FeedKirchentag
ReligionBrockhaus 1882

Kirchentag (evangelischer) heißt eine von 1848 bis 1872 sechzehnmal zusammengetretene Versammlung kirchlich gesinnter Männer geistlichen und weltlichen Standes aus den verschiedenen evang. Landeskirchen Deutschlands zur Beratung gemeinsamer kirchlicher Angelegenheiten. Der erste K. zu Wittenberg, geleitet durch Bethmann-Hollweg und Stahl, beschloß die Stiftung eines Kirchenbundes, zu welchem alle auf dem Grunde der reformatorischen Bekenntnisse stehenden Kirchengemeinschaften, namentlich die lutherische, die reformierte, die unierte und die Brüdergemeine, zusammentreten sollten, nicht als zu einer, die konfessionellen Kirchen aufhebenden Union, sondern zu einer Konföderation, welche die innern und äußern Verhältnisse jeder Kirche unberührt lasse. Dieser Kirchenbund ist nie zu Stande gekommen; auch die Eisenacher Kirchenkonferenz (s. d.) kann nicht als Verwirklichung dieses Gedankens gelten. Allmählich verlor der K. an Einfluß. Strenge Lutheraner hatten sich von Anfang an fern gehalten. Seit 1857 zogen sich auch die preuß. Lutheraner, wie Hengstenberg und Stahl, zurück; später erschienen auch die Führer der Linken nicht mehr. Seit 1872 fand keine Versammlung des K. mehr statt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 301Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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