. Vgl. Hügel, „K. und das Reich der Sikhs (4 Bde., Stuttg. 1840 — 42). usch in (frz. cachemire, engl. cashmere), eigentlich ein Gewebe aus Kaschmirwolle (s. d.), das zu den echten orient. Shawls (Kaschmirshawls) verarbeitet wird; auch ein aus feiner Schafwolle hergestellter, geköperter, weicher Stoff ohne glänzende Appretur, der zu Damenkleidern verwendet wird. Beim halbwollenen Kaschmir besteht die Kette aus Seide, der Einschlag aus Kaschmir⸗ oder Merinowolle.