Kirmän oder Kermän, im Altertum Karmania, die südöstl. Provinz Persiens, zwischen Seistän und Balutschistän im O., der Ormusstraße des Persischen Meerbusens im S., Farsistän im W., Chorasän und Irak-Adschmi im N., etwa 150000 qkm groß mit 500000 E., gehört im N. der centralen Salzwüste Irans an; der südl. Teil ist ein bewohnbares Bergland. Wo das Gestade seine Richtung gegen N., NW. und W. nimmt, bildet es einen schmalen Küstenstrich, der mit einem Teile des dahinter aufsteigenden Stufenlandes Mogistan, d. h. Dattelland, genannt wird. Das Klima gilt für sehr ungesund; indes sind einige Striche in Narmanschir so gesund wie Schiras. Hauptprodukte sind Baumwolle, Weizen, Gerste, Gummi, fast unübertreffliche Datteln und die als äußerst weich berühmte Schaf⸗ und Ziegenwolle, welche in K. zu Shawls verarbeitet wird. Die Hauptstadt Kirmän (Carmana), auch Sirdschän oder Serdschän genannt, liegt im Süden der Wüste, am Westende einer großen, gutangebauten Ebene, welche sich durch Schaf⸗, Ziegen- und Kamelzucht auszeichnet und wegen ihrer Fruchtbarkeit die Kornkammer Persiens genannt wird. K. hat 42 Moscheen, 53 öffentliche Bäder, 4 große und 22 kleinere Bazare und zählt 40000 E., worunter 1300 Parsen und 80 Juden; die übrigen sind Mohammedaner und zwar Perser (Tadschiks), Kurden, Hindu und Armenier. Man gewinnt berühmte Seide und verfertigt hier Seidenstoffe, namentlich Atlas, sehr geschätzte Shawls aus Schafwolle und Ziegenhaaren, die besten Namads oder groben Wolldecken, Teppiche u. s. w. Auch ist K. der Knotenpunkt mehrerer Karawanenstraßen, von denen die nach Herat und Kandahar den pers. Handel mit Indien, die nach Westen und Süden gerichteten den Verkehr mit Schiras und dem Persischen Golf, die andern mit dem nördl. und nordwestl. Teile des Reichs vermitteln. Daß die Stadt einst einen bedeutenden Umfang hatte, beweist das welte Trümmerfeld, welches sich um sie ausbreitet. Seit 1041 herrschten in K. die Seldschuken, und — 1063— 1187 die Dynastie der Kaderdiden, welche 1187 den Khowaresmiern unterlag. Später gehörten Stadt und Land der in der Mitte des 14. Jahrh. gestifteten Dynastie der Mozafferiden.