FeedKetteler (Wilh. Emanuel, Freiherr von)
ReligionBrockhaus 1882

Ketteler (Wilh. Emanuel, Freiherr von), Bischof von Mainz, geb. 22. Dez. 1811 zu Münster, wurde 1824—28 im Jesuitenkollegium zu Brieg erzogen, studierte zuerst die Rechte und arbeitete 1835—37 als Referendar bei der Regierung zu Münster. Um in den Genuß einer Präbende zu kommen, nahm K. 1836 die Tonsur, verließ 1837 den Staatsdienst und entschloß sich 1841 Priester zu werden. K. studierte in München Theologie, trat Herbst 1843 in das Priesterseminar zu Münster, wurde 1844 zum Priester geweiht, zuerst als Kaplan in Beckum, 1846 als Pfarrer in Hogsten in Westfalen angestellt. Im J. 1848 ins frankfurter Parlament gewählt, bemühte er sich, die freiheitlichen Bestrebungen der Zeit auszunutzen, um der Kirche völlige Unabhängigkeit vom Staate zu wahren. Im J. 1849 ward K. als Propst an St. Hedwig nach Berlin berufen und bereits am 25. Juli 1850 als Bischof von Mainz inthronisiert. Auf Kũs Veranlassung traten die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz 1851 zu Freiburg zusammen, überreichten den Regierungen von Baden, Württemberg, Hessen und Nassau ihre auf die «Freiheit der Kircher bezüglichen Forderungen und wiederholten dieselben in zwei Denkschriften vom J. 1853. K. errichtete 1851 eine theol. Lehranstalt am bischöfl. Klerikalseminar zu Mainz und verbot den Besuch der kath.⸗theol. Fakultät zu Gießen. Die Regierung, an deren Spitze der Freiherr von Dalwigk stand, gab in der vorläufigen Übereinkunft vom 28. Aug. 1854 in den wichtigsten Punkten nach, dennoch verlangte der Papst noch weitere Zugeständnisse, welche die Konvention vom April 1856 zum großen Teil gewährte. Dieselbe wurde zwar 1866 formell wieder aufgehoben, blieb aber bis zum Sturz des Ministeriums Dalwigk (1871) thatsächlich bestehen. Nach der Aufrichtung des Deutschen Reichs war K. einer der einflußreichsten Führer der ultramontanen Partei. Als Vertreter des bad. Wahlkreises Tauberbischofsheim nahm er am ersten Deutschen Reichstag teil. Vergebens bemühte er sich, die Aufnahme der Grundrechter in die deutsche Verfassung durchzusetzen. Als dann seit 1872 die staatliche Gesetzgebung den übergriffen der kath. Kirche entgegentrat, war K. die Seele des hartnäckigen Widerstandes von seiten der ultramontanen Partei. Auf nißt, sind nuter C anszusuchen. dem Vatikanischen Konzil gehörte K. zunächst der Opposition an, bat den Papst fußfällig, von der Verkündigung der Unfehlbarkeit abzusehen, und reiste vor der Abstimmung fort; dann aber publizierte er schon 20. Aug. 1870 die vatikanischen Beschlüsse und war eifrig bemüht für die Annahme derselben. Auf der Rückkehr von einer Reise nach Rom erkrankte K. im Kloster Burghausen in Oberbayern und starb hier 13. Juli 1877. Seine Leiche wurde im Dom zu Mainz beigesetzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 250Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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