Kelch (calix, Trinibecher) hat die spezielle Bedeutung des Trinkgefäßes zur Spendung des Weins bei dem Heiligen Abendmahl erhalten. Die Bestandteile des K. sind der eigentliche K., die Bowle oder die Schale (cuppa) für den flüssigen Inhalt, der Fuß und zwischen beiden der Nodus oder Knauf, welcher sich in die Hand legt. So ist die Form des ältesten erhaltenen K., welchen Herzog Tassilo von Bayern im 8. Jahrh. an das Stift Kremsmünster schenkte. Diese Form ist wohl aus spätern röm. Trinkgefäßen hervorgegangen, welche einem Doppelbecher gleichen, dessen Fuß umgekehrt wieder als Gefäß dienen konnte. Im Laufe des Mittelalters wurde die Form schlanker, indem sich zwischen Bowle und Fuß der Ständer einschob und den Nodus aufnahm; der Fuß erhielt dann konkave Schweifung, statt der ältesten konvexen. Als der K. noch den Laien mitgeteilt wurde, gab es zwei Arten von K., den kleinern, in welchem der Wein vom Priester konsekriert wurde, und einen größern, in welchem er dem Laien dargereicht wurde. Dieser trank aus einer Röhre. Ein solcher „Speisekelcho mit der Röhre (tistula), reich in Niello verziert, existiert noch aus dem 12. Jahrh. im Stifte Wilten bei Innsbruck in Tirol. In ältester Zeit gab es K. von verschiedenem Metall; später wurde aber edles Metall, oder wenigstens Vergoldung (von Kupfer) die Vorschrift. Man fügte dann reiche Verzierung hinzu. Schon der Tassilokelch zeigt ringsum getriebene Arbeit; dann folgte Verzierung mit Niello, Email, welches auf Silberplatten in den Fuß und den Nodus eingesetzt wurde, Besatz mit Steinen und Korallen, in got. Zeit Maßwerk und stilisiertes Laub, welches letztere auch den untern Teil des eigentlichen Gefäßes umgab. Maßwerk und überhaupt scharfkantiges architektonisches Ornament legte sich im 15. Jahrh. so um den Nodus, daß diese reichgeschmückten K. sehr unhandlich wurden. Das 16. Jahrh. vereinfachte wieder den K., insbesondere den in der prot. Kirche gebräuchlichen, welcher im obern Teile statt der Halbkugelform einen geschweiften Contour annahm. Auch fiel der Nodus hinweg und die Bowle des prot. Kelchs wurde größer wegen der größern Menge des Weins für die Laien. Die Form wurde dadurch schlanker, aber nicht schöner. H K. gehört noch die Patene (patena), eine flache Schale, auf welcher die Hostie dargeboten wird und welche zugleich auf dem K. zur Bedeckung und Schützung des geheiligten Weins dient.