FeedLagarde (Paul Ant. de)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Lagarde (Paul Ant. de), eigentlich Bötticher, verdienter Orientalist und Sprachforscher, geb. 2. Nov. 1827 zu Berlin, besuchte das dortige lin und Halle Theologie, Philosophie und morgenländ. Sprachen, habilitierte sich 1851 in Halle und arbeitete 1852—53 in London und Paris. Ostern 1854 wurde L. Lehrer am Werderschen Gymnasium in Berlin, 1855 an der Luisenstädtischen Realschule daselbst, im Herbst desselben Jahres an das Köllnische Realgymnasium und 1858 an das Werders che Gymnasium versetzt. Nachdem ihm 1866 auf drei Jahre Freiheit vom Schulamt gewährt worden war, ward er 1869 als Ewalds Nachfolger zum Professor in Göttingen ernannt. L.s erste Schriften, die 1866 gesammelt erschienen, beschäftigten sich vorzugsweise mit der iranischen Welt. Als Früchte seines londoner und pariser Aufenthalts erschienen in syr. Sprache: Didascalia apostolorumo (Lpz. 1854), «Reliquiae juris ecclesiastici antiquissimaes (Lpz. 1856), Analecta syriacap (Lpz. 1858), (Titus Bostrenus contra Manichaeoso (Lpz. 1859), (Geoponieao (Lpz. 1860), und die mit diesen Texten in Beziehung stehenden griechischen: «Reliquiae juris ecclesiastici antiquissimae graecey (Lpz. 1856), Hippolyti Romani quae feruntur graecen (Lpz. 1858), (Titi Bostreni quae ex opere contra Manichaeos edito graece scripta servata sunty (Lpz. 1859), (Constitutiones apostolorum graecen (Lpz. 1862), Clementina (Lpz. 1865). Auf die iranischen Idiome kam er 1877 in «Armenischeny, 1883 in (WPersischen Studieno zurück; Aegyptiacas erschienen 1883. Sein Hauptgewicht legte L. jedoch auf seine Beiträge zur Kritik des Bibeltextes. In diesen Arbeitskreis gehören unter mehrern andern die Ausgaben der syr. Übersetzung der alttestamentlichen Apokryphen (1861), der arab. Übersetzung der Evangelien (1864), der kopt. übersetzung des Pentateuch (1867), der Materialien zur Kritik und Geschichte des Pentateuch (arab., 1867), der griech. Genesis und der sich ihr anschließenden Quaestioneso des Hieronymus (1868), der „Onomastica sacra (1870), der Prophetae chaldaice (Lpz. 1872) und der „Hagiographa chaldaicen (Lpz. 1873), des Psalterium iuxta Hebraeos Hieronymio (Lpz. 1874) und des ersten Teils der kanonischen Bücher der Septuaginta (Gött. 1883). L. sucht für diese Ausgabe die drei Recensionen der Septuaginta herzustellen, welche nach des Hieronymus Zeugnis in den drei Kirchenprovinzen des Orients amtlich galten, und es gelang ihm, zunächst für die Hälfte des Alten Testaments den Text vorzulegen, welcher, von Lucian in Antiochia gegen das J. 300 hin konstituiert, in Antiochia und Konstantinopel anerkannt war und von Ulfilas ins Gotische übersetzt wurde. Die beiden Bände Symmictay und die Mitteilungeno (Gött. 1877, 1881 u. 1884) enthalten die kleinern Arbeiten L.S3. Als polit. Schriftsteller ist er aufgetreten in den beiden Schriften: Küber das Verhältnis des deutschen Staats zur Theologie, Kirche und Religiono (Gött. 1873), cüber die gegenwärtige Lage des Deutschen Reichso (Gött. 1876) und in andern, die außer dem „Programm für die konservative Partei Preußensv (1884) in seinen Deutschen Schriftend (2 Bde., Gött. 1878—81) gesammelt vorliegen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 744Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6