Kategorien (praedicamenta) nennt man in der Philosophie die allgemeinsten Begriffe und Gedankenbestimmungen, unter welche alle Gegenstände der Erfahrung, insofern sie gedacht werden, fallen. Schon der den Pythagoräern nahestehende Alkmäon scheint versucht zu haben, sie aufzuzählen; Aristoteles, welcher sie als allgemeine Bezeichnungen der Klassen unserer Begriffe aus der Sprache abstrahierte, nahm deren zehn an: substautia, quantitas, qualitas, relatio, actio, passio, ubi, quando, situs und habitus, und seine spätern Erklärer setzten dazu noch die sog. fünf Kategoreme Praedicabilia) und die fünf Postprädikamente. Obgleich die Stoiker und Neuplatoniker die Kategorienlehre zu vereinfachen suchten, so wurde doch die Aristotelische Aufzählung derselben bei den Scholastikern allgemein angenommen und zu einer Topik angewendet, zufolge deren man einen Gegenstand nach den K. durchging, um zu bestimmen, welche Merkmale ihm beigelegt werden könnten oder müßten. Darauf gründete sich die Heuristik (s. d.) oder Erfindungskunst (ars magna) des Raimundus Lullus und Giordano Bruno. Auch die spätere Schulmetaphysik behielt die Aristotelischen K. in der Voraussetzung bei, daß sie etwas den Dingen selbst Zukommendes bezeichnen. Daries in Frankfurt a. O. stellte sieben K. auf, welche, in einen Hexameter gebracht, lauten: Quis? Quid? Ubi? Quibus auxiliis? Cur? Quomodo? Quando? Eine vollkommene Umgestaltung erhielten die K. durch die kritische Philosophie. Kant nämlich faßte sie nicht als Bestimmungen dessen, was ist und geschieht, sondern als Grund- und Stammbegriffe des menschlichen Erkenntnisvermögens, als die unabhängig von der Erfahrung oder a priori vorausgesetzten Elementarbegriffe auf, durch welche für uns erst eine Erfahrung möglich werde, welche aber, in ihrer Anwendung über die Grenzen der Ersahrung ausgedehnt, zu leeren Formen herabsinken. Kant fand den Ursprung der K. in den Funktionen des Verstandes im Urteilen, und da er die Urteile ihrer Quantität nach in allgemeine, besondere und einzelne, ihrer Qualität nach in bejahende, verneinende und limitierende, ihrer Relation nach in kategorische, hypothetische und disjunktive, ihrer Modalität nach endlich in problematische, assertorische und apodiktische einteilte, so bezeichnete er als die „K. der Quantität Einheit, Vielheit und Allheit; als die der Qualität Realität, Negation und Limitation; als die der Relation Subsistenz, Causalität und Wechselwirkung; endlich als die der Modalität nißt, sind unter C aufzusuchen. Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit samt ihren Gegenteilen. Die spätern spekulativen S steme haben verschiedene Versuche gemacht, die K. nicht bloß aufzuzählen, sondern abzuleiten. So betrachtete Fichte die obersten Erkenntnisbegriffe nicht als ein ursprüngliches, a priori vorhandenes Eigentum des menschlichen Geistes, sondern als verschiedene Ausdrücke und Bestimmungen der absoluten Thätigkeit des Ich. In der Hegelschen Philosophie entwickelt sich das System der K. nach dem Leitfaden der dialektischen Methode als die Reihe der Evolutionen, die das Erkennen durchläuft, daher das Wort K. hier in dem Sinne gebraucht wird, daß es den allgemeinen Gesichtspunkt bezeichnet, unter welchem ein Ding, ein Ereignis, ein Verhältnis u. s. w. betrachtet wird. Fries versuchte die Kantsche Kategorientafel auf diejenigen der Relation zurückzuführen: Schopenhauer erkannte nur eine einzige, diejenige der Causalität, als Grundfunktion des Verstandes an. Die gegenwärtige Psychologie sucht die anatürlichen K.» als die gesetznäßigen Grundformen der elementaren Vorstellungsverbindungen. Vgl. Trendelenburg, «Geschichte der Kategorienlehres (Berl. 1846).