FeedKirchweihe
ReligionBrockhaus 1882

Kirchweihe nennt man die religiöse Handlung (consecratio), durch welche eine neuerbaute oder ihrer Bestimmung eine Zeit lang Leui ene Kirche dem gottesdienstlichen Gebrauche feier ich gewidmet wird. Diese Feierlichkeit hat ihren Ursprung in der jüd. Tempelweihe, die in den Monat Kislev (unsern November) fiel, acht Tage dauerte und auch das (Fest der Lichter » hieß, weil die Juden während desselben ihre Wohnungen erleuchteten. In der christl. Kirche wurde die K. erst seit Konstantin d. Gr. gebräuchlich, und ihre Feierlichkeiten waren, nach dem Zeugnisse des Eusebius, sehr einfach. Der Hauptsache nach bestanden sie in einem solennen Gottesdienste mit der Feier des heil. Abendmahls, in Dankgebeten und Segenssprüchen. Gregor d. Gr. gibt bereits ein ausführliches Ceremoniell für die K. Sie war die Funktion des Diöcesanbischofs. So geschieht es in der — Kirche noch jetzt. Die Feierlichkeiten sind in der kath. Kirche nicht überall gleich; wesentlich aber kommen sie darauf hinaus, daß der Bischof schon vor dem Tage der eigentlichen K. fastet, die Reliquien in den noch nicht geweihten Altar legt und die Vigilien hält. Am Tage der K. hält der Bischof einen feierlichen Umgang um die Kirche, zieht dann unter besondern Ceremonien in dieselbe ein, hält die üblichen Gebete, nimmt nach andern feierlichen Akten die Segnung und Weihe der innern Teile der Kirche vor, namentlich der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. Wände und der Altäre, legt die Reliquien in die letztern und hält in Gegenwart der Gemeinde das Hochamt. Der gottesdienstliche Ritus der Oktave, d. h. der folgenden acht Tage, muß sich auf diese Feier beziehen. Bei den Protestanten wird die K. durch Gottesdienst und eine auf sie sich beziehende Rede, die vom Superintendenten gehalten wird, vollzogen. Schon in der alten Kirche, in Deutschland seit dem 9. Jahrh, wurde der Tag der K., der regelmäßig auf einen Sonntag fiel, ein jährliches Telt⸗ welche Sitte sich bis heute in einem großen eile der christl. Welt erhalten U7 Man pflegt dieses Fest das Kirchweihfest, auch Kirch messe und Kirmse zu nennen, weil es in der röm. Kirche üblich ist, zum Andenken an die Stiftung einer Kirche eine Messe zu halten. An diesem Feste begeht man nur den ersten Tag 2— gottesdienstliche Weise, an den andern Tagen aber überläßt man sich dem Tanze und allerlei Lustbarkeiten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 305Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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