FeedFischer (Ferd. Aug.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Fischer (Ferd. Aug.), Bildhauer und Stempelschneider, geb. zu Berlin 17. Febr. 1805, war anfangs Goldschmied, wandte sich aber nach einigen Wanderjahren der Kunst zu und besuchte unter G. Schadow die berliner Akademie. Nach dem Beispiel seines ältern Bruders, Karl F. (geb. 1802, gest. 1865), versuchte er sich erst in kleinen Fachreliefs. Als er in das Atelier von Rauch eingetreten war, machte er bald entschiedene Fortschritte, wie seine röm. Wasserträgerin, die König Friedrich Wilhelm III. 1839 für sein Palais ankaufte, bekundet. Damals entstand seine ausgezeichnete Medaille auf A. von Humboldt. Er wurde 1848 als Professor an der Akademie angestellt und erhielt den Auftrag, für den Belle⸗-Allianceplatz als passende Umgebung der Victoriasäule daselbst vier Kriegergruppen zu komponieren, welche die vier an der Schlacht bei Belle-Alliance beteiligten Verbündeten: Nassau, England, Braunschweig und Preußen, darstellen sollten. Bereits 1850 waren die Modelle der ersten zwei fertig geworden, und obwohl Komposition und Ausführung sich der allgemeinen Anerkennung erfreuten, so waltete doch über dem ganzen Unternehmen ein Unstern, der die Ausführung viele Jahre verhinderte. Erst 1876 fand die Aufstellung dieser Gruppen statt. Außerdem führte er kleinere Arbeiten aus, die alle in Berlin ihre Aufstellung fanden, so die Figuren an der neuen Börse, verschiedene Karyatiden u. dgl. Seine eigentümliche Kunstbegabung in der Kleinkunst zu suchen. Seine Rauch-Medaille (1851) zeichnet sich durch geistvolle Auffassung aus. Zu erwähnen sind noch die Medaillen zur Vermählung des Kronprinzen, zum Schiller-Jubiläum; e3 für kunstindustrielle Zwecke lieferte er vorzügliche Zeichnungen und Modelle, wie für der. eräte, Vasen, Ehrenschilde u. s. w., so nach der Zeichnung von Cornelius den Glaubensschild, der vom König 1844 als Pathengeschenk an den Prinzen von Wales bestimmt war; ferner die Hochzeitsgeschenke für den Kronprinzen: eine Vase und zwei Kandelaber, welche die Stadt Berlin, und den Ehrenschild, den der rhein. Adel für den erwähnten Zweck arbeiten ließen. F. starb zu Berlin 2. April 1866. —7⁷ (Franz Joseph Ludwig), ausgezeichneter Bassist, geb. 1745 zu Mainz, wo er in der Kapelle des Kurfürsten wirkte, bis er 1767 in Mannheim die Bühne betrat. Hier blieb er längere Zeit, während er in der Folge seine Engagements rascher wechselte. So kam er 1778 nach München, von da 1779 ans Wiener Nationaltheater, 1783 nach Paris, 1784 nach Italien und nahm endlich 1785 ein Engagementsanerbieten des Fürsten von Thurn und Taxis an. Die Höhe seines Ruhms erreichte er in Berlin, wohin er 1788 durch Vermittelung Reichardts an die ital. Oper gekommen war und wo er nun bis zu seiner Pensionierung 1815 wirkte, besonders gefeiert als Axur, Osroes (4Semiramiso), Brennus und dergleichen Partien. Durch Gastspiele, die ihn 1794 bis nach London führten, machte F. seinen Ruhm noch allgemeiner. Er starb am 10. Juli 1825 in Berlin. F. war seit 1779 vermählt mit Barbara geborene Strasser, geb. 1758 zu Mannheim, die, von Giorgetti ausgebildet, daselbst 1772 debütierte, 1779 nach München kam und nun ihrem Gatten auf seinen Zügen folgte. Im J. 1798 wurde sie pensioniert. Von den vier Kindern dieser Ehe, die sämtlich zur Bühne gingen, sind als tüchtige Sänger hervorzuheben Joseph (geb. 1780 zu Wien, gest. 9. Okt. 1862 zu Mannheim) und Josepha (geb. 1782 zu Wien, gest. 1854 zu Mannheim), die sich nach ihrem Gatten Fischer-Vernier nannte und als außergewöhnlich begabte dramatische Sängerin galt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 842Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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