Kiß (August), namhafter Bildhauer, geb. 11.Okt. 1802 in Paprotzan bei Pleß in Oberschlesien, erhielt seinen ersten Unterricht in der fürstl. Ortsschule zu Gleiwitz, beschäftigte sich dann als Modellarbeiter in einer Eisengießerei, bis er 1822 nach Berlin kam, wo er die Akademie besuchte und in Rauchs Werkstatt seine Kunst praktisch übte. Reliefs an Kirchen und öffentlichen Gebäuden, Gruppen von Nymphen, Tritonen etc. als Zierde einer großen Brunnenschale in Charlottenhof, dies alles meist nach Schinkelschen Zeichnungen, waren seine ersten öffentlichen Leistungen. Außerdem beschäftigte ihn schon der erste Entwurf zu seiner so berühmt gewordenen Amazonengruppe; 1839 war das Modell fertig und erregte einen solchen Enthusiasmus im Publikum, daß ein sich dafür bildender Verein den Plan fassen konnte, das kolossale Werk auf Subskription in Bronze ausführen zu lassen. Am 22. Juni 1843 wurde die Gruppe auf der Treppenwange des Museums aufgerichtet. Dieselbe stellt eine reitende Amazone dar, welche ihren Speer gegen einen Panther hebt, der, von vorn angesprungen, das Pferd mit den Zähnen und Tatzen gepackt hat. Inzwischen war dem Meister ein Reiterstandbild Friedrichs d. Gr. in Erz von der Provinz Schlesien für Breslau übertragen worden. K. stellte den König im stattlichen Mannesalter dar auf lebhaft vorschreitendem Rosse. Den König Friedrich Wilhelm III. bildete K. zweimal in Bronze, einmal für Potsdam zu Fuß in Generalsuniform mit unbedecktem Haupte, eine Mantelfigur; das andere mal zu Pferde mit Purpurmantel und Lorbeerkranz zugleich als Helden, Gesetzgeber und Landesvater, im vollen Mannesalter und in der Verklärung eines Heros. Letzteres Standbild, in Lauchhammer gegossen, wurde im Sommer 1851 in Königsberg *+½½ In demselben Jahre nahm bei der großen Ausstellung in London unter den Skulpturwerken ein bronzierter Zinkguß der Amazonengruppe die erste Stelle ein. Diese Wiederholung des Meisterwerks K.“ wurde nach Amerika verkauft, ist überhaupt in verkleinerten Nachbildungen außerordentlich verbreitet. Darauf bildete K. einen heil. Michael, der den Drachen besiegt, in Bronze, ein Geschenk König Friedrich Wilhelms IV. an den damaligen Prinzen von Preußen zur Erinnerung an den von diesem gedämpften Aufstand in Baden, wovon ein anderes Exemplar in Zink nach Karlsruhe kam. Dieselbe Idee, der heil. Georg als Drachenbesieger, gab K. in einer kolossalen Reiterstatue wieder (1853), welche 1855 in Paris die Preismedaille erhielt. Dieses Werk kam nach des Meisters Tode als Geschenk der Witwe an den König in einem der Schloßhöfe zu Berlin zur Aufstellung. Für Dessau modellierte K. das (1858 enthüllte) Denkmal des Herzogs Leopold Friedrich Franz Seine letzten Arbeiten waren die Figur Beuths für dessen Denkmal in Berlin und die Ersetzung von vier marmornen Feldherrenstatuen auf dem Wilhelmsplatze durch bronzene. K. starb 24. März 1865. Er war Mitglied der berliner Kunstakademie und Professor am Gewerbeinstitut.