FeedKellermann
GeschichteBrockhaus 1882

Kellermann (ursprünglich Georg Michael; später, nach seinem Übertritt zur kath. Kirche, Frangois Christophe genannt), Herzog von Valmy, Pair und Marschall von Frankreich, geb. 30. Mai 1735 zu Weiler unweit Wolfsbuch bei Rothenburg an der Tauber als der Sohn eines Bauern. Er trat 1752 in ein franz. Husarenregiment, zeichnete sich im Siebenjährigen Kriege als Offizier mehrfach aus, kämpfte 1772 in Polen für die Konföderation von Bar und war beim Ausbruche der Revolution bereits Maréchal-de-⸗Camp. K. wurde 1792 Divisionsgeneral und bald darauf Oberbefehlshaber der Moselarmee. Beim Einmarsch der Preußen wich er bis an die Argonnen zurück, vereinigte sich aber 19. Sept. mit Dumouriez und lieferte den Preußen unter dem Herzog von Braunschweig 20. Sept. 1792 die Kanonade bei Valmy (s. d.), infolge deren diese den Rückzug antraten. Dumouriez überließ hierauf K. die Verfolgung. Er wurde beschuldigt, diese lau betrieben zu haben, verhaftet, vor Gericht gestellt, freigesprochen, erhielt im Frühjahr 1793 den Befehl über die Alpenarmee, wurde aber auf Betreiben Custines wegen mangelhafter Leitung der Belagerung von Lyon nochmals angeklagt und nach dem Sturze Robespierres, 1794, freigelassen. Man gab ihm jetzt den Oberbefehl über die Alpenarmee, die sich auf die Defensive beschränkte. Als Scherer 1795 das Kommando in Italien übernahm, blieb K. Befehlshaber der Alpenarmee, deren größten Teil er jedoch an Bonaparte 1796 abgeben mußte. Im folgenden Jahre nach Paris berufen, übertrug man ihm die Organisation der Gendarmerie und verwendete ihn dann im Innern. Nach der Revolution vom 18. Brumaire trat er in den Senat. Bei Errichtung des Kaiserreichs wurde er Marschall und Herzog von Valmy. Napoleon übertrug ihm die Organisation der Nationalgarden in den Rheindepartements, stellte 1806 die Reservearmee am Rhein unter seinen Befehl und verlieh ihm nach dem Feldzuge die Herrschaft Johannisberg (s. d.). In dem Feldzuge von 1809 befehligte K. die Reserve an der Elbe, 1813 bei Metz. Nach der Abdankung Napoleons 1814 unterwarf er sich den Bourbons und wurde zum Pair erhoben. Während der Hundert Tage übte er keine amtliche Thätigkeit aus und blieb deshalb nach der zweiten Restauration in der Stellung eines Königl. Kommissars bei der Militärdivision Metz, sowie Pair des Reichs. Er starb 12. Sept. 1820. Auf dem Schlachtfelde zu Valmy ist ihm ein Denkmal errichtet, unter welchem sein Herz ruht. Frangois Etienne von K., franz. Generallieutenant, Sohn des vorigen und nach dessen Tode Herzog von Valmy, wurde 4. Aug. 1770 zu Metz geboren. Er war beim Ausbruche der Revolution Husarenlieutenant, befand sich 1791 — 93 bei der franz. Gesandtschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika, befehligte 1796 als Generaladjutant Bonapartes eine Kavalleriebrigade und stieg nach der Schlacht von Marengo, deren Entscheidung er durch eine Leralcauf Attacke herbeiführte, zum Divisionsgeneral auf. Im Feldzuge von 1805 zeichnete er sich bei Austerlitz aus, wo er schwer verwundet wurde, ebenso 1807 unter Junot in Portugal, konnte wegen Krankheit 1812 am russ. Feldzuge nicht teilnehmen, kämpfte aber 1813 in der Schlacht bei Bautzen und gab 1814 unter Grouchy, später an der Spitze eines Kavalleriekorps, ermißt, sind unter E aufzusuchen. hervorragende Beweise seiner Befähigung als Reitergeneral. Nach der ersten Restauration wurde er Generalinspektor der Kavallerie in Nancy und Lunsville, schloß sich dann Napoleon wieder an und führte bei Ligny und Waterloo das 3. Kavalleriekorps. Nach der zweiten Restauration wurde er nicht mehr militärisch verwendet und starb 2. Juni 1835. Frangois Christophe Edouard K., franz. Staatsmann, Sohn des vorigen, und seit dessen Tode Herzog von Valmy, geb. zu Paris 16. April 1802, trat nach der Wiederherstellung des Königtums in den diplomatischen Dienst und war ein treuer Anhänger der ältern Linie der Bourbons. Er schied 1833 aus dem Staatsdienste und wirkte seit 1842 als Vertreter des Depart. Toulouse im Parlament für die legitimistische Partei. Im J. 1848 zog er sich ins Privatleben zurück und starb zu Passy 2. Okt. 1868.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 226Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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