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ErdkundeBrockhaus 1882

Klagenfurt, Hauptstadt des Herzogtums Kärnten und Sitz der Landesregierung, der autonomen Landesvertretung und eines Landesgerichts, zählt (1880) 18 747 CE. und liegt 450 m hoch in einer gegen Süden durch das Satnitzgebirge begrenzten Ebene, über welches die malerische Kette der Karawanken emporragt, Station der Linie Glandorf-K. der Kronprinz-Rudolfbahn und der Linie schen Südbahn, unweit der kleinen Flüsse Glan und Glanfurt und des reizenden Wörthersees, der mit drei Dampfern befahren wird und durch den Lendkanal mit der Stadt in Verbindung steht. Letztere bildet ein fast regelmäßiges Viereck mit geraden und breiten Straßen, ist aber wenig belebt. Ausgezeichnete Gebäude sind: der freistehende, 88 mehohe Turm der Rgidienkirche, von welchem man eine entzückende Rundschau über die Umgebung genießt; das Landhaus (1594 vollendet) mit dem Wappensaale des kärntner Adels; das fürstbischöfl. Palais mit einer Sammlung von Gemälden, Mineralien u. s. w.; das neue Realschulgebäude mit dem botan. Garten; das neue Bürgerhospital, das Gebäude der Hüttenberger-Eisenwerksgesellschaft, die neue Irrenanstalt u. s. w. Von den sechs öffentlichen Plätzen der Stadt sind der große Neue Platz mit dem Standbild der Kaiserin Maria Theresia (Erzguß nach Pönningers Modell) und dem riesigen Lindwurm auf dem Brunnen, dem Wahrzeichen der Stadt, und der Fürstenplatz mit einem Obelisk zur Erinnerung an den Preßburger Frieden hervorzuheben. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein Obergymnasium mit öffentlicher Bibliothek, eine theol. Lehranstalt mit Priesterseminar, eine Oberrealschule, eine Lehrer⸗ und Lehrerinnenbildungsanstalt, eine mechanische Lehrwerkstätte, Zeichen⸗ und Modellierschule, Ackerbau⸗, Berg⸗ und Gartenschule und eine Taubstummenlehranstalt. Der wissenschaftlichen Forschung gewidmet sind der Naturhistorische Verein, der ein Landesmuseum gegründet, und der Historische Verein, der eine ziemlich reichhaltige Bibliothek gesammelt hat und eine vortreffliche Sammlung röm. Altertümer und Inschriftsteine besitzt. Unter den industriellen Etablissements treten hervor die Tabaksfabrik, die Herbertsche Bleiweißfabrik, die größte der österr. Monarchie, die Tuchfabrik der Gebrüder Moro, große Lederfabriken und eine Maschinenfabrik. Der Handel K.s, zu dessen A. eine Handels- und Gewerbekammer und eine Bankfilial-Escompteanstalt bestehen, beschäftigt sich vorzugsweise mit Transit und der Ausführ der Erzeugnisse der Montanindustrie des Landes. Die 1809 von den Franzosen zerstörten Festungswerke sind in Spaziergänge verwandelt. Zwischen K. und St. Veit, auf dem Zollfelde, findet man Spuren der alten röm. Stadt Virunum, und ebenfalls am Zollfelde steht das alte histor. Monument Kärntens, der Herzogsstuhl, wo ehedem jeder neue Herzog von Kärnten die Belehnung der herzogl. Lehne ausübte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 317Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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