Keller (Adelbert von), einer der gründlichsten Kenner der ältern deutschen und roman. Litteratur, geb. 5. Juli 1812 zu Pleidelsheim im württemb. Oberamte Marbach, besuchte das Pädagogium zu Eßlingen und das Gymnasium zu Stuttgart, studierte 1830—34 in Tübingen Theologie, widmete sich aber daneben unter Uhlands Leitung dem Studium der abendländ. Litteraturen des Mittelalters. Hierauf durchforschte er in Paris die reichen handschriftlichen Schätze der dortigen Bibliotheken für altfranz. Litteratur. Als Frucht dieser Arbeiten erschienen alsbald Li romans des sept sageso (Tüb. 1836). Im Herbst 1835 habilitierte sich K. zu Tübingen für german. und roman. Litteratur und ging 1840 nach Italien, wo er die mittelalterlichen, namentlich altfranz. Handschriften der vatikanischen und der Markusbibliothek zu Rom und Venedig benutzte. Einen Teil der Ausbeute teilte er in seiner „Römvarto (Mannh. 1844) mit. Nach der Rückkehr wurde er 1841 außerord. und 1844 ord. Professor der deutschen Litteratur und Oberbibliothekar in Tübingen. Letzteres Amt bekleidete er jedoch nur bis 1850. K. starb 13. März 1883 in Tübingen. Außer den bereits genannten Werken verdienen noch besondere Hervorhebung seine Ausgaben des 4Romancero del Cido (Stuttg. 1839), der «Altdeutschen Gedichtes (Tüb. 1846 fg.), des Meister Altswerte (Stuttg. 1850), der Martina von Hugo von Langenstein (Stuttg. 1855) und des «Karlmeinete (Stuttg. 1858); ferner die Sammlungen Alte gute Schwänker (Lpz. 1847; 2. Aufl., Heilbr. 1876) und «Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrh.» (3 Bde., Stuttg. 1853; Nachlese 1858), endlich die Ausgaben der Schriften Grimmelshausens (4 Bde., Stuttg. 1854—62), der Dramen Ayrers (5 Bde., Stuttg. 1865) und der Werke von H. Sachs (Bd. 1—14, Stuttg. 1871—82). Von K.s übrigen Werken sind, außer den libertragungen der «Sämtlichen Romane und Novelleno des Cervantes (mit Notter, 12 Bde., Stuttg. 1839—42) und der Schauspiele des Shakspeare (mit Rapp, 37 Tle., Stuttg. 1843 —46), noch zu nennen »Altfranz. Sageno (2 Bde., Tüb. 1839 —40) und „Ital. Novellenschatze (6 Tle., Lpz. 1851). Ein Teil der erwähnten Ausgaben älterer deutscher Litteraturwerke erschien in den Publikationen des Litterarischen Vereins in Stuttgart, welchem K. seit 1849 präsidierte. Aus Uhlands Nachlaß hat K. dessen dramatische Entwürfe in dem Buche Uhland als Dramatikero (Stuttg. 1877) und, in Verbindung mit Holland und Pfeiffer, dessen prosaische Schriften zur Geschichte der Dichtung mißt, sind unter C aufzusuchen. und Sages (Bd. 1—3 und Bd. 6—8, Stuttgart 1865 —73) herausgegeben. Otto K., Philolog, der Sohn des vorigen, geb. 28. Mai 1838 in Tübingen, breren daselbst und in Bonn, war dann als Lehrer an verschiedenen Orten thätig und wurde 1866 Rektor des Lyceums in Ohringen, 1872 Professor an der Universität zu Freiburg i. Br., 1875 in Graz. Seit 1882 ist er Professor der klassischen Philologie an der Universität Prag. Besondere Verdienste hat er sich durch die mit A. Holder bearbeitete Ausgabe des Horaz erworben (2 Bde., Lpz. 1864—69, kleinere Ausg., Lpz. 1878); dazu kommen: «Epilegomena zu Horazo (3 Bde., Lpz. 1879—80). Auch veröffentlichte er Untersuchungen über die Geschichte der griech. Fabel» (Lpz. 1862), «Die Entdeckung Ilions zu Hissarlik v (Freihurg 1875) und «Der saturnische Vers als rhythmisch erwiesen» (Prag 1883).